Da ist sie wieder, diese unfassbare Stille, dieses ungewohnte Dunkel der Gaststätten und Bars. Lockdown - zum zweiten Male erlebt und doch mit einem anderen Gefühl als im Frühjahr. Damals waren die Tage länger und die Nächte kürzer. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Das macht schon ein bisschen Angst, die Hoffnung auf eine schnelle Besserung wird in diesen Tagen auch nicht gerade größer.

Es ist kurz nach 21 Uhr, die Ausgangssperre beginnt. Schon auf der Fahrt von Altenplos nach Kulmbach ist kaum Verkehr, nur ein Auto kommt einem auf den knapp 20 Kilometern entgegen. In der Stadt selbst herrscht nahezu völlige Einsamkeit.

Eine Stunde Streifzug zu Fuß und mit dem Fahrrad quer durch die Innenstadt und dann mit dem eigenen Auto nochmals durch die Außenbezirke: Irgendwie unbehaglich, man kommt sich verloren vor.

Und man ist verwirrt von den Gegensätzen: Der Marktplatz erstrahlt in weihnachtlichem Glanz, Rathaus, Luitpold-Brunnen und das frühere Vereinshaus sind festlich illuminiert, die Plassenburg schaut, in dezentes Licht getaucht, von oben herab.

Kein Weihnachtsdorf, keine Gespräche bei Glühwein, kein nettes Beisammensein. Stade Zeit im ungewollten Sinne. So richtig Freude auf Weihnachten will sich nicht breit machen.

Sonderbarer Senior

Schließlich begegnet man einem älteren Herrn, der an seinem Handy herumfingert. Ich frage ihn, warum er hier draußen allein auf der Straße steht. Er schaut ein bisschen ratlos, deutet auf sein I-Pad und sagt: "Ich telefoniere mit meiner Frau". Er lacht und wirkt ein bisschen sonderbar.

Ich gehe weiter, endlich nach langer Zeit eine junge Frau mit einer Hündin. Das Tier heißt Mia. "Ich gehe mit ihr Gassi, jeden Abend", erklärt die Kulmbacherin Stefanie. Ihr Liebling mag erst am späten Abend spazieren. Sie genieße diese Ruhe jetzt, obwohl sie wisse, dass Corona dahinter stecke. Stefanie macht noch eine Runde und kommt wieder vorbei.

Später noch ein Hundehalter, diesmal auf dem Zentralparkplatz. Es ist Roland aus Kulmbach mit gleich zwei Vierbeinern, die ganz brav sind. Er wirkt richtig zufrieden: "Mir gefällt's in diesen Zeiten hier draußen, da hat man seine Ruhe." Roland blickt kurz auf und weg ist er.

"Auf Wiederseh'n"

Und dann noch Heidi, die durch die Langgasse nach Hause eilt. Sie komme vom Lieferdienst, ihre Arbeit ist beendet, "deswegen bin ich jetzt noch unterwegs". Sie sagt schnell "Auf Wiederseh'n" und biegt in die nächste Gasse ein.

Auf der ganzen Strecke zurück nach Altenplos fährt nur ein Lastwagen, der mit Lebensmitteln unterwegs ist. An der Tankstelle in Unterbrücklein stehen drei Männer, trinken ihren "coffee to go", den sie gerade gekauft haben und fahren dann von Berufs wegen weiter, sonst nichts los. Aber kurz vorher habe noch die Polizei kontrolliert, ob alles seine Berechtigung habe, erzählen sie.

Es fängt wieder leicht zu regnen an, zu Hause ist es dann auch schön. Wann kommen wieder mal bessere Zeiten, fragt man sich und schaut zum Himmel, als gäbe er Antwort.