Mit langem zottigen Fell und beeindruckenden Hörnern bringen neuerdings Hochlandrinder ein wenig schottisches Flair in den Hambachgrund bei Creidlitz. Die Wiesen in dem Geschützten Landschaftsbestandteil gehören dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). Der Naturschutzverband setzt auf extensive Beweidung der Flächen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

"Die extensive Beweidung verläuft kontinuierlich in kleinen Schritten. So bleibt immer etwas stehen, das wächst und blüht", erklärt Frank Reißenweber, Vorsitzender des LBV in Coburg. So beweidete Flächen wirken besonders gut gegen das Insektensterben. "Eine Kuh kotet täglich etwa 40 Kilogramm. Davon können sich vier Kilo Insekten ernähren, die wieder 400 Gramm Singvögel als Nahrung reichen", rechnet der Biologe vor. Pro Kuh würde so die Nahrungsmenge für 20 kleine Singvögel auf die Wiese fallen.

So leistet die Natur, was künstlich kaum zu erreichen wäre. "Das Mosaik aus kleinräumig unterschiedlichen Lebensräumen, das so entsteht, kann nur eine extensive Form der Beweidung erreichen, kein noch so aufwändig erarbeiteter Landschaftspflegeplan", betont Frank Reißenweber.

Die Tiere, die diese wertvolle Arbeit für den Naturschutzverband leisten, gehören Franz und Simone Pöringer. Die Landwirte setzen auf die Hochlandrinder, weil diese sich besonders gut für die Haltung in der Dauerbeweidung eignen. Das Fleisch der Tiere, das direkt über eine Creidlitzer Fleischerei vermarktet wird, könnte die Beweidung nicht rentabel finanzieren - mit entsprechenden Zuschüssen geht es allerdings schon. "Es sind sehr friedliche Tiere", sagt Simone Pöringer. Wie zum Beweis sind ihre Töchter Tabea und Nike gerade dabei, die Zotteltiere auf der Weide zu streicheln. Doch Spaziergänger, die Hunde dabei haben, sollten diese auf keinen Fall auf die Weide lassen. Denn die Rinder würden ihre Kälber sicher verteidigen wollen, wie Frank Reißenweber warnt.

Die Tiere dürfen übrigens auch sonst nicht angefasst oder gefüttert werden. Die Weide zu betreten, ist im Geschützten Landschaftsbestandteil ohnehin behördlich verboten. Und dann ist da auch noch der Elektrozaun, der nicht nur die Rinder am Verlassen der Weide hindert.

Dass der Zaun dort steht, verdankt der LBV dem Landschaftspflegeverband (LPV) Coburger Land, der eng mit dem Maschinenring zusammenarbeitet. "Wir haben 50 bis 60 Landwirte, die für den LPV Arbeiten übernehmen", berichtet Andreas Sollmann, Geschäftsführer beim LPV. Um rund drei Kilometer Zaun zu errichten, mussten die Arbeiter zuerst eine Schneise freischneiden, wo die Strom führenden Drähte verlaufen sollten. Zwei Tage waren sie allein damit beschäftigt, wie Andreas Sollmann erklärt. Dann noch sieben Arbeitstage für den Zaunbau mit seinen massiven Pfosten und den dazwischen angebrachten leichteren Abstandshaltern und die Rinder konnten kommen.

Hohe Förderung

Finanziert wurde der Zaunbau mit Geldern aus dem Bayerischen Landschaftspflegeprogramm. Dadurch ist eine Förderung von 90 Prozent möglich. Die hatte der LBV schon in den 90er Jahren bekommen, als die Hecken angelegt wurden, die heute das Grundstück eingrenzen und den Rindern Schatten spenden. Den brauchen sie nämlich im Sommer mehr als einen Unterstand gegen alle anderen Unbilden der Natur.

Dass es mit den beantragten Fördermitteln auch so klappte, wie es sich der LBV gewünscht hatte, dankte Frank Reißenweber Werner Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt. Der unterstützte den Förderantrag an die Regierung von Oberfranken gern. "Es ist ja schön, dass wir überhaupt so eine Fläche im Stadtgebiet haben", sagt er. Es gehe schließlich darum, allen Insekten zu helfen, nicht nur der Honigbiene. Denn der Rückgang an Biomasse bei den Insekten ist alarmierend.

Pilz könnte sich auch viel größere Beweidungsprojekte vorstellen als die sieben Hektar im Hambachgrund und spricht von 70 Hektar. Dass sich solche Größenordnungen verwirklichen lassen, zeigt sich im Landkreis schon bei Schweighof, wo 54 Hektar extensiv beweidet werden. Im Grünen Band, der ehemaligen Grenze, umfasst ein Beweidungsprojekt hinter Bad Rodach in der Bischofsau sogar 80 Hektar, auf denen urige Heckrinder gehalten werden.