Wie war's denn nun, das Leben auf den Burgen, deren Überbleibsel unter dem Prädikat "Deutscher Burgenwinkel" firmieren und vermarktet werden?, wollte der Bramberger Ortssprecher Wolfgang Heppt, im übertragenen Sinne Nachfolger der einstigen Adelsherrschaften, wissen. "Ganz langweilig, nur Verwaltungsarbeit und Landwirtschaft", bekam er zur Antwort.

Derjenige, der die Antwort gab, muss es wissen: Nicht nur, dass er ausschaut, als könnte er am Wochenende ohne Verkleidung beim Eberner Mittelaltermarkt auftreten, Burgenforscher Joachim Zeune ist ausgewiesener Experte und lebt gedanklich in den Objekten, die er seit Jahrzehnten erforscht. Ein virtuelles Zwischenergebnis seiner Studien präsentierte Zeune am Donnerstagabend beim Kreis-Kulturcafé vor über 100 Interessenten im völlig überfüllten Gasthaus "Grüner Baum".

Am Computer wieder aufgebaut

Es waren nicht
nur die Bilder und Videos über die am Computer wieder aufgebauten Ruinen. Zeune selbst erwies sich als leidenschaftlicher Erzähler, der die Zuhörer in seinen Bann zog. Er plauderte über das Machtstreben "der nicht zimperlichen Würzburger", die durch Falschbezichtigungen beim Kaiser die Burgen der Bamberger Statthalter schleifen ließen.

Gleichzeitig räumte er aber mit manchem Vorurteil auf, wonach die Prachtbauten auf den Hügeln als Trutzburgen dienten, um Feinde abzuschrecken. "Die Wehrhaftigkeit spielte nur eine Nebenrolle, die Burgen waren eher Verwaltungszentrum, um das Land ringsherum zu befrieden", entlarvte Zeune glorifizierende Darstellungen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Als "Quatsch und Humbug" betitelte er die Mär, wonach aus den Wehr-Erkern der Ruine Rauneck heißes Öl, Wasser oder Pech floss. "Da wurde nur mit Steinen geworfen." Darstellungen des Burgenalltags mit Sauferei und Hauerei seien auch "völliger Unsinn".

Seine Forschungen, Vermessungen, Luftaufnahmen, alte Aufzeichnungen und Vergleiche mit anderen Burgen ergaben ein ganz anderes Bild, das der Mittelalter-Experte eindrucksvoll auf die Leinwand zauberte. So entlarvte er den vermeintlichen "Sitz des Schamanen" in der Ruine Rotenhan als eine einfache Wasserzisterne.

Für Spannung sorgte Zeune hingegen, als er über Satanisten plauderte, die sich wegen des angeblichen Mords an einer Jungfrau regelmäßig auf der Ruine Raueneck trafen, was sogar eine Gegenbewegung auslöste, wie er beim Ortstermin auf der Raueneck, der dem Vortrag in Jesserndorf vorausging, erzählte.

Also doch turbulente Zeiten auf den Burgen, auf denen das Leben doch eigentlich "langweilig" gewesen sein soll. Faszination strahlen diese Machtsymbole bis auf den heutigen Tag aus, wie die Resonanz auf den Vortrag und die lebhafte Diskussion in Jesserndorf erkennen ließen. Bis in die Besucher-Statistik des Burgenwinkels hat diese Magie freilich noch nicht durchgeschlagen.

Vielleicht helfen die Filme und Bilder der virtuellen Rekonstruktionen, die bislang nur über die Burgenwinkel-App abrufbar sind und "viel Geld gekostet haben", wie Landrat Wilhelm Schneider (CSU) vor dem Hintergrund einer Urheberrechtsdiskussion zu bedenken gab.

Die Videos über den imaginären Marsch durch die Schmachtenburg, die Bramburg, die Raueneck, die Burg Rotenhan, in Königsberg und in Lichtenstein lösten am Donnerstagabend jedenfalls helle Begeisterung aus, so dass Landrat Schneider spontan eine Wiederholung des Vortrags in einem größeren Rahmen versprach.