von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Höchstadt — Bei Beerdigungen wird Musik gespielt, meist ein Stück, das der Verstorbene sehr schätzte. 25 Jahre, so erinnert sich Georg Römer, hat er und oft mit ihm zusammen Organist Harald Matthes und weitere Musikerkollegen diesen Part übernommen. Mit Trauermusik hatte er aber schon in seiner Zeit bei einem Bundeswehr-Musikkorps zu tun. Seinerzeit war eine Nichte des letzten Kaisers in Wuppertal-Elberfeld zu Grabe getragen worden.
Und so begann das Konzert der Vangi-Boys im Höchstadter Kuhstall mit dem Revue-Marsch, wie bei der kaiserlichen Verwandten. "23 Jahre wussten wir nicht, wie wir hießen", witzelte Römer auch gleich zur Eröffnung. Altlandrat Eberhard Irlinger, der eigens gekommen war, soll die "Truppe" einmal als Funky Boys bezeichnet haben. Doch als junge Männer durchgehen wollten die Acht nicht: Das Ensemble, das sind Harald Matthes (Orgel), Georg Römer (Tenorsaxophon), Florian Zeh (Trompete), Ute Römer (Flöte), Frank Römer (Schlagzeug), Günter-Maria Weinkauf (Baßflügelhorn), Rudi Gunzl (Tenorhorn) und Ulli Weiß (Tuba). Eine Ableitung von Fango, wie es der ebenfalls anwesende Dekan Kilian Kemmer vorgeschlagen hat, behagte ihnen auch nicht.
Nun also: Vangi-Boys, die beste Höchstadter Beerdigungsmusikkapelle. Was sich die Leute so wünschen, brachten sie mit humorigen Zwischenbemerkungen von Römer mal nicht im Freien zu Gehör: Telemann, das "Largo" von Händel, "Amazing Grace", "Die Macht der Liebe", das "Ave Maria" von Bach/Gounod ... Zwischenrein streute Weinkauf Kurzgeschichten aus dem "Tödlichen Franken" und Römer "Musikwissenschaftliches". So soll ein gewisser Johannes Sebastian Bach, dessen Söhne ebenfalls Bach hießen, die Begleitung zu Gounods "Ave Maria" kurzerhand als eigenes Werk in sein wohltemperiertes Klavier aufgenommen haben.


Wette gewonnen

Die Musiker sind nicht ohne Hintergedanken aufgetreten. Sie hatten vorher gewettet - mit dem Dekan. Und sie haben gewonnen: Matthes trat in fränkisch roter Weste auf, Bestatter Riegler hatte die Schirmherrschaft übernommen und war sogar mit seinem Dienstfahrzeug vorgefahren. "Wir haben alle drei Getränkeeinheiten gewonnen", verkündete Römer denn auch. Damit war man schon fast beim Leichenschmaus. Ob alle so friedlich und gesellig zugehen, wie der im Kuhstall? Ob's an den Seelspitzen gelegen hat, die mit Genuss verspeist wurden? Eines darf man aber mit Fug und Recht behaupten: Des war su a scheene Leich.