Sie hatte es sich so schön vorgestellt, richtig romantisch. "Ich wollte in Weiß heiraten, es hat sich aber anders ergeben." Als ein Kind unterwegs war, war der Partner weg. In ihrem Schicksal wollte sich die Verlassene aber nicht ertränken. Die Tochter war unterwegs, aber der Vater hat sich nie für sie interessiert. Nicht anders erging es ihrer Freundin: "Meiner hat dem Sohn mal fünf Mark in die Hand gedrückt. Das war's schon."

Das war vor vielen Jahren. Hilfe fand die beiden Mütter in einer Selbsthilfegruppe des Diakonischen Werkes, die Helmtrud Hartmann, selbst Betroffene, für allein erziehende Mütter aufbaute. Das war 1997. Die "Arche" war damals ein Rettungsschiff für viele Mütter, die von ihren Partnern im Stich gelassen worden waren. Erst waren es ein, zwei Teilnehmerinnen, ziemlich schnell aber sechs und dies in aller Regelmäßigkeit.

Zwischenzeitlich hat sich viel getan.
Die Kleinkinder von einst gehen mittlerweile zur Arbeit oder in die Hochschule. Eine Tatsache indes blieb unverändert: Die Mütter treffen sich nach über 15 Jahren immer noch regelmäßig einmal im Monat, wobei sich Gesprächsthemen schon gewandelt haben.

Schwelgen in Erinnerungen

Für den Besuch unserer Redaktion wurde aber nochmals in alten Bildern gekramt. Johanna gerät dabei gleich ins Schwärmen: "Da ging's uns gut", war ihre erste Reaktion beim Austausch der Fotoalben über gemeinsame Urlaube in Obersdorf, Travemünde, im Schwarzwald oder bei Kaiserslautern. Und Initiatorin Helmtrud Hartmann, die die Familien-Freizeitstätten aussuchte und sich auch um Zuschüsse bemühte, blickt zurück: "Wir haben nie im Leid gebadet, sondern stets versucht, unseren Kindern ein unbeschwertes Leben einzurichten."

Wohl gelungen: "Keiner nimmt Drogen oder hat Straftaten begangen und plant auch keine, also keiner ist psychisch auffällig", lautet die Diagnose einer Ebernerin, die nach ihrer Trennung einige Jahre lang nie ausgegangen war, weil "ich doch immer ein schlechtes Gewissen hatte". Im Nachhinein sei es aber doch "die bessere Entscheidung gewesen: Lieber allein glücklich als zu zweit in einer Partnerschaft voller Probleme".

Das schlechte Gewissen verloren hat sie auch durch den regelmäßigen Austausch mit ihren Leidensgenossinnen. Dazu gehört auch Renate, die als Rechtspflegerin auch so manchen juristischen Tipp gab. "Bei einem Mitglied unserer Gruppe wollte der Vater das Kind partout nicht sehen, aber wir haben ihr Mut gemacht und die entsprechenden Gesetze rausgesucht, um dem Kind zu zeigen, dass auch ein Papa da ist."

Helmtrud Hartmann: "Wir haben alle arbeiten müssen und da war die dringendste Frage: Wo kommen die Kinder unter? Denn der familiäre Hintergrund war bei jedem doch anders." Und eine Maroldsweisacherin ergänzt: "Es gibt so viele Ferien, aber so wenig Urlaub, da taucht schon die Frage auf, wie versorgen wir die Kinder?"

"Arche" als Rettungsanker

Anfangs fanden die Treffen immer samstags in der "Arche" statt. "Wir haben Kaffee getrunken geplaudert und die Kinder miteinander gespielt." Die treffen sich übrigens auch jetzt noch, etwa zu einem Grillfest. Apropos Grillen: Noch lebhaft erinnern sich die Mütter ans erste eigene Fest: "Keiner wusste, wie's geht, weil der Grill ein typische Männerdomäne war. Aber wir haben's trotzdem geschafft."

Die Erinnerung wird nicht nur beim Austausch der Bilder wach. "Bei jedem Urlaub wurde Tagebuch geführt und wenn man das heute liest, weißt Du sofort, wie schön es damals war", blickt Helmtrud Hartmann zurück. Und ihre Freundin aus Ebern ergänzt: "Es waren die schönsten Urlaube, weil sie sich aus der Gemeinschaft heraus ergeben haben."

Und noch einen Vorteil bot die Gruppe: "Du warst nicht allein der Entertainer, weil sich die Kinder untereinander beschäftigten und so konnte man mal durchschnaufen." Gleichzeitig hätten die Kinder gemerkt, dass sie mit ihrer Situation nicht allein stehen.

Im Übrigen gibt es in Maroldsweisach Bestrebungen, die Gruppe allein erziehender Mütter wieder aufleben zu lassen. Helmtrud:" Bei uns damals ist es ja auch erst nur mit Mundpropaganda losgegangen." Die Mundwerke stehen bis zum heutigen Tag nicht still - mindestens einmal im Monat.

Kontaktadresse: Beratungsstelle des Diakonischen Werkes in Maroldsweisach (Tel. 09532/922313).