Ausschließlich um die Anpassung der Verbrauchsgebühren ging es in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Veitensteingruppe, der in Kirchlauter tagte. Der Verband lag mit seinem günstigen Wasserpreis bisher immer am unteren Level. Das ändert sich jetzt: Eine neue Kostenkalkulation führte dazu, dass die Verbandsversammlung unter der Leitung von Vorsitzender Ruth Frank (Bürgermeisterin von Breitbrunn) die Wassergebühren um rund 40 Prozent anhob. Damit erhöht sich der Wasserpreis von 1,07 auf 1,49 Euro pro Kubikmeter.

Der Trinkwasserzweckverband Veitensteingruppe in den Haßbergen beliefert 32 Ortschaften und Weiler mit etwa 5500 Einwohnern in Unter- und Oberfranken mit rund 235 000 Kubikmetern Wasser. Wasserabnehmer sind auch die Stadt Königsberg und die Marktgemeinde Rentweinsdorf, die rund 33 000 Kubikmeter erhalten.

Der Wasserpreis war letztmalig 2013/14 von 0,90 Euro auf 1,07 Euro erhöht worden. Jetzt war das Fachbüro für Kommunalberatung Dr. Schulte/Röder mit einer neuen Gebührenkalkulation beauftragt worden.

Simon Kohl von der beauftragten Kommunalberatung erläuterte Grundsätzliches zur Berechnung von Gebühren. Er warf den Vorschlag in die Runde, den Wasserpreis auf 1,49 Euro pro Kubikmeter zu erhöhen. Für eine reine Kostendeckung würden zwar 1,36 Euro ausreichen, aber man sollte zusätzlich eine Sonderrücklage von 0,13 Euro vorsehen, die der Gesetzgeber als ein neues Ins-trument zur Finanzierungsgestaltung ermögliche. Diverse Maßnahmen könnten damit durch die Hintertür der Rücklagenbildung bereits vor Baubeginn in die Finanzplanung einfließen. Durch die komplette oder teilweise Berücksichtigung späterer Erhöhungen bereits zum heutigen Zeitpunkt handle man nach dem Prinzip der kaufmännischen Vorsicht und erhöhe die Wahrscheinlichkeit, die beschlossenen Gebührensätze in ihrer Höhe auch über mehrere Kalkulationszeiträume beibehalten zu können.

Verbandsrätin Lilo Stubenrauch wollte wissen, was an Investitionen auf den Zweckverband zukommt. Berater Simon Kohl sprach von vielen Unterhaltungsmaßnahmen, so dass langfristig der Preis sowieso nicht zu halten wäre. "Einrichtungen aus vor 40 Jahren kommen an einen Punkt, wo sie ersetzt werden müssen. Eigentlich muss dann die ganze Anlage wieder neu hergerichtet werden. Das wird in fünf bis zehn Jahren zu einer deutlichen Steigerung führen", erklärte der Experte.

Bei einer Gegenstimme

Lilo Stubenrauch fasste noch einmal nach und meinte, "dass mir die Anhebung des Preises um 40 Prozent schon Bauchschmerzen bereitet. Ich versetze mich in die Lage, wie ich dem Bürger diese Steigerung vermitteln soll." Simon Kohl vertrat die Meinung, dass beim Wasser nicht gespart werden sollte. Wie man die Erhöhung dem Bürger verkaufen kann, sei eine andere Frage. Es sei hochwertiges Wasser, argumentierte er.

Vorsitzende Ruth Frank verwies darauf, dass der durchschnittliche Wasserpreis in Deutschland bei zwei Euro liege. Der Zweckverband bereichere sich nicht, sondern es sei neu kalkuliert worden. "Ich gehe davon aus, dass es nicht zu viel ist und eigentlich eher zu wenig." Die umliegenden Gemeinden liegen nach ihrer Darstellung zwischen 1,25 und 1,90 Euro pro Kubikmeter. Peter Großkopf aus Baunach hielt den Preis für in Ordnung, denn in Oberfranken koste es teilweise noch mehr.

Berechnungen

Der Beschluss, den Wasserpreis ab 1. November 2020 von 1,07 Euro auf 1,49 Euro pro Kubikmeter zu erhöhen und damit über eine Sonderrücklage Finanzmittel anzusparen, wurde bei einer Gegenstimme von Lilo Stubenrauch beschlossen.

Bei einer verkauften Menge von insgesamt 268 000 Kubikmetern und der Anhebung des Wasserpreises auf 1,49 Euro bedeutet das für den Zweckverband jährliche Mehreinnahmen von 112 560 Euro, wovon 34 840 Euro als Sonderrücklagen geltend gemacht werden. Im Kalkulationszeitraum von 2021 bis 2024 kann der Verband bei gleichbleibender Wasserabnahme dann auf Mehreinnahmen von 450 240 Euro hoffen und gibt 139 360 Euro in die Sonderrücklage. Bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr von 42 Kubikmetern bedeutet das eine Steigerung bei einem Ein-Personen-Haushalt von 17,64 Euro und bei einer vierköpfigen Familie von 70,56 Euro.

Angehoben wurden auch die Wassergebühren für die "Wassergäste". Für Rentweinsdorf steigt der Preis zum 1. Januar 2021 von einem Euro auf 1,49 Euro. Für die Stadt Königsberg geht es von 1,12 auf 1,49 Euro.

Der Kirchlauterer Bürgermeister Karl-Heinz Kandler kündigte einen Antrag für den Anschluss des Weilers Passmühle nach Neubrunn an. Dies sei notwendig, weil sich die Zeil-Ebelsbach-Gruppe zurückziehen und kein Wasser mehr liefern wolle. Er hofft, dass es zwischen dem Zweckverband und den beteiligten Gemeinden zu einer Lösung kommen werde. gg