Sein Name ist an keinem Türschild im Ämtergebäude in der Rittergasse zu finden. Trotzdem arbeitet er dort und ist Ansprechpartner für die Bürger. "Das ist eigentlich das Wichtigste. Dass für den Bürger immer jemand da ist", sagt Maximilian Raithel. Oft sieht er Leute, die auf den Gängen herumirren und den Fachmann in der Verwaltung suchen. "Man hilft dann einfach so auf dem Gang, ist doch selbstverständlich", spricht Raithel über seinen Job.
Er ist Auszubildender in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern und steht kurz vor der Zwischenprüfung: Verwaltungsfachangestellter mit Fachrichtung Kommunalverwaltung will er bald sein.Und dabei will es der Realschüler, der auch schon das Fachabitur eingetütet hat, nicht bleiben lassen.

"Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung werde ich erst einmal drei Jahre im Betrieb arbeiten.
Danach kann ich den Angestelltenlehrgang II machen", beschreibt der 19-Jährige seine Berufspläne, "und bin Verwaltungsfachwirt."

Dem Ausschlussprinzip nach ist er im Jahr 2013 zu der Ausbildung bei der VG Ebern gekommen: "Studieren wollte ich nicht, in einem Industriebetrieb zu arbeiten, konnte ich mir auch nicht vorstellen. Die Tätigkeit im öffentlichen Dienst kannte ich schon von meiner Mutter." Das liegt ihm und er kann sich dort entwickeln.

Mit dem Bewerbungsgespräch war es gar nicht so einfach. Da musste sich Maximilian Raithel vor drei Bürgermeistern der VG Ebern sowie dem Geschäftsleiter Ernst Haßler behaupten. Und: "Ungefähr fünf andere Leute saßen da auch noch mit drin", kann sich Maximilian Raithel erinnern. Nach zwei Tagen Probearbeiten hatte er den Ausbildungsplatz in der Tasche. Derzeit ist er ein Ansprechpartner in der Abteilung "Liegenschaften". Der Auszubildende aktualisiert Datenlisten für die Kanal- und Abwassergebühren, "gerade liegt Albersdorf auf meinem Tisch", und überprüft die Befreiungen von Anschluss- und Benutzungszwang in Sachen Wasser.

Was er da genau macht, kann er verständlich erklären. Es scheint, dass er vom Behördendeutsch noch nicht in den Bann gezogen worden ist, oder? "In der Verwaltungsschule haben wir gelernt, die Sätze möglichst kurz zu halten und den Nominalstil anzuwenden. Also möglichst wenig Verben", sagt Maximilian Raithel, "aber unter den Kollegen hier sprechen wir ganz normal", schiebt er mit einem Augenzwinkern hinterher.

Maximilian Raithel liebt die Abwechslung und die findet er in seiner Ausbildung wieder. In der Berufsschule in Bamberg stehen nicht nur die Fächer Staatsrecht, Sozialkunde, Bürgerliches Recht und Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre auf dem Stundenplan. In der Bayerischen Verwaltungsfachschule geht es ans Eingemachte. Und die praktische Arbeit macht er in der VG Ebern.

Vier Abteilungen hat er schon durchgearbeitet. "In der Kasse und der Kämmerei war ich noch nicht. Es sind aber die Bereiche, die ich von vornherein favorisiert habe. Denn Mathematik ist einfach meins", ergänzt Raithel zur Struktur seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten.

Und mit all den Klischees über den Verwaltungsapparat kann der junge Mann schon während der Ausbildungszeit aufräumen. Von wegen grauer Job: "Die Laune ist gut, die Kollegen trinken auch Kaffee, wir machen Überstunden und lassen keineswegs den Stift um vier Uhr am Nachmittag fallen", fasst Maximilian Raithel zusammen, "es kommen ja jeden Tag neue Dinge. Da ist man froh, wenn man was abgearbeitet hat."

Manchmal wird geschimpft

Wie ist das mit der bürgerfreundlichen Bürokratie? "Ich habe auch schon schimpfende Bürger bei uns erlebt", sagt der junge Mann, "vor allem wenn es ums Geld geht, dann wird es manchmal laut."

Bis vor wenigen Tagen hatte sich Maximilian Raithel um den Eberner Apfelsaft gekümmert. Er koordinierte die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Ebern und dem Bund Naturschutz, suchte nach Apfelbäumen, druckte Etiketten und regelte die Abgabe des Saftes an Schulen und Kindergärten zusammen mit dem Gesundheitsamt. Das Projekt hat Farbe in seinen Arbeitsalltag gebracht. Denn was sich für ihn bestätigt hat: "Die meiste Arbeit in der Verwaltung wird am PC erledigt. Acht Stunden am Tag will ich nicht täglich sitzen. Das ist sehr eintönig." Zeit hat es auch gekostet: "Aber das war es wert!"

Wenn Maximilian Raithel etwas an seinem Arbeitsplatz verändern könnte, dann würde er ein Sportangebot in der Mittagspause einführen: "Ich hab zwar jetzt noch keine gesundheitlichen Probleme. Aber als Ausgleich wird Sport immer wichtiger", sagt der 19-jährige Hobbyfußballer.

Das Apfelsaft-Projekt

In Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz konnte die Stadt Ebern heuer den ersten Eberner Apfelsaft herstellen. Dazu wurden Äpfel von Bäumen des BN und der Stadt verwendet. Maximilian Raithel hat dieses Projekt koordiniert. Über 700 Liter Saft wurden gepresst. Im nächsten Jahr soll das Projekt in Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen, Kindergärten und Privatpersonen durchgeführt werden. Jeder, der Äpfel gibt und beim Sammeln mithilft, bekommt den heimischen guten Tropfen.