Nur gut , dass es eine Zeitung gibt. In 25 Jahren verklärt sich in der Erinnerung einiges. Beispielsweise wenn es um einen umstrittenen Abriss geht, der den Grundstock für einen Neubau bildete. So geschehen beim Festabend, der anlässlich der Eröffnung des Marktsaales vor 25 Jahren abgehalten wurde. Dabei klang die Vorgeschichte mehrfach an. Mit dabei auch ein FT-Artikel vom 26. April 1986.

Der Abriss des Rotenhansaales erfolgte seitens der Gemeinde zu einem Zeitpunkt, da das Landesamtes für Denkmalpflege vehement Einspruch gegen diese Pläne erhoben hatte und eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht worden war. Um diese Behörden-Bedenken zu umgehen, genehmigten der damalige Landrat Keller (CSU) und sein Kreisbaumeister den Abriss des Rotenhansaales an einem Freitagnachmittag im Eilverfahren, am Samstagmorgen wurden Fakten geschaffen.


Fakten geschaffen

Diese
"Nacht-und-Nebelaktion" erfolgte an einem sonnigen Aprilmorgen 1986 und sämtliche Marktgemeinderäte legten dabei selbst tüchtig Hand an. "Von damals sind nur noch ich und Willi Andres dabei", formulierte Willi Sendelbeck (SPD) ein "Schuldeingeständnis", als er auf die Geschichte des Marktsaales einging. "Das sollte von Freitag bis Samstag schnell über die Bühne, weil bis Montag keine Behörde mehr besetzt ist", gab er schelmisch zu.

Er hielt die Entscheidung von damals in der Rückschau dennoch für richtig, auch wenn sie zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde für den Landrat und strikte Auflagen beim Neubau, wie die Fachwerkfront, führte. "Wir haben im Schnitt jährlich 60 Veranstaltungen im Saal und die Maßgabe lautete, dass nicht mehr als 10 000 Mark draufgelegt werden dürfen. Dieses Ziel erreichen wir bei einem Defizit von 5000 bis 6000 Euro regelmäßig."


Drei Millionen Mark investiert

Diese Punktlandung wurde bei der Investition verfehlt: Waren die Kosten zunächst auf 2,6 Millionen Mark geschätzt worden, wurden wegen schwieriger Pfahlgründungen und dem Fachwerk Mehrkosten fällig, sodass letztlich drei Millionen Mark nötig wurden. Dazu gab es aber über 1,3 Millionen Mark an Zuschüssen, wofür besonders dem damaligen Stimmkreisabgeordneten Albert Meyer (CSU), der von einem "wunderbaren Dreiklang von Kirche, Schoss und Saal" sprach, gedankt wurde.

Von der Investition profitierten viele: die Vereine, die Kirche, wie Pfarrer Körner unterstrich, und das Kulturleben, wie Walter Dold ausführlich darlegte, da er vom damaligen Bürgermeister Willi Schönmann (CSU) den Auftrag bekommen hatte, den "Saal mit toller Akustik und einem Bechstein-Flügel mit Leben zu erfüllen".

Das gelang: "Durch meine Freundschaft zu einem Mitglied der Bamberger Symphoniker kamen Musiker, die man anderswo eben nicht hört und die gaben sich mit einem Pianisten wie mir ab." Dazu spielten sie ohne Gage. "Wir führten vier Mal im Jahr Mozart auf und keiner hatte etwas dagegen", freute sich Dold auch über die mietfreie Überlassung und die Toleranz.


Problem bei Namenssuche

Die war bei der Namenssuche nicht immer vorhanden: "Es gab 60 Vorschläge - Haus des Frohsinns bis zum Vergnügungshaus", las Bürgermeister Willi Sendelbeck aus den Protokollen heraus. Den mit 100 Mark prämierten Zuschlag erhielt letztlich Lothar Hartmann, Walter Dold hatte mit seinem Schelmbrunnen-Haus das Nachsehen.

Auch die früheren Eigentümer: "Es war für die Familie schon ein Schlag, dass der Rotenhan-Saal nun anders heißen sollte", bekannte Maximilian Freiherr von Rotenhan unverblümt, um schlitzohrig nachzuschieben: "Der Saal war ja nur aus wirtschaftlichen Gründen gebaut worden, damit wir unser selbst gebrautes Bier absetzen konnten."

Als "neugeborener Bezirksrat", so die Anrede von Albert Meyer, versicherte Bernhard Ruß (SPD), dass man im Bezirk um die Bedeutung der Kultur nicht nur in den Zentren wisse. "Und dies gelingt in Rentweinsdorf, weil schon immer findige Bürgermeister zu Werke gingen."

Uli Trunk und Matthias Sperber formulierten dies in einem Sketch so: "Wo ein Willi ist, ist auch Weg." Die letzten drei Bürgermeister hießen Willi Schönmann, Willi Vetter und Willi Sendelbeck. Trunk und Sperber unternahmen in Form einer Tagesschau-Sendung einen Rückblick und präsentierten dabei auch viele alte Bilder des früheren Rotenhan-Saales.

Eberns Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) dankte für das "über Jahrzehnte gewährte Asyl Eberner Gruppen, die den Marktsaal nutzten", schränkte aber ein: "Wir versuchen Sie zu entlasten." Eine Parallele filterte Herrmann aus dem Rückblick auch heraus: "Bei uns war die Namensgebung auch turbulent, bis wir zur Frauengrundhalle kamen."

Gefüllt wurde der Marktsaal neben privaten Feierlichkeiten und die Dold-Konzerte mit Faschingsveranstaltungen, Kabarettabende, Kegelkämpfe. Als herausragende Veranstaltung wurde die Christie's Versteigerung erwähnt, die Elisabeth von Rotenhan vermittelt hatte.