Vor 90 Jahren ist aus der ehemaligen Urpfarrei Nankendorf wieder eine Kuratie geworden, nachdem der Ort viele Jahrhunderte lang zuerst mit, dann lange Zeit wieder ohne eigenen Pfarrer war. Was wie ein Widerspruch klingt, entspricht der wechselvollen, uralten Kirchengeschichte rund um die Nankendorfer Michael-Küchel-Pfarrkirche.


Älter als Bamberg?

Dem Patronat des heiligen Martin ist es zu verdanken, dass man in Fachkreisen noch immer annimmt, die Pfarrei in Nankendorf sei älter als das Bistum Bamberg (das 1007 gegründet wurde). Demnach gehörte es zum Bistum Würzburg (Nachweis des Kirchenzehnt) und war, wegen des Patronats, eine karolingische Königskirche die laut Erich Freiherr von Guttenberg "zu den frühesten Kirchen der ostfränkischen Kolonisation zählt". Sie darf sich deshalb "Urpfarrei" nennen. Diesem Umstand verdankt Nankendorf die (Wieder-)Errichtung einer Kuratie am 1. Mai 1927, aus der elf Jahre später wieder eine selbstständige Pfarrei werden konnte. Seit 2011 ist Nankendorf Teil des Seelsorgebereichs Fränkische Schweiz- Nord und hat den eigenen Pfarrer wieder verloren. Aber das ist eine andere Geschichte.
Schon viele Gelehrte haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, wie alt die Urpfarreien der Gegend, darunter auch Pretzfeld und Königsfeld, eigentlich sind. Es fehlen oft schriftliche Nachweise aus der Zeit vor der Bamberger Bistumsgründung. Sicher ist jedoch: Die Nankendorfer Pfarrei ist älter als die Waischenfelder.


1415 erster Pfarrer

Der erste Waischenfelder Pfarrer wird 1415 erwähnt, um diese Zeit liegt nach Meinung Hofmanns die Abspaltung der Waischenfelder Pfarrei von der in Nankendorf. Als Pfarrbereich wurde die Grenze der Stadt Waischenfeld festgelegt, alle Orte rings herum gehörten weiterhin zur Pfarrei Nankendorf. Die wurde ab dem späten Mittelalter von Waischenfeld aus verwaltet, nachdem der Sage nach der Nankendorfer Pfarrer aus Angst vor kriegerischen Horden 1525 nach Waischenfeld geflüchtet war und anfangs von dort aus die Pfarrei betreute. Daher gab es viele Jahre das Kuriosum, dass Leichenzüge, die beispielsweise von Hannberg kamen, in Waischenfeld "durchgeleutet" wurden, weil die Beerdigung erst in Nankendorf stattfand.
Später dann hat der Bamberger Bischof aus Kostengründen die Pfarrei Nankendorf vom Waischenfelder Pfarrer gleich mit versehen lassen und dadurch flossen beide Pfarrsprengel ineinander. Lange Zeit ging das gut. Noch 1692 heißt es in einer Urkunde: "Nankendorf im Amt Waischenfeld. Der Ort hat eine Kirche, die vom Waischenfelder Pfarrer versehen wird". Daran änderte auch der Kirchenneubau in Nankendorf nichts. 1744 wird die neue Kirche gebaut, vier Jahre später eingeweiht, nach Plänen des bekannten Architekten Michael Küchel. Die Nankendorfer waren zufrieden. Das änderte sich erst, als Anfang des 20. Jahrhunderts Unmut laut wurde über die Kirchhofsituation: Die Dörfer um Waischenfeld wollten jetzt plötzlich zum Friedhofsverband Waischenfeld und auf dem dortigen Friedhof ihre Toten beerdigen, weil er näher liegt. Um 1924 erreichte der Unmut seinen Höhepunkt. Die Nankendorfer sahen sich wieder gezwungen, eine eigene Pfarrei anzustreben, um des eigenen Friedhofs willen.
Die Verhandlungen in Bamberg waren wegen der reichen und alten Pfarrgeschichte erfolgreich, obwohl sich Pfarrer Michael Schütz in Waischenfeld ursprünglich für Plankenfels als Kuratie einsetzte. Bereits im Oktober 1925 stand im Wiesentboten zu lesen, dass der Bau des Kuratiehauses (Pfarrhauses) begonnen habe und die Nankendorfer mit 1000 Fuhren "der verschiedensten Art" fleißig Hand- und Spanndienste leisteten. Am 27. März 1927 war das Haus fertig und konnte mit einer großen Feier eingeweiht werden. Eine noch größere Feier gab es einige Wochen später, am 1. Mai 1927: Die Erhebung Nankendorfs zur Kuratie, der Vorstufe zur eigenen Pfarrei, wenn man so will.


Historische Tracht und Dreispitz

Aufsehen erregten Nankendorfs vier älteste Männer, die in historischer Tracht mit dem Dreispitz auf dem Haupt im Festzug mitfuhren. Die Festpredigt und Hausübergabe hielt Waischenfelds Stadtpfarrer Michael Schütz. Am Abend zog eine große Menschenmenge von der Aukapelle mit Fackeln zur Kirche, wo ein feierlicher Segen den denkwürdigen Tag beschloss. Dabei loderten rings auf den Felszacken gespenstisch schöne Leuchtfeuer. Im Nankendorfer Kirchentagbuch jener Zeit steht als Schlusssatz: "Nach vielhundertjähriger Unterbrechung hat das heute zu Ende gehende Kirchenjahr dem Gotteshaus in Nankendorf wieder seinen Diener zurück gegeben."
1937, zum 1. Juli, wurde aus der Kuratie Nankendorf dann wieder eine Pfarrei mit eigenem Seelsorgebereich. Ein Jahr später, am Kirchweihfeste 1938, kam die Ernennung des neuen Pfarrers, dem vormaligen Kuratus Hofmann, die von 18 auswärtigen Seelsorgern zelebriert wurde.
Viele Pfarrer taten seither Dienst in Nankendorf der neueren Zeit. Der letzte eigene war Hans Hellebrandt (1997 bis 2011). Danach kam die Neuorganisation der Pfarreien im Bistum Bamberg und damit der "Seelsorgebereich Fränkische Schweiz-Nord", dem anfangs Pfarrer Wolfgang Dettenthaler (2011 bis 2015) und nach ihm bis heute Pater Rajesh Lugun, beide aus der Pfarrei Waischenfeld, vorsteht. Die Geschichte wiederholt sich - aus Personalmangel.