von unserem Redaktionsmitglied 
Sabine Memmel

Kleinweisach/Schornweisach — Jeden Morgen steht er an seinem kleinen Altar in seinem Arbeitszimmer. Geschmückt mit einem großen Kreuz aus Holz, brennenden Kerzen und Bildern von Ikonen: der heilige Georg, Schutzpatron der Bauern, der heilige Paulus, Christus der Weltenrichter und Johannes der Täufer. Hier beginnt Ulrich Bauer-Marks (49) seinen Tag. Kommt zur Ruhe. Betet.
Der Altar wird jedoch schon bald an anderer Stelle stehen. Zum 1. Februar wechselt Bauer-Marks auf die Pfarrstelle in Mögeldorf, einem Nürnberger Ortsteil. 15 Jahre lang war er als Seelsorger in Kleinweisach tätig. "Es fällt schwer, sich von den Menschen zu trennen. Es gibt viele Kinder, die ich getauft, konfirmiert und schließlich aufwachsen gesehen habe."

Die Fäden zusammenhalten

Nach seinem Weggang gibt es noch keine Nachfolge. Kein Pfarrer hat sich bisher auf die Stelle beworben. Sie bleibt vorerst vakant. Für Bauer-Marks fällt der Abschied damit umso schwerer: "Der Kirchenvorstand macht hier viel. Die Aufgabe eines Pfarrers ist es aber, alles zusammenzuhalten. Das wird künftig fehlen."
In Kleinweisach wird es erstmal bloß eine Vertretung geben. Wer diese übernehmen wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. "Es gibt einfach zu viele Vakanzen", bedauert Bauer-Marks.
Eine davon entsteht fast zeitgleich nur ein paar Kilometer weiter in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Schornweisach-Vestenbergsgreuth. Auch Pfarrer Armin Ehresmann (37) wechselt die Pfarrstelle. Er geht zum Ende des Jahres nach fünf Jahren nach Neumarkt in der Oberpfalz - aus familiären Gründen. "Eine gewisse Vakanz ist am Anfang ganz normal. Die Stelle muss ja neu ausgeschrieben werden", sagt Ehresmann.
In seiner Zeit wurde das Gemeindehaus in Schornweisach mithilfe vieler Freiwilligen renoviert. Ebenso die Orgel in Vestenbergsgreuth. Es entstand die Idee eines Krabbelgottesdienstes, und es gründete sich eine evangelische Landjugend. "Mir hat es hier sehr gefallen. Die Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt der Schornweisacher werde ich bestimmt vermissen", sagt Ehresmann.
Ein Wechsel zu einer anderen Pfarrstelle ist von der evangelischen Landeskirche nach zehn Jahren vorgesehen. "Wenn ein Pfarrer zu lange auf einer Stelle ist, liegt die Gefahr nahe, dass er diese zu sehr prägt. In welche Richtung auch immer. Und als Pfarrer spricht man halt immer nur einen Teil der Gemeinde an", erklärt Bauer-Marks. Dass bei solch einem Wechsel dann immer öfter Stellen offen und unbesetzt bleiben, gerade im ländlichen Bereich, liegt dem gebürtigen Straubinger zufolge vor allem daran, dass sich derzeit immer weniger junge Menschen für ein Theologie-Studium entscheiden. "Zusätzlich wird es in den kommenden Jahren viele Pfarrer geben, die in den Ruhestand gehen. Dann wird es noch schwieriger, Stellen zu besetzen", glaubt Bauer-Marks.
Versuche dagegenzusteuern, werden von der evangelischen Landeskirche bereits unternommen. So soll es unter anderem Pfarrern aus anderen Bundesländern ermöglicht werden, in Bayern arbeiten zu dürfen. Die Lösung, speziell für ihre beiden Gemeinden, sehen Bauer-Marks und Ehresmann aber vor allem in einem Pfarrer-Ehepaar. "Einer könnte sich dann um Kleinweisach und einer um Schornweisach kümmern. Das wäre sicher denkbar", empfiehlt Ehresmann.

Konvertiert zum Evangelismus

Mit zu seinem Verantwortungsbereich gehörten das Jugendheim und der Jugendzeltplatz des Dekanats. Auch in Neumarkt, wo es rund 8000 Evangelische gibt, ist die Jugendarbeit sein Steckenpferd. Ehresmann arbeitet dort mit drei weiteren Pfarrern zusammen. Auch Bauer-Marks ist als Pfarrer in Mögeldorf mit 4380 Evangelischen nicht mehr alleine und teilt sich die Arbeit mit zwei weiteren Kollegen. "Da hat man ein ganzes Team um sich rum", erzählt er.
Bauer-Marks wechselt auch wegen seiner Frau Annelore, die seit einem Jahr die Kinder-, Jugend- und Familienberatungsstelle in Weißenburg leitet. Sie hat es von Mögeldorf nicht mehr so weit wie von Kleinweisach. Bauer-Marks' Schwerpunkte bei seiner neuen Stelle sind die Geschäftsführung als auch die Jugend- und Partnerschaftsarbeit. Bauer-Marks, der als Vikar in Regensburg angefangen hat, war nicht immer evangelisch. Mit 19 konvertierte er vom katholischen Glauben. Er wusste, er wollte Theologie studieren. Aber er wusste auch, dass er heiraten wollte. Zumal hat ihm die Auffassung des evangelischen Glaubens, wie die Kirchengemeinde lebt, viel mehr zugesagt. "Manche meiner katholischen Wurzeln sind aber noch da. Zum Beispiel die Liebe zu einem festlichen Gottesdienst", sagt der Seelsorger.

Mit den Jahren gewachsen

Vermissen wird er vor allem seinen Kirchenchor, seine selbst gegründete Band "Bandydeos" und seine Arbeit für die Partnergemeinde Marawaka in Papua-Neuguinea. Sie wird von Pfarrer Joachim Roth aus Scheinfeld übernommen. "Ich bin damals hierher gekommen mit der Frage: Kann ich das überhaupt? Kann ich das Wort Gottes verkünden?", erinnert sich Bauer-Marks. Jetzt, nach 15 Jahren, ist er sich sicher, dass es seine Berufung ist: "Ich will den Glauben ernst nehmen und alles, was er geben soll: Halt, Orientierung und Gemeinschaft."