Michael Busch Die Augen glänzen. "Schau, wie es den Kolben nach vorne treibt. Eine perfekte oszillierende Bewegung!" Der Matthias schaut seinen Vater Sepp an und fragt nach: "Meinst Du nicht, dass dieser Stirlingmotor doch effizienter ist?" Die beiden sind extra aus München nach Lauf an der Pegnitz angereist, um sich bei den 23. Laufer Dampfmodelltagen faszinieren zu lassen. Matthias ist allerdings auch kein Neueinsteiger mehr. Mit 56 Jahren und seinem Vater mit 76 Jahren kennt er die Szene, in der Flugwerft in Schleißheim stehen die beiden auf der Seite der Aussteller.

Sichtbare Kraftumwandlung

Nicht ganz so weit von der Anreise her hatte es Richard Reppisch. Der Dampfmodell-Konstrukteur und -Experte ist aus Herzogenaurach angereist. Als Aussteller hat er die Modelle aufgestellt, die im Industriemuseum in Lauf die Zuschauer faszinieren. "Die Faszination ergibt sich durch die elementaren Sachen", erklärt der Fachmann. "Da ist die Mechanik, man sieht die Bewegung, man sieht die Umsetzung der Kraft", schwärmt Reppisch. Er lacht und fügt hinzu: "Es hat eine fast erotische Ausstrahlung!"

Die Technik sei zwar antiquiert, aber eben sehr komplex, und allein daher schon für den Betrachter interessant. "Wenn dann noch dazu kommt, dass man die Dampfmodelle selber baut, ist es auch noch ein sinnvolles Hobby." Es ist allerdings auch ein kostenintensives Hobby geben die meisten Aussteller zu. Um den Spaß nicht gleich am Anfang zu verlieren, weil Billigmodelle schnell kaputt gehen oder nicht richtig funktionieren, empfehlen diese die "Einsteigersets" bekannter Firmen, die ab 150 Euro aufwärts zu bekommen sind. Wenn es dann zu den größeren und leistungsstärkeren Modellen kommt, sind Investitionen im vierstelligen Bereich vorzunehmen.

Dampf-Stammtisch

Reppisch gibt zu, dass es alleine daher meist ältere Menschen sind, die sich diesem Hobby widmen. "Es sind auch junge Bastler dabei, die über Modellbahnclubs zu diesem Hobby stoßen, aber es ist eher selten der Fall." Zumal das zeitaufwendige Hobby oftmals mit Familie und Beruf nicht zusammenlaufe. Das sei aus Sicht der Dampfmodellliebhaber aber auch "die Crux", wie Reppisch erklärt. "Eine Überalterung gibt es schon, weil aber auch viele junge Menschen diese Maschinen nicht mehr im tagtäglichen Leben wahrnehmen."

In Herzogenaurach selber gebe es auch keinen entsprechenden Treff. "Wir haben in Nürnberg einen Stammtisch der Dampffreunde Nürnberg." Da treffen sich die Leute, die sich mit diesem Hobby beschäftigen. Da sind aber nicht nur die Bastler dabei, da kommen diejenigen, die sich generell mit der Thematik Dampfmaschine auseinandersetzen.

Wichtig sei bei einer Ausstellung aber auch zu schauen, was die "Konkurrenz" so macht. "Ich geh' immer mal wieder durch das Museum, um auf die Kollegen zu schauen." Sein Vorteil sei, dass er im Laufer Industriemuseum sowieso öfter ist, dass er dort auch Führungen gestalte. Der Blick ist aber auch interessant, das bestätigen die Münchener Matthias und Sepp ebenfalls, weil die Vielfältigkeit der Modelle das Spannende sei. Sepp fasst zusammen: "Sie finden historische und selbstgebaute Modelle von Lokomotiven, von Schiffen im Kleinformat und Dampfmaschinen in Aktion." Die Veranstaltung gibt es seit 1994 - seit dieser Zeit ist auch Reppisch dabei. "Ich bin tatsächlich von Anfang an dabei, sozusagen ein Urgestein", ist von ihm im Prospekt zur Ausstellung zu lesen. Und er erklärt auch warum: "Das Besondere ist, dass diese Tage in einem einmaligen historischen Ambiente stattfinden und nicht in einer sterilen Messehalle." Wer Lust bekommen hat, muss sich den November merken, da finden an zwei Wochenenden die Dampfmodelltage statt.