Die sechsjährige Ida hat sich mit einer selbst gemalten Schatzkarte ausgerüstet. So kann nichts schiefgehen, als sie sich an diesem Donnerstag gemeinsam mit Schulkameraden der Grundschule Hellingen auf eine ganz besondere Schatzsuche begibt. Die Grundschüler werden sozusagen "Pionierarbeit" leisten, testen sie doch mitten in den Herbstferien als Erste die neue Geocaching-Tour der Initiative Rodachtal. Im Lutherjahr und entlang des Lutherweges begeben sich die Jungen und Mädchen folgerichtig auf die Spuren des großen Reformators.
Am Mehrgenerationenhaus nimmt Martina Rohner von der Initiative Rodachtal die jungen "Pfadfinder" in Empfang. Sie informiert die Schüler, was sie in den nächsten zwei Stunden erwartet: "Wir werden auf Luthers Wegen durch Heldburg und hinauf zur Veste wandern", sagt Rohner. Sechs verschiedene Stationen gilt es dabei zu ermitteln. "Keine Angst, wir kommen zurück, da bin ich mir sicher", beruhigt sie. Und ködert die "Erstbesteiger", wie sie die Tester nennt, gleich mit einem Versprechen: "Oben auf der Burg gibt es dann die große Überraschung!" Was das wohl sein wird, fragen sich die Kinder. Auf jeden Fall etwas, mit dem die Energiespeicher wieder aufgeladen werden können, so viel lässt sich die Organisatorin entlocken.


"Da hinten ist der Schatz!"

Begleitet von ihren Hort-Erzieherinnen Yvonne Chilian und Kerstin Göllner-Kieslich machen sich die Geocacher auf den Weg zum Ausgangspunkt, dem Marktplatz in Heldburg. Nach einer kurzen Einweisung teilt sich die Gruppe. Eine Gruppe verbleibt, um an Ort und Stelle nach dem ersten Cache zu suchen, einer Dose, in der dieser erste Hinweis versteckt ist. Die zweite Hälfte der Jungen und Mädchen beginnt an einer anderen Station, damit sich nicht zu viele an einem Ort drängeln. "Jetzt müsst Ihr gut schauen", fordert Chilian ihre Schützlinge auf. "Da hinten ist der Schatz!", ruft plötzlich ein Junge. Schnell hat Nick die Dose geöffnet und ihr ein zusammengerolltes Papier entnommen, das an ein Stück Pergament erinnert. Der Achtjährige liest den umfangreichen Text flüssig vor, die anderen lauschen gespannt. Schließlich gilt es am Ende eine Frage zu beantworten, um die Koordinaten des nächsten Ziels zu ermitteln. Wie hieß der Pfarrer aus Westhausen, von dem die Heldburger Bürger die ersten evangelischen Gottesdienste hörten? Nick schaut noch mal im Text nach. Die Anzahl der Buchstaben von Vor- und Zunamen des Gesuchten vervollständigen die Angaben zum nächsten Cachepunkt.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten passt die Eingabe und die Gruppe folgt dem Kompass zur zweiten Station, die sich nur wenige Schritte entfernt befindet. Jetzt geht es nicht um einen frühen Anhänger des Reformators, sondern um Martin Luther selbst. Was denken die Grundschüler, warum der ehemalige Mönch vor 500 Jahren seine 95 Thesen in Latein veröffentlicht hat? Wieder führt der dreistellige Zahlencode der richtigen Antwort mit den Koordinaten auf die richtige Fährte. "Wenn das passt, kommen wir zum nächsten Punkt, mit der falschen Antwort landen wir irgendwo in Heldburg", warnt Rohner. "Habt Ihr das alle gehört?", fragt Göllner-Kieslich. Die Kinder nicken. Dank der Hinweise in den Unterlagen klappt die Eingabe.
"Richtig ist das aber nur ohne Hilfen", meldet sich Felix zu Wort. Der Achtjährige ist ein richtiger Geocaching-Experte, er hat schon viele Caches mit seiner Familie gefunden. Und weil Felix sich auskennt, hat er mehrere Goldmünzen dabei, zum "Reintauschen", wie er sagt. Geocacher hinterlassen gern etwas von sich und nehmen sich dafür aus der gefundenen Schachtel oder Dose ein Mitbringsel mit. Auch Lukas hat vorgesorgt und eine Rune eingepackt, die er aber erst am Zielort ablegen möchte. Ida setzt auf Süßigkeiten und wird Bonbons für die nächsten Besucher verteilen. Nachdem Felix eine seiner Goldmünzen geopfert hat, geht es weiter zur nächsten Station. "Also, mir macht es Spaß", kommentiert Nick, andere stimmen ihm zu. Die Kinder werden heute noch lernen, weshalb Luther Wert auf Schulbildung legte, warum er so lange in Coburg war und was uns sein bekanntestes Lied zu sagen hat. Außerdem erfahren sie, wer Johann Gerhard war und was die Steinbilder auf der Veste ausdrücken.
Als Teil der Veranstaltungsreihe "Luther und Reformation erleben im Rodachtal" richtet sich die Geocaching-Tour an die jüngeren Einwohner und Besucher der Region, um ihnen sozusagen spielerisch das Thema nahezubringen. Vier Gruppen können zeitgleich unterschiedliche Routen nehmen, ohne sich ins Gehege zu kommen. Wer noch tiefer in die Thematik eintauchen möchte, kann dies vorher oder nachher mit dem museumspädagogischen Programm zur Sonderausstellung "Ein feste Burg" auf der Veste Heldburg tun. Wie das "Schnupperpilgern" und "Tafeln wie zu Luthers Zeiten" soll das Geocaching-Angebot über das Lutherjahr hinaus etabliert werden.