"Bei den Bauern herrscht nur noch großer Frust." So hat BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger bei der Kulmbacher Gebietsversammlung die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft beschrieben. Schuld daran seien immer mehr Bürokratie, Angriffe aus der Gesellschaft sowie praxisfremde Richtlinien und Gesetze aus der Politik. "Betriebe hören derzeit reihenweise auf", sagte Löwinger. Im Moment sei ein Strukturwandel festzustellen, wie es ihn noch nie vorher gegeben habe.

Bei der Gebietsversammlung, die online durchgeführt wurde, stellte Löwinger die Forderung auf, Nahrungsmittelsicherheit ins Grundgesetz aufzunehmen. Hintergrund ist der Eindruck der meisten Berufskollegen, dass Gesellschaft und Politik die Tierhaltung in Deutschland "kaputt machen" möchten. "Von Ernährungssicherheit spricht kein Mensch mehr."

Der Kreisobmann warnte allerdings davor, dass man sich gerade bei der Ernährung vom Ausland abhängig macht. Damit dies nicht geschehe, benötigten die Bauern eine gewisse Intensität in der Produktion.

Qulität herausstellen

Überhaupt sollte die Qualität wieder mehr herausgestellt werden. "Darin unterscheiden wir uns von großen Teilen der Welt." Ursache dafür seien die hierzulande geltenden hohen Auflagen.

Die Bilanz des Kreisobmanns über das zurückliegende Jahr fiel durchaus gemischt aus. Vom Wetter her hätten die Bauern nach drei Dürrejahren in Folge erstmals wieder zufrieden sein können. Während sich die Märkte beim Rindfleisch aktuell im Höhenflug befänden, Preise für Getreide und auch Raps derzeit fast täglich nach oben kletterten und der Milchpreis als mittelmäßig einzustufen sei, sei die Lage im Schweinebereich absolut katastrophal. "Hier kann kein Geld mehr verdient werden", sagte Löwinger.

Als Hauptursache nannte er die coronabedingt ausgefallene Sommersaison in der Gastronomie. Dazu komme die Afrikanische Schweinepest.

Eventuelle Mehreinnahmen der Bauern müssten an anderer Stelle wieder ausgegeben werden. Die Preise für Stickstoffdünger würden genauso wie die für Pflanzenschutzmittel oder gar für Diesel zu ungeahnten Höhenflügen ansetzen.

Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten sah Kreisobmann Löwinger eine Zukunft für die Landwirtschaft. "Wir sollten eines nicht tun, den Kopf in den Sand stecken", ermunterte er seine Berufskollegen. Er gab aber auch zu bedenken, dass man sich stets auf Veränderungen einstellen sollte.

Am Rande der Gebietsversammlung richtete der Geschäftsführer des Kulmbacher Maschinenrings, Horst Dupke, den Appell an alle Landwirte, dass derzeit Betriebshelfer dringend gesucht würden. shf