von unserem Redaktionsmitglied Rainer Lutz

Neustadt — Wo am Faschingsdienstag noch lustig verkleidete Kinder über einen Geräteparcours tobten, hat sich am Aschermittwoch das Bild gründlich geändert. In der Frankenhalle stehen keine Sportgeräte mehr. Zwei Drittel der Halle bieten jetzt Platz für 170 Feldbetten. Am gestrigen Nachmittag trafen die ersten Asylsuchenden dort ein.
Noch gegen Mittag wusste in Neustadt aber niemand, wer da ankommt. Muss man sich auf Kinder einstellen? Kommen Familien oder Einzelpersonen? Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) konnte am Dienstagnachmittag informieren, dass die erste Gruppe nicht, wie angekündigt, am Donnerstag, sondern schon am Mittwoch in Neustadt ankommt. "Wir wissen nicht, wer da kommt", war auch da die Antwort auf die Frage nach der Zusammensetzung der Gruppe.
Am Dienstag nach dem Kinderfasching rückten die Helfer an. Vor allem Feuerwehrleute, aber auch Helfer des Neustadter Bauhofs und der Straßenmeisterei packten mit an. Ein Teil der Halle wurde abgetrennt. Dort entstand mit Tischen und Stühlen der provisorische Speisesaal der Notunterkunft. Im größeren Teil der Halle wurden die Feldbetten aufgebaut. "Es waren wirklich genug Helfer da. Die Bereitschaft, zu helfen ist groß", sagt Harald Hofmann, der für die Frankenhalle verantwortlich ist.
Eigentlich sollten noch Trennwände zur Verfügung stehen, mit denen beispielsweise Familien einen eigenen Bereich umgeben könnten. Doch die sind am Mittwoch noch nicht da. Es ist schon eine beispielhafte Leistung der vielen Helfer, dass die Halle zumindest mit dem allernötigsten ausgestattet werden konnte. Der Zeitrahmen für die Organisation der Notunterkunft war denkbar knapp.
Als in der vergangenen Woche die Information kam, dass der Landkreis über 200 Asylsuchende im Rahmen des Notfallplanes aufnehmen muss, sollte zunächst die Schulsporthalle von Arnold Gymnasium und Realschule herangezogen werden. Nachdem die beiden Schulleiter dazu erhebliche Bedenken äußerten, wurde gemeinsam mit der Stadt Neustadt eine andere Lösung gesucht und in der Frankenhalle gefunden.

Improvisationskunst gefragt

Als das neue Quartier feststand war es aber auch schon Montag, Rosenmontag. Die Faschingszeit erleichterte es nicht gerade, Helfer für einen Arbeitseinsatz zu finden. Dennoch standen immer genug bereit. Dass jetzt so stark improvisiert werden muss, bleibt nicht ohne Kritik. Helfer fragen, warum erst in dem Augenblick, als der Notfallplan in Kraft treten musste, überhaupt bekannt wurde, welche Halle dafür genutzt werden soll. Immerhin kam die Anordnung der Regierung, einen solchen Plan zu erstellen, bereits im Oktober vergangenen Jahres. Kritik gibt es auch an der Asylpolitik des Landes. Dass selbst Stunden vor der Ankunft nicht mitgeteilt werden kann, auf welche Zusammensetzung einer Personengruppe sich die Helfer einstellen müssen, spricht Beobachtern nicht für ein geordnet abgewickeltes Verfahren.
Am Ende werden es die vielen professionellen und ehrenamtlichen Helfer sein, die aller Planungsschwächen zum Trotz dafür sorgen, dass die Asylsuchenden für die Dauer, die sie bleiben dürfen, ein Dach über dem Kopf haben. Wie lange das sein wird? "Auch das kann uns derzeit niemand wirklich beantworten", sagt Rebhan. Es gibt eine Zusage, dass die Verfahren von Bewerbern aus dem Kosovo beschleunigt bearbeitet werden. Doch dass die 170 Personen, die in Neustadt einquartiert wurden und weitere 50 in der Niederfüllbacher alten Schule, in zwei Wochen die Halle wieder verlassen, das glaubt niemand so recht.