von unserem Mitarbeiter 
Stephan Herbert Fuchs

Kulmbach — Auch wenn nur 50 Euro im Geldbeutel waren: eine 25-jährige Frau aus Erlangen muss wegen Diebstahls in den Räumen der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach vier Monate ins Gefängnis.
Richterin Sieglinde Tettmann hatte sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht: Sie setzte binnen einer Woche eigens einen zweiten Verhandlungstag an, um auch wirklich alle Zeugen hören zu können. Doch am Ende stand für sie fest: "Es gibt keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten."
Die junge Frau, die einmal mehr in Handschellen aus der Haftanstalt vorgeführt wurde, hatte dem Urteil zufolge am 16. März den Geldbeutel einer anderen Besucherin der Geschwister-Gummi-Stiftung mitgehen lassen, die rund 50 Euro an sich genommen und die Börse samt Papieren, Dokumenten, einem Schutzengel und einigen Cent-Stücken in einen Mülleimer geworfen. Die Frau hatten ihren Sohn in dem Heim besucht.
Der ermittelnde Polizeibeamte berichtete, dass es in der Einrichtung schon Monate zuvor einen ähnlichen Vorfall gab. Auch damals hatten die Mitarbeiter die Angeklagte im Visier, verzichteten aber auf eine Anzeige. Wichtigstes Indiz für den Beamten: Damals wurde der Geldbeutel ohne Inhalt im gleichen öffentlichen Papierkorb am Röhrenplatz aufgefundenl.
Schwer zum Nachteil der jungen Frau werteten alle Prozessbeteiligten die Tatsache, dass die dreifache Mutter trotz ihres jungen Alters bereits neun Vorstrafen hat, die meisten wegen Diebstahls und ähnlichen Delikten. Aktuell sitzt sie eine dreimonatige Freiheitsstrafe ab, zu der sie 2011 verurteilt worden war.

"Null Einsicht, zig Vorstrafen"

Nachdem die Angeklagte bis zuletzt bei ihrer Darstellung blieb, dass sie keinen Geldbeutel genommen habe, forderte die Staatsanwältin fünf Monate Haft: "Null Einsicht, aber zig Vorstrafen."
Richterin Tettmann blieb nur ein Monat darunter. Trotz des relativ geringen Wertes der Beute sei eine deutliche Strafe notwendig, zumal die Tat auch noch während einer offenen Bewährung begangen wurde.