Wenn bald der bunte Schmuck und die Lichter am Altenkunstadter Marktplatz wieder verschwinden, wird er wieder sichtbar werden: der Leerstand vieler Gebäude, der den Ort trifft. Vor allem rund um den Marktplatz warten viele alte Häuser auf eine Renovierung und/oder Kaufinteressierte. Um dies zusammenzubringen, ist Christina Pösch da. Die neue Quartiersmanagerin der Gemeinde erstellt gerade ein Leerstandskataster, das zudem die Baulücken im Gemeindegebiet auflistet. "Der Bedarf ist da: Viele Menschen suchen hier Wohnungen oder Grundstücke", erklärt sie - auch mit Blick auf mögliche Förderungen durch die Regierung.

Die "Neue Mitte" Altenkunstadts

Dass ein Leben am "Marktplatz" eher laut und unattraktiv ist, stimmt dagegen nicht mehr: Längst hat sich eine "Neue Mitte" etwa mit der Gestaltung des Raiffeisenplatzes und der Renaturierung der Weismain weiter nordwestlich gebildet. "Diese ist aber vom Marktplatz nicht weit entfernt", betont Christina Pösch mit Blick auf die Attraktivität des ehemaligen Gemeindekerns als Wohnraum.

Die 30-Jährige, die in Roth bei Lichtenfels aufgewachsen ist und heute in Woffendorf lebt, ist außerdem für die Veranstaltungsplanung der Gemeinde zuständig - sofern die Corona-Pandemie dies wieder zulässt.

Eine raffinierte Idee

Doch Pösch ist auch in diesen Tagen nicht untätig gewesen: Um den heimischen Gastronomen unter die Arme zu greifen, hat sie eine raffinierte Idee entwickelt: Über die sozialen Netzwerke sollen die Bürger dazu animiert werden, Gutscheine im Wert von bis zu 50 Euro für Altenkunstadter Gaststätten zu kaufen. Pro Coupon soll die Gemeinde zehn Prozent der Kosten übernehmen. Auf diese Weise hat die Pandemie ihren "Start" als Quartiersmanagerin in Altenkunstadt zwar beeinflusst, aber nicht zerrütten können.

Denn aus solchen Ideen sprechen Kreativität, Weitblick und Erfahrung. Diese kann Christina Pösch vorweisen: Als Quartiersmanagerin in Redwitz hat sie drei Jahre lang den Aufbau des neuen Bürgerhauses dort betreut: von der Planung über die Bewirtungsfrage bis hin zur Veranstaltungsplanung und diversen Nutzungsverträgen. Dabei war ihr vor allem die Beteiligung der örtlichen Vereine, aber auch der Kinder und Jugendlichen am Ortsgeschehen wichtig. Für letztere organisierte sie unter anderem eine Kinderkirchweih und einen Skate-Contest.

Dabei schrieb sie während ihrer Tätigkeit noch ihre Master-Arbeit für ihr Studium der Stadt- und Regionalforschung an der Universität Bayreuth. Zuvor hatte sie ein Bachelorstudium der Geografie an der Universität Würzburg absolviert. Ausgezogen, aber heimgekehrt, könnte man sagen. Denn die 30-Jährige hatte das Ziel, beruflich möglichst in der Heimatregion Fuß zu fassen. Durch einen Bekannten sei sie auf die damals ausgeschriebene Stelle der Quartiersmanagerin in Redwitz aufmerksam geworden.

Flexibilität gefragt

Ihre Tätigkeit bringt es mit sich, viele vor-Ort-Termine zu haben und viele Kontakte zu pflegen - persönlich, per E-Mail und telefonisch. "Das macht mir Spaß, ich arbeite gerne mit Menschen zusammen." Auch die Flexibilität, die ihre Stelle ihr bietet, gefällt ihr. Doch auch ein anderes Projekt liegt ihr am Herzen: das alte Bootshaus am Main. Einst Treffpunkt vieler Generationen, heute durch einen Brand beschädigt. Die Woffendorferin möchte es wieder mit Leben füllen, und auch der Altenkunstadter Gemeinderat macht sich bereits Gedanken dazu.

Eine Attraktivitätssteigerung wäre gewiss und würde noch einmal mehr Argumente gegen das "vermeintliche im Schatten-Stehen" der Gemeinde im Hinblick auf die Nachbarkommune Burgkunstadt liefern. Christina Pösch ist da nämlich anderer Meinung: Mit dem Kordigast, dem großen Sportzentrum an der Kordigasthalle oder dem Nepomuk, so zählt sie auf, wartet Altenkunstadt mit großartigen Freizeitmöglichkeiten auf.

Als "Geheimtipp" führt sie außerdem die Alte Synagoge an, die man kostenlos, auf eigene Faust besichtigen und dabei viel über die Vergangenheit der jüdischen Bevölkerung in Altenkunstadt erfahren kann. Auch sie selbst sei vor kurzem zum ersten Mal dort gewesen.

Die Schätze der Heimat kennt wohl niemand besser, der hier geboren, "ausgeflogen" und wieder zurückgekehrt ist. Pösch ist auch nach Feierabend nicht untätig. Sie ist viel unterwegs, treibt Sport und hilft dort, wo sie gebraucht wird: ob bei ihrer Familie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb in Roth beim Rindfleischverkauf oder bei Erntearbeiten, ob bei Freunden oder ihrer Schwester, die "Jumping Fitness" trainiert.