"Wir wollen für das schöne Schottland Werbung machen", sagten die beiden selbsternannten "Kulturbotschafter" Mathias Tretter und Sven Kemmler süffisant bei ihrem "Schottenabend - Zwei Stunden mit nix drunter" in der vollbesetzten Rathaushalle in Haßfurt. Doch ihre kabarettistische Auseinandersetzung mit den Schotten war kein großer Wurf. Denn sie bediente viele Klischees und hinterließ den Eindruck, als sei sie aus vielen negativen und überspitzt dargestellten Erlebnissen zusammengewürfelt worden.

Mathias Tretter hatte vor vielen Jahren in Edinburgh gelebt und an einer Schule in einem sozialen Brennpunkt Deutsch unterrichtet, während Sven Kemmler ein Jahr Management Science und Biologie in Stirling studiert hatte. Aus diesen Zeiten schilderten sie, in Kilts gehüllt, mal mehr, mal weniger spitzzüngig ihre Eindrücke.

"Irgendwas mit Hitler"

Neben den Vorlieben der Schotten für "irgendwas mit Hitler", ihrer reflexhaften Sympathie für "underdogs" und ihrer Vorliebe für Volksmusikabende, brachten sie die Sprache auch auf die unzähligen Ausdrücke für den Rauschzustand, die von drunken über besotted bis hin zu blitzkrieged reichen, und natürlich vor allem auf das exzessive Trinken von Whisky. "Man darf in den Whisky reinschütten, was man will, Hauptsache, es ist Wasser", hatte Sven Kemmler bei den schottischen Schäfern gelernt.

Sein Kollege fügte aus seiner Erfahrung an: "Ein Vollrausch war angesichts des fetten Essens ernährungstechnisch das Gesündeste, was man bringen konnte." Er hatte ein Jahr lang mit den Einheimischen getrunken und schilderte geradezu animalische Bräuche wie das drei Tage dauernde Silvesterfest "Hogmanay", das "Snogging", das er mit "Speiseröhre auslecken" beschrieb, sowie andere unzüchtige Exzesse.

Obsessives Trinken

Weil das Trinken in all seinen obsessiven Stadien ausführlich beschrieben und karikiert wurde, hatte Sven Kemmler auch eine Warnung, hauptsächlich an die Jugend gerichtet, in Worte gefasst.
So heißt es in seinem Gedicht "Vorglühen": Noch bis letztes Jahr war ich mir nicht im Klaren: Man muss heut besoffen zur Wiesn fahren. Aber zu trinken, um dann auf die Wiesn zu gehen, das ist doch wie Selbstmord, um dem Tod zu umgehn."

Zur allgemeinen Freude nahmen die Kabarettisten das schottische Nationalgericht "Haggis" zum Anlass, die Ode an den Haggis von Robert Burns auf Englisch und Deutsch zu zitieren. Spöttisch und in epischer Breite versuchten sie, den Gästen das Gericht aus einem mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllten Schafsmagen "schmackhaft" zu machen.

Klar, dass dann zur Beruhigung der aufgewühlten Mägen eine "Ode an die Bratwurst" folgen musste. Als heiter und doch moralisch bleibt von dem Abend der Nationalmythos "Die drei falschen Mac"s" von Sven Kemmler in Erinnerung; eine moderne und skurrile Dichtung über die modernen Plagen, die nicht nur Schottland beherrschen.