Nur ein einziger Punkt stand auf der Tagesordnung der Untersteinacher Gemeinderatssitzung: die Bekanntgabe darüber, dass die Firma ASK August Schneider aus Kulmbach den Zuschlag für die Zuleitung zum FWO-Anschluss bekommen hat. Über die Höhe der Auftragssumme wurde aufgrund der rechtlichen Vorgaben nichts bekanntgegeben. Außerdem stand die Genehmigung der Sitzungsniederschrift an.

Helmut Bergmann (FW-WGU) merkte an, dass er bei den Sitzungen gerne "markante Aussagen" im Protokoll aufgenommen hätte.

Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD) erläuterte, dass es sich nicht um ein Wortprotokoll handele, sondern dass auch künftig nur ein Sachprotokoll geführt werde. Die Verwaltung setze dann die Beschlüsse um.

Den Bürgermeister "kontrolliert"

Daraufhin wurde Bergmann konkreter. Er habe "seine Pflicht als Gemeinderat", den Bürgermeister zu kontrollieren, wahrgenommen und habe deshalb bei der Firma Meile angerufen, um nachzufragen, ob Bürgermeister Volker Schmiechen mit der Firma schon wegen Entlüftungsgeräten der Firma Glen Dimplex Kontakt aufgenommen habe. Doch dies sei nicht der Fall gewesen, sagte Bergmann.

"Wir haben beschlossen, dass wir Erfahrungswerte abwarten. Ich lasse mich nicht von Ihnen kontrollieren", reagierte Schmiechen auf den Affront.

Markus Weigel (FW-WGU) versuchte, einen Punkt aus der nichtöffentlichen Sitzung in die öffentliche Sitzung zu bringen, und behauptete, dass die FWO die Wasserpreise anheben werde. Die Sitzung wurde unterbrochen und der Beschluss gefasst, dass der nichtöffentliche Punkt weiterhin aus rechtlichen Gründen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, nichtöffentlich bleiben solle. Das Ergebnis wird in der nächsten Sitzung bekanntgegeben.

Bürgermeister Schmiechen appellierte bei der Sitzung an die Räte, sich kurz zu fassen - denn die Corona-Inzidenzzahlen des Landkreises Kulmbach von über 311 seien besorgniserregend. Doch der Appell verhallte ungehört. Unter dem Punkt "Bekanntgaben" brachte Markus Weigel (FW-WGU) den Bau des Storchennestes zur Sprache und erkundigte sich, warum der Bauausschuss bezüglich des Baus nicht gehört und einberufen worden war und warum man nichtöffentlich über einen Standort diskutiert habe. Zudem stellte Weigel klar, dass für die Realisierung des Storchennestes keine Sitzungsgelder der Gemeinderäte benötigt worden seien. Ursprünglich hatten die Räte angeboten, das Storchennest - falls nötig - auch mit ihren Sitzungsgeldern zu finanzieren. Den Antrag für das Storchennest hatte SPD-Rat Jörg Ehrhardt gestellt und stieß damit auf breiten Konsens. Letztlich konnte das Storchennest mit Geldern des Bezirks und des Landkreises realisiert werden, die Sitzungsgelder wurden nicht benötigt.

"Mich erstaunt, wie schnell dieser SPD-Antrag umgesetzt worden ist", merkte Weigel an, und sein Ton ließ keinen Zweifel daran, dass es sich nicht um ein Lob handelte. Stattdessen stellte Weigel in den Raum, dass seine Anträge verzögert oder aufgeschoben oder abgelehnt würden.

Die Situation eskalierte

Daraufhin eskalierte die Situation. Conny Wehner (SPD) stellte klar, dass die Störche bereits in Untersteinach gelandet seien. "Die schnelle Umsetzung hat nichts mit der SPD zu tun, sondern mit der Natur", sagte Wehner.

Auch Hans-Peter Röhrlein (CSU) erinnerte daran, dass die Untere Naturschutzbehörde und der Landesbund für Vogelschutz auf eine schnelle Umsetzung gedrängt hätten. "Im Mai oder Juni macht es doch keinen Sinn mehr, das Storchennest zu installieren", meinte Röhrlein.

Realisiert hatte den Bau des Storchennestes auf dem Turm der Untersteinacher Feuerwehr - wie bei den Sitzungen vorher besprochen - Hans-Peter Röhrlein, der Zweite Bürgermeister der Gemeinde. Von Anfang an hatte Röhrlein seine Unterstützung zugesagt und gab an, das Storchennest im Dienst der guten Sache zum Selbstkostenpreis zu bauen.

Doch dies stieß im Nachhinein Helmut Bergmann (FW-WGU) auf. "Ich erinnere mich nicht an einen Beschluss, an wen der Auftrag vergeben werden sollte", sagte Bergmann. Er hatte sich im Internet die Preise für Eichenholz angesehen und kam bei 80 Kilo Eichenholz auf einen Materialwert von rund 140 Euro. "Dann sind die restlichen 1340 Euro nur dafür, dass ein paar Latten zusammengenagelt worden sind. Ich finde das überteuert", warf Bergmann dem Gemeinderat vor und wurde noch deutlicher: "Man kann doch so einen Auftrag nicht einfach so vergeben. Das grenzt an Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme", schimpfte Bergmann und prangerte das vorher abgesprochene Vorgehen an.

Bürgermeister Schmiechen versuchte, zur Ordnung zu rufen, und betonte noch einmal, dass die Realisierung im Vorfeld im Gremium besprochen worden sei. "Das ist beschämend und eine bodenlose Frechheit, was Sie hier vorbringen. Das ist schlimmer als im Kindergarten. Das Storchennest ist eine gute Sache", stellte Schmiechen klar.

"Wir haben doch alle gewusst, wer es realisiert", bestätigte Conny Wehner und betonte, dass alle im Gremium froh gewesen seien, dass Röhrlein dieses Angebot zum Selbstkostenpreis realisierte.

"Ich wehre mich gegen den Vorwurf, dass das Nest überteuert sei. Wir haben einen Bruttopreis von rund 1500 Euro, das macht netto 1260 Euro. Zwei meiner Mitarbeiter waren einen ganzen Tag mit einem Hubarbeitskran am Werk. Das sind zweimal vier Stunden für die Montage. Allein so eine Hubarbeitsbühne kostet doch was. Und keiner kann verlangen, dass meine Leute umsonst arbeiten. Ich selbst habe die Berechnungen und den Konstruktionsplan gemacht. Ich war mehr als sechs Stunden drüber und habe für diese Stunden im Übrigen nichts verlangt", stellte Röhrlein klar. "Wenn jemand sagt, das ist zu teuer, dann platze ich."

Der Untersteinacher Bürgermeister beendete daraufhin die öffentliche Sitzung und ließ keine weiteren Wortmeldungen zu. Die Situation eskalierte jedoch weiter. Gemeinderat Markus Weigel kündigte an: "Das ist meine letzte Sitzung." Er erklärte aber nicht konkreter, was er damit meinte. Als andere Gemeinderäte ihre Zustimmung signalisierten, kommentierte Weigel dies mit den Worten: "Das ist nur meine Entscheidung." Die Unterlagen, die Weigel im Affekt bereits gepackt hatte, packte er für die nichtöffentliche Sitzung dann allerdings doch wieder aus.