Angelika Despang

Bayernweit sind laut Kultusministerium die Auswirkungen und Belastungen der Corona-Pandemie verschieden ausgefallen. Die Leistungsergebnisse werden daher neben der Bewertung auch als Lernstandserhebung und zur individuellen Förderung genutzt. In den Lehrplänen gibt es seit letztem Schuljahr verbindliche Schwerpunkte, damit die Lehrkräfte bedarfsgerecht und flexibel auf den Lernstand des Einzelnen reagieren können.

Auch das Übertrittsverfahren von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wurde angepasst, indem zum Beispiel die Anzahl der Proben reduziert, die Vorbereitungszeit verlängert und der Probeunterricht angepasst wurde. Das Kultusministerium verspricht, auch im laufenden Schuljahr die Entwicklung an den Schulen sorgfältig zu beobachten und rechtzeitig neue Anpassungen vorzunehmen: "Denn faire Bedingungen für alle Schülerinnen und Schüler sind uns ein zentrales Anliegen."

Förderprogramm

Pfingsten letzten Jahres startete die Bayerische Staatsregierung das Förderprogramm "gemeinsam.Brücken.bauen" um Lücken, die durch den Distanzunterricht entstanden sind, zu schließen. Wie konnten Schulen vor Ort das Programm nutzen?

Das Programm, für das der Freistaat insgesamt 210 Millionen Euro zur Verfügung stellt, besteht zu gleichen Teilen aus Lernförderung und Förderung der Sozialkompetenz. Das Lernen soll zum Beispiel durch individuelle Förderung im Unterricht, einem Tutorenprogramm "Schüler helfen Schüler" und durch Kurse in den Sommerferien leichter werden. Die Sozialkompetenz der Kinder und Jugendlichen soll bei außerunterrichtlichen Aktivitäten wie Sport, Musik und Ausflügen wieder gestärkt werden. So weit so gut, aber haben die Schulen überhaupt die Zeit und das Personal, um solch ein zusätzliches Programm umzusetzen?

Den Bad Kissinger Schulen - Henneberg-Grundschule Garitz, Anton-Kliegl-Mittelschule, Realschule und Gymnasium - war das Förderprogramm grundsätzlich von Nutzen. Vor allem wegen fehlenden Personals konnte es aber nicht so ausgeschöpft werden, wie gewollt. Die Henneberg-Grundschule ist über zwei externe Kräfte dankbar, die sie akquirieren konnte, "aber mehr wären besser", sagt Schuldirektor Bernd Czelustek.

Dasselbe Problem hat Hans-Jürgen Hanna, Leiter der Anton-Kliegl-Mittelschule. Er fragt sich, woher er das zusätzliche Personal für das Förderprogramm nehmen soll, "wenn nichts auf dem Markt ist". Zwar hat hierfür das Kultusministerium den Schulen Handreichungen gegeben, indem Studenten, Quereinsteiger und pensionierte Lehrkräfte durch eine Werbekampagne und eine Vermittlungsbörse angesprochen wurden. Doch "hierzulande braucht man sich nicht umzuschauen", wie Schulleiter Markus Arneth vom Gymnasium bestätigt: "In einer Großstadt ist eine Aushilfe oder ein Student, die parallel zum Unterricht unterstützen können, schnell da. Aber Bad Kissingen liegt nicht so zentral, da konnten wir nur während der Semesterferien Studenten für die Sommerkurse finden." Und sogar Pensionisten seien schwer zu bekommen, da sie den Verdienst von der Pension abgezogen bekämen, erklärt Hans-Jürgen Hanna. So sind die zusätzlichen Förderstunden meist Sache der eigenen Leute.

Die Lehrkräfte der Realschule stemmten während der Sommerferien fast hundert zusätzliche Unterrichtsstunden in Abschlussprüfungsfächern, an denen die Schüler freiwillig teilnehmen konnten, wie Realschuldirektor Torsten Stein berichtet.

Die Förderangebote in den Ferien wurden an der Mittelschule nur wenig genutzt: "Die Kinder waren einfach platt nach dem langen Distanzunterricht", sagt Hanna. "Die Förderung muss parallel zum Unterricht laufen und nicht zusätzlich am Nachmittag oder in den Ferien - das ist zu viel", berichtet der Schulleiter von seinen Erfahrungen. Deswegen versucht seine Schule mit Schwerpunkten im Lehrplan, Kürzungen im Stundenplan und Aktivitäten außerhalb des Unterrichts die Folgen der Pandemie abzuschwächen.

"Die Idee ist gut, die Umsetzung schwierig", lautet Hannas bisherige Bilanz zum Förderprogramm. Trotzdem sind die Schulen froh, dass das Förderprogramm, das ursprünglich bis Februar 2022 geplant war, in diesem und nächsten Schuljahr fortgesetzt wird. Was sich allerdings alle Schulleiter für die Zukunft wünschen ist einfach normaler Schulunterricht.