Was haben Larissa Barth und der frühere US-Präsident Bill Clinton gemeinsam? Es ist Arkansas. Der Bundesstaat in den USA wird für die nächsten zwölf Monate die Heimat für die 15-jährige Schülerin aus Zeil, und Arkansas ist die Heimat von Bill Clinton. Hier wurde er geboren und hier war er Gouverneur, bevor er 1993 zum Präsidenten der USA gewählt worden ist. Acht Jahre war er im Amt.


Gespannt auf das Neue

Es ist nicht zu erwarten, dass Bill Clinton auf Larissa Barth treffen wird. Macht nichts. Arkansas und die USA werden für die 15-Jährige, die die zehnte Klasse am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt erfolgreich hinter sich gebracht hat, ohnehin interessant. Sie ist schon sehr gespannt auf das Land, die Leute, die Kulturen, die Highschool und die Sprache, die sie "ganz gut kann", wie sie sagt. Etwas Bedenken hat die Jugendliche wegen des Dialekts. Aber wenn die Prophezeiungen anderer Schüler und Lehrer eintreffen, dann beherrscht sie die Sprache bis Weihnachten perfekt.

Wie kommt eine 15-Jährige für ein Jahr in die USA? Ganz einfach: Sie hat ein einjähriges Schulstipendium in der Tasche.
Larissa Barth sagt von sich: "Ich reise sehr gerne." Am liebsten wäre sie für ein Jahr nach Japan gegangen, um die Kultur und die Menschen des asiatischen Landes kennenzulernen. Aber für Japan war es für sie unmöglich, ein Stipendium zu erhalten. Aber der Gedanke an ein Jahr in einer Schule in einem anderen Land saß damit im Kopf. Und warum nicht in die USA?

Die Jugendliche wurde auf das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages (PPP) aufmerksam, das 1983 der Bundestag und der amerikanische Kongress aus der Taufe gehoben haben, und bewarb sich. Und sie bekam den Zuschlag: Sie ist von der Ebelsbacher Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU) für den Schulaufenthalt mit einem Stipendium in den USA ausgewählt worden. Bundesweit bekommen rund 350 junge Menschen im Jahr die Möglichkeit, an dem Programm teilzunehmen.

Das Stipendium kommt über das Patenschaftsprogramm, den einjährigen Aufenthalt organisiert "AFS - Interkulturelle Begegnungen". Vater Robert Barth lobt: "Die machen einen guten Job." Das haben auf jeden Fall die bisherigen Vorbereitungen gezeigt. Es fanden bereits Treffen in Berlin mit rund 50 Gleichgesinnten statt, und vor Ort in den USA gibt es einen Betreuer für seine Tochter.

Ein bisschen Sorge hat der Vater natürlich um seine Tochter, wie er gerne zugibt. Schließlich ist die 15-Jährige für ein Jahr weit weg von der Familie in Zeil. Und zwischendurch mal schnell ein Flug der Tochter in die Heimat ist nicht vorgesehen. Auch die Eltern sollen ihre Tochter nicht in den USA besuchen. Derlei Begegnungen während des Jahres sieht das Konzept nicht vor. Aber: Robert Barth sieht in dem einen Jahr in den USA eine "große Chance" für seine Tochter, und die möchte er ihr nicht verbauen.

In den vergangenen Tagen und Wochen war Larissa Barth mit den Vorbereitungen intensiv befasst. Schon ein bisschen aufgeregt? "Ja", sagt sie. Heimweh? Davor hat sie keine Angst. Überhaupt Angst vor dem Ungewissen, das auf sie zukommt? Nein, erklärt sie, allenfalls Respekt für die neuen Herausforderungen. "Die Freude überwiegt", sagt die 15-Jährige.

Die Freude rührt auch daher, dass sie ihre Gastfamilie in den USA bereits kennt. "Ganz viele E-Mails" sind schon hin und her geschrieben worden. Und via Skype konnten sich die Familien kennenlernen.
Larissa Barth wird bei einem Ehepaar mit einer 16-jährigen Tochter leben. "Die sind sehr nett", ist ihr erster Eindruck. Die Gastfamilie hat bereits ihre Schulsachen gekauft und "mein Zimmer haben sie schon eingerichtet", erzählt die Zeilerin.

Der Wohnort der Gastfamilie ist die 3000-Einwohner-Stadt Pottsville. Das ist ein bisschen kleiner als Zeil. Die Gegend ist ländlich geprägt, also nicht viel anders als die Heimat in Deutschland.
Larissa Barth wird die Highschool besuchen. Obligatorisch sind die Fächer Mathematik, Englisch und Geschichte. Die anderen Fächer durfte sie sich aussuchen: Das sind Musik (Band und Chor), Zeichnen, Sport sowie jeweils für ein halbes Jahr Soziologie und Psychologie.


Auf der Wunschliste

Die Schule und die Gastfamilie sind das eine, das Land USA das andere. Natürlich möchte die 15-Jährige auch etwas von den USA sehen, und sie hofft, dass ihre Gastfamilie mit ihr reisen wird. Wohin möchte sie unbedingt? "Ich würde gerne mal nach Kalifornien."
Eine Millionenstadt wie Los Angeles steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. Mit dem berühmten "Walk of Fame". Oder Las Vegas wäre auch ein Traumziel. Überhaupt: Eine große Stadt möchte sie unbedingt in den USA kennenlernen.
Mit Metropolen kann Arkansas nicht dienen. Little Rock ist die größte Stadt mit knapp 200 000 Einwohnern. Damit ist die Verbindung zu Bill Clinton wiederhergestellt - und zur Politik. Denn eine politische Dimension hat der Auslandsaufenthalt von Larissa Barth in den USA auch. Sie gilt als junge Botschafterin ihres Landes. Das kann konkret bedeuten, dass sie in ihrer Schule oder im Freundeskreis oder bei anderen Gelegenheiten ihr Land vorstellt. Das soll dazu beitragen, Vorurteile auszuräumen. Und anders herum: Larissa Barth kann auch, wenn sie wieder nach Deutschland zurückgekehrt sein wird, um Verständnis werben für amerikanische Sichtweisen. Da gäbe es aktuell einiges zu tun, wenn man auf den Nachnachnachfolger von Bill Clinton schaut...