Die lange Trockenperiode des vergangenen Sommers wirkte sich in der Fränkischen Schweiz auf alle Wasserversorgungen aus, die aus Quellen gespeist werden, die aus der Gesteinsschicht des Doggers sprudeln. Auch Leutenbach ist davon betroffen.

Deshalb ließ die Gemeinde den Ist-Stand überprüfen. Der Gemeinderat trat in eine Diskussion über die Absicherung gegen die Auswirkungen der Klimaveränderung ein.

Dazu waren der Fachingenie ur Alexander Dürrschmidt und Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt Kronach als Referenten zu Gast. Beide empfahlen auf Basis der Messwerte des vergangenen Jahres, die drei Versorgungsnetze im Gemeindegebiet mit Leitungen zu verbinden und als Absicherung eine Verbindung mit der Gräfenberger Wasserversorgung.

Auf solche Verbindungen zu benachbarten Wasserversorgungen greifen, so Richter, inzwischen Wiesenttal und Gräfenberg zurück. Denn sie sind kostengünstiger als beispielsweise neue Tiefbrunnenbohrungen.

Zu Engpässen ist es 2018 nur in Mittel- und Oberehrenbach gekommen. Die Wassermengen, die aus vier Quellen für Leutenbach-Hauptort zur Verfügung standen, reichten gerade so aus. Der Wasserverband Dietzhof soll "Wasser in Hülle und Fülle" haben. Über ihn lagen dem Rat keine genauen Messwerte vor, weil der Verband noch nicht getagt hat.

So viel liefern die Quellen

Dürrschmidt legte in Übereinstimmung mit dem Wasserwart Gerhard Dittrich folgende Werte und vor allem Schwankungen vor: Leutenbachs Quellen lieferten im Juni noch 417 Kubikmeter pro Tag, im Juli nur mehr 333 und im August 267. Selbst im November, dem Monat mit den geringsten Schüttungsmengen, war der durchschnittliche Tagesbedarf von 125 Kubikmetern vorhanden. Auch Tageshöchstmengen, wie sie in den Sommermonaten anfallen, sind nach den heutigen Werten abgedeckt. Mittel- und Oberehrenbach werden von der Weidenbrunnenquelle versorgt. Sie schüttete 206 Kubikmeter pro Tag im Juni, 163 im Juli und 130 im August. Dagegen lagen die höchsten Verbräuche in diesen Monaten bei 190 Kubikmetern pro Tag. Im Jahresdurchschnitt sind es 120 Kubikmeter.

Dank des Hochbehälters und eingehaltener Wassersparappelle der Gemeinde konnte das Defizit noch abgefangen werden. "Hier wird es sehr eng", sagte Dürrschmidt zum Handlungsbedarf, "wenn man eine mengenmäßige Einschränkung in beiden Versorgungsgebieten vermeiden will."

Das Ergebnis legt eine Leitungsvernetzung nahe, insbesondere auch mit Dietzhof, wie Ratsmitglied Igor Lamprecht (FW) vom Wasserzweckverband Dietzhof mehrmals betonte. Ein solches Leitungsnetz dürfte rund eine halbe Million Euro kosten. Es gewährleistet einen Wasserfluss zwischen allen Gemeindeteilen, je nachdem, wo wie viel Wasser erzeugt und gebraucht wird.

Um eine gesicherte größere Wassermenge zur Verfügung zu haben, hat Leutenbach zwei Alternativen: Erweiterung der eigenen Versorgung durch Einbindung weiterer Quellen und/oder eines Tiefbrunnens oder den Wasserbezug von benachbarten Versorgern.

Von der Kostenseite her betrachtet sei ein Tiefbrunnen die teuerste Lösung, erläuterte Dürrschmidt. Die Kosten könnten leicht die Millionengrenze überschreiten wegen der Bohrung und der erforderlichen Technik zur Aufbereitung wegen Eisen, Mangan oder Arsen. Das wird seiner Meinung nach nicht durch den Vorteil aufgewogen, dass Tiefbrunnen aus anderen Wasserstockwerken fördern als die Doggerquellen.

Das Erschließen und Einbinden weiterer Quellen hält Dürrschmidt für eine nicht so sichere Lösung. Denn alle Quellen im Gemeindegebiet liefern Wasser aus dem Dogger, sind also in gleicher Weise den Witterungsverhältnissen mit starkem Rückgang im Hochsommer bis in den Herbst unterworfen. Deshalb ließ er die Moritzquelle außen vor, denn zu ihr müsste eine fast ein Kilometer lange Leitung gebaut und ein eigenes Wasserschutzgebiet ausgewiesen werden.

Besser sieht er die Situation der Spiegelquelle in Oberehrenbach, die früher Oberehrenbach mitversorgte. Ihre Schüttung ist im Vergleich zu zurückliegenden Jahrzehnten stark gesunken. Nach Dürrschmidts Messungen liefert sie heute zwischen 21 und 54 Kubikmeter pro Tag. Das deckt den Fehlbedarf nicht hinreichend ab. Ob durch Quellsanierungen die alten Werte wieder erreicht werden können, weiß niemand. Dreimal so viel soll die Quelle im 20. Jahrhundert geliefert haben, wusste Ratsmitglied Raimund Dörfler (WvE) aus alten Wassergutachten. Die Kosten der Quellsanierung bezifferte Dürrschmidt auf rund 340 000 Euro. Eine technisch einfache Abhilfe wäre eine Verbindung mit der Gräfenberger Wasserversorgung. Von Rangen aus könnte das Wasser einfach den Berg hinabfließen.

Die Strecke ist mit 1,6 Kilometern auch relativ kurz, so dass die Kosten bei etwa einer halben Million Euro lägen. Hier muss aber vorab geprüft werden, ob das Gräfenberger und das Leutenbacher Wasser vermischbar sind und ob das Trinkwasser nicht das Leitungsnetz angreifen könne.

Der Rat beschloss einstimmig, das als Erstes prüfen zu lassen. "Das Wichtigste ist die Vernetzung", betonte Bürgermeister Florian Kraft (FW).

Einen wichtigen Gesichtspunkt brachte Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt ein: die Förderung. Für Quellenerschließung gibt es kein Geld vom Freistaat. Dafür bei Verbindungsleitungen inner- und außerhalb der Gemeindegebiete. Der Staat zahlt 50 Prozent der Ausführungskosten und übernimmt auch Ingenieurkosten. Die Förderung läuft bis Ende 2021. Danach stehen den Gemeinden noch drei Baujahre zur Verfügung. In diesem Jahr sind allein 70 Millionen Euro im Fördertopf. "Viele Gemeinde springen darauf an", wusste Richter auch aus dem Raum Forchheim zu berichten. Der Kämmerer hat vorausschauend im Haushaltsentwurf schon 400 000 Euro für die Verbesserung der Wasserversorgung eingestellt. Vermutlich wird nur ein Teil davon in diesem Jahr benötigt werden.