Vor 28 Jahren ist in einem Asylbewerberheim in Weismain ein Mann aus Rumänien ermordet worden. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Coburg unter dem Vorsitz von Richter Christoph Gillot ist am Montag zu dem Schluss gekommen, dass der Täter ein heute 64-jähriger Landsmann ist. Der rumänische Staatsbürger, der seit April in Coburg vor Gericht stand, erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten.

Beim Schlussakt der Verhandlung um eine lange zurückliegende Bluttat vertraten Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch und Verteidiger Till Wagler zwei völlig gegensätzliche Meinungen. Der Mord geschah in der Nacht im Zimmer, das sich der Angeklagte mit dem Opfer teilte. Somit gab es keine direkten Tatzeugen. Wenngleich sich die Kammer somit nur auf Indizien, die Aussagen weniger noch lebender Zeugen sowie auf nach Entdeckung der Leiche erstellte Ermittlungsprotokolle stützen konnte, reichte dies nach Auffassung des Anklagevertreters doch zu einer Verurteilung wegen Mordes aus.

Schädelbruch beim ersten Schlag

Dass das Opfer arg- und wehrlos war, schilderte Rosenbusch in deutlichen Worten. Schlafend im Bett habe der Mann keine Chance gehabt, sich zu wehren. "Schon beim ersten Schlag mit dem Bierkrug brach der Schädel." Vier bis fünf kräftige Schläge habe der heute 64-Jährige seinem Opfer mit dem zur Mordwaffe umfunktionierten Glasgefäß versetzt. Für den Oberstaatsanwalt ist der Täter nach rund 30 Jahren eindeutig überführt worden. Er betonte: "Der Sachverhalt hat sich lückenlos aus der Beweisaufnahme ergeben."

Ganz anders sah das Verteidiger Till Wagler. "Es wird eine der Straftaten bleiben, die man nicht mehr sühnen kann", meinte er. Zu lange liege der Fall zurück, als dass er sich noch zweifelsfrei aufklären ließe. Verwertbare DNA-Spuren hätten sich nicht mehr ermitteln lassen, nachdem der Bierkrug irgendwann von Blutspuren gereinigt worden sei. Ein Vorwurf sei den Ermittlern freilich nicht zu machen, sei doch die DNA-Analyse 1992 alles andere als gängige Praxis gewesen. Eine intensive Zeugenbefragung, insbesondere durch die Verteidigung, sei nach all den Jahren praktisch nicht mehr möglich gewesen.

Wie Richter Gillot in seiner Urteilsbegründung ausführte, hätten die Angaben noch lebender sowie inzwischen verstorbener Zeugen unter dem Strich für die Kammer ein schlüssiges Bild ergeben. Grundsätzlich sei es bei dem Verfahren um die Frage gegangen, ob es sich um einen Mord handelt. "Jede andere Straftat wäre verjährt gewesen", so der Richter. Nach Auffassung des Gerichts liegt ein Mordfall vor. Täter sei der Angeklagte, der aus einem Motiv heraus handelte, Gelegenheit zur Tat hatte und mit damals Mitte 30 auch in der Lage dazu war. Einen anderen Täter als den Angeklagten habe die Beweisaufnahme ausgeschlossen. Vielmehr habe sich ein Zeitfenster für die Tat ergeben, in dem kein anderer als der 64-Jährige als Täter infrage komme. Auf seine Täterschaft deuteten zudem sämtliche Zeugenaussagen hin. Weil der Angeklagte zur Tatzeit erheblich betrunken gewesen sei, ging die Kammer von einer Schuldminderung aus, bewegte sich damit in einem Strafrahmen von drei bis 15 Jahren. Nicht zuletzt gibt es nach den Worten von Richter Gillot eine Reihe von Aspekten zugunsten des Angeklagten. Insbesondere habe er weder vor noch nach dem tödlichen Angriff auf den Mitbewohner eine Straftat begangen. Zudem habe ihn das Opfer bei mehreren Gelegenheiten nicht nur verbal, sondern auch körperlich angegriffen. Auf der anderen Seite, auch das betonte Gillot, sei es ein kaltblütiger Mord an einem verheirateten Vater von drei Kindern gewesen.