Der Ausfall von Weihnachtsmärkten und

-feiern, die Reduzierung der Kontakte im Familien- und Freundeskreis, dafür Angst und Zukunftssorgen durch die Corona-Pandemie: Da scheint es schwer, dass Advents- und Weihnachtsstimmung aufkommen. Oder gerade deshalb? Wir haben Funktionsträger im Landkreis Lichtenfels gefragt: Wie kommen Sie in diesem Jahr in Weihnachtsstimmung?

Andreas Hügerich, Bürgermeister von Lichtenfels:

"Das Jahr 2020 war und ist ein anderes Jahr als üblich. Sind wir doch mal ehrlich, normalerweise sind wir alle in der Adventszeit aufgrund der vielen Veranstaltungen und Weihnachtsvorbereitungen nochmals gestresster als sonst. Viele von uns haben sich in den vergangenen Jahren ruhigere Adventstage gewünscht. Jetzt ist es ruhig. Es gibt keine Veranstaltungen und keine Weihnachtsmärkte. Ja, ich gebe zu, mir fehlt dies alles sehr. Aber wir haben mehr Zeit für die Familie als üblich. Und genau das bringt mich in diesem Jahr in Weihnachtsstimmung. Ich bin dankbar, mehr Zeit mit meinen Lieben verbringen zu können, auch wenn dieser Kreis aufgrund der Coronaauflagen eingeschränkt ist. Und wenn ich sehe, dass Kinder und Ältere vor unserem geschmückten Baum am Marktplatz stehenbleiben und sich am Lichterglanz in unseren Straßen erfreuen, dann bin ich mir sicher, dass wir alle in diesem Jahr ein anderes, aber schönes und friedliches Weihnachtsfest erleben werden."

Christian Meißner, Landrat:

"So recht in Advents- oder Weihnachtsstimmung zu kommen fällt in diesem Jahr schwer. Zum einen haben wir im Landratsamt mit den Herausforderungen, ein Impfzentrum aufzubauen, eine große Aufgabe vor uns, die viel Kraft und Zeit bindet. Auch die Zahl der Corona-Infektionen, die bislang nur kurz unter die 100er 7-Tage-Inzidenz gerutscht ist, stimmt mich nachdenklich. Unser Weihnachtsfest wird in diesem Jahr sicherlich im kleinsten Familienkreise stattfinden. Dennoch freue ich mich auf diese Zeit mit meiner Familie und habe die Hoffnung, dass Weihnachten 2021 wieder in größerer Runde gefeiert werden kann."

Lars Rebhan, Dekan:

"In der Adventszeit können in diesem Jahr die einfachen Symbole und Rituale noch mehr zur Geltung kommen: Bewusst eine Kerze anzünden in dieser dunklen Jahreszeit, den Duft des Adventskranzes riechen, der den Raum erfüllt, eine Kirche besuchen und dort Krippendarstellungen betrachten. Zudem finden sich in vielen Kirchen, Pfarrbriefen und Internetseiten der Pfarreien Anregungen und Gedanken zum Weihnachtsfest. Auch wenn unsere Weihnachtsgottesdienste in diesem Jahr schlichter gefeiert werden, unter anderen Rahmenbedingen und vielfach mit Anmeldung, werden es doch geistliche Angebote sein. Sie können uns helfen, die Botschaft des Weihnachtsfestes auch heuer zu erspüren und zu entdecken. Meine Bitte schon jetzt: Nicht alle werden in unseren Kirchen am 24. Dezember einen Platz bekommen. Nutzen Sie darüber hinaus sowohl die Gottesdienste im Freien als auch an den Weihnachtstagen vom 25. bis 27. Dezember."

Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin:

"Für viele gehören zum Advent feste Rituale zu Hause: einen Adventskranz aufstellen, am Adventskalender Türchen öffnen, Sterne in die Fenster hängen, Plätzchenbacken. Dies alles kann in diesem Jahr noch einmal neue Bedeutung bekommen - als wirkliche ,Adventsrituale‘, die zum Warten auf Weihnachten gehören. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, sie ganz bewusst zu pflegen: täglich eine kleine Zeit am Adventskranz sitzen, auf das Licht schauen. Daneben liegt mein ,Anderer Adventskalender‘ mit einem Bild und Text für jeden Tag. Meine Hoffnung dabei ist, dass ich durch die verordnete äußerer ,Ruhe‘ in diesem Advent mehr zu der inneren Ruhe und Besinnlichkeit finde, nach der ich mich wie viele andere in früheren Jahren mit allem Trubel und vielen Veranstaltungen auch gesehnt habe. Außerdem bin ich sicher: Die Weihnachtsstimmung wird dann kommen, wenn das Fest vor der Tür steht. Advent ist im ursprünglichen Sinn ja auch erst die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Zum Advent gehört das Warten dazu."

Nikolas Auer, Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern:

"Aus meiner Sicht ist die Sehnsucht nach einer sorgenfreien, entspannten und familiären Atmosphäre rund um die Weihnachtszeit in diesem Jahr besonders stark. Denn die genannten Adjektive wird man kaum für das ablaufende Jahr 2020 finden können - ganz im Gegenteil. Turbulenter hätte man sich das Jahr nicht ausmalen können. Umso wichtiger ist es, die schönen Momente bewusst zu genießen. Ich selbst bringe mich mit meiner Familie mit den klassischen Dingen wie Weihnachtsdekoration, Plätzchenbacken, mit den Kindern Weihnachtslieder singen, Adventskalender öffnen und Lebkuchen sowie Spekulatius naschen in Stimmung. Wobei ich die Meinung vertrete, dass weniger zumeist mehr ist: sich möglichst nicht vom Stress um Weihnachtsgeschenke-Kauf und Essensvorbereitungen anstecken lassen, sondern den Fokus auf das richten, was wirklich wichtig ist, Familie und enge Freunde. Damit kann man die derzeitige Situation mit den verschiedenen Einschränkungen auch als Einladung sehen, mit den Liebsten aus seinem nächsten Umfeld eine schöne Zeit - ich spreche gerne von Qualitätszeit - zu verbringen.

Fabian Franke, Geschäftsführer von Pflegeeinrichtungen:

"In unseren beiden stationären Einrichtungen, Pflegeheim Elisabeth und Tagespflege Bürgerbräu, kommen wir wie alle Jahre, gemütlich und entspannt in Weihnachtsstimmung. Wir basteln, schmücken und dekorieren gemeinsam und stimmen uns auf die weihnachtliche Zeit ein. Auch ohne Weihnachtsmarkt und -konzert vertreiben wir uns die Zeit angenehm mit vermehrten Betreuungsaktivitäten für unsere Gäste und Bewohner. Werden auch Sie aktiv in Ihrem Zuhause und machen es sich behaglich! Wir freuen uns jetzt schon auf das Beisammensein und genießen die schönste Zeit des Jahres."