Wenn Abschlussprüfungen anstehen, gehen normalerweise alle anderen Schüler auf Zehenspitzen durch das Schulhaus und nehmen Rücksicht auf die Prüflinge. In der FAKS, der Fachakademie für Sozialpädagogik in Haßfurt, war das gestern anders. Die Prüflinge standen auf der Bühne und ihre Mitschüler ließen sich mitreißen. Das Prüfungsfach hieß nämlich Theaterpädagogik.

Wenn Schneewittchen zur Gewitterziege wird, die die Zwerge herumkommandiert, und der böse Wolf zum Sittenstrolch, die Hexe Hänsel und Gretel mit einer Dönerbude anlockt, dann haben Studierende der Fachakademie die Gebrüder Grimm neu interpretiert. Ihr Stück machte den Auftakt. Es folgten "Alice im Wunderland", das Märchen vom Blaubart und die Fortsetzung von Rotkäppchen.
Dabei ging es auf der Bühne lustig, verrückt, aber auch ernst zu.

Theaterpädagogik als Wahlpflichtfach


Theaterpädagogik ist an der FAKS in Haßfurt Wahlpflichtfach und umfasst zwei Schulstunden pro Woche. Auf die Grundlagenarbeit folgen Übungen zur Regie- und Szenenarbeit. Die Schüler erproben sich in verschiedenen Rollen und reflektieren sich gegenseitig. Viel Vertrauen sei dabei im Spiel, erläutert Lehrerin Ulrike Goth im Gespräch mit unserer Zeitung, denn auch Schüchterne und Zurückhaltende müssen ihren Weg finden. Im zweiten Halbjahr wird der Schwerpunkt auf ein eigenes Projekt gelegt - und die Ergebnisse waren gestern in vier Aufführungen zu sehen.

Die Schüler haben sich die Inhalte erarbeitet, Bühnenbilder angefertigt, Kostüme genäht, Musik ausgewählt und einige Stücke sogar selbst komponiert. Die ganze Gruppe war gefordert, nicht nur auf der Bühne im Zusammenspiel, sondern auch bei den Bühnenumbauten - und die Ergebnisse rissen alle Zuschauer mit.

Theaterarbeit sei für angehende Erzieher wichtig, so Goth, denn Spielprozesse sind ein elementarer Bestandteil der Erzieherausbildung. Die Studierenden lernen, sich in neuen Facetten zu erleben, die Perspektiven zu wechseln. Soziale Kompetenzen werden gestärkt und - im beruflichen Alltag sehr wichtig, man lernt die Stimme bewusst und nuanciert einzusetzen. Das Hauptanliegen des Faches sei es jedoch, mit Freude am gemeinsamen Tun an die Arbeit zu gehen, was eine notwendige Grundhaltung für den Erzieherberuf ist.

Schaurig und überdreht

Es sei zufällig gewesen, dass alle vier Gruppen in diesem Jahr Märchenthemen auswählten, die Ansätze waren ganz unterschiedlich: humorvoll bei den Gebrüdern Grimm ("Where is the party), schaurig-abenteuerlich bei Blaubart von Charles Perrault, verrückt und überdreht bei "Alice im Wunderland" von Lewis Caroll und gesellschaftskritisch bei Rotkäppchens moderner Fortsetzung in einer Castingshow.

Neben den Studierenden der FAKS und den Lehrkräften, von denen einige auch Rollen übernahmen, werden auch Familien und Freunde der Abschlussklassen noch in den Genuss der Aufführungen kommen. Die beiden Klassen beenden jetzt ihre theoretische Ausbildung an der FAKS, nach einem Praxis-Jahr in einer Kindertagesstätte können sie im nächsten Jahr ihre Erzieher-Diplome entgegennehmen.