Obwohl ich das wirklich nur in Ausnahmefällen tue, so möchte ich meinen heutigen Beitrag (meine Freunde mögen es mir verzeihen) mit dem Zitat eines CSU-Politikers beginnen. "Verbote, die man nicht kontrolliert, sind sinnlos", hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann neulich in dieser Zeitung verlautbart.

An diesen Satz muss ich beinahe tagtäglich denken, wenn ich von der Arbeit in Bamberg auf der A 70 heimwärts unterwegs bin. Am Würgauer Berg gibt es da gerade eine lange Baustelle, zwar zweispurig, aber mit einem Überholverbot für Lastwagen, Busse, Gespanne und Autos mit einer Breite von mehr als zwei Metern. Ach ja, Tempo 80 gilt auch. Jetzt glauben Sie nicht, dass sich da irgendeiner daran hält.

Nun gut, ich bin ja tolerant. Wenn sich der klobige Porsche-Ceyenne (2,19 Meter breit), der gediegene S-Klassen-Mercedes (2,13), der langweilige Opel Zafira (2,1) oder der impulsive Jaguar F-Pace (2,17) mit gefühlten 120 Sachen aufwärts zwischen Leitplanke und Lkw hindurchzwängen, kann ich noch ein Auge zudrücken. Die Fahrer dürften genug Kleingeld haben, um die Dellen im Lack wieder auszubügeln.

Mein Puls erhöht sich allerdings spürbar, wenn Lieferwagen (2,5) oder Transporter (2,3) an mir vorbeibrettern und ich deshalb meine Fahrspur Richtung Graben verlassen muss. Den Gipfel liefern aber manche ungeduldigen Brummifahrer ab. Sie schubsen einen mit ihren Sattelzügen förmlich durch die Baustelle, wenn man sich selbst auch nur halbwegs an die Vorgaben hält. Dazu wird gehupt und wild gestikuliert - oder sogar überholt. Echt jetzt, das passiert. Ist auch irgendwie verständlich, denn "Verbote, die man nicht kontrolliert, sind sinnlos".

Da kommt mir eine Idee. Verkehrsminister Andreas Scheuer will doch, dass Geld in die Kasse kommt. Mit einer Maut schafft er das wohl nicht mehr. Vielleicht sollte er stattdessen mehr Polizisten am Würgauer Berg platzieren. Wenn's Widerstand gibt, könnte er ja den deutschen Rasern über die Kfz-Steuer die Geldbußen zurückerstatten. Logisch, oder? Dietmar Hofmann