Mit der Hand in der Vereinskasse hatte man einen Schatzmeister aus dem Landkreis Bamberg erwischt. Nun musste sich der 48-jährige Selbstständige wegen Untreue in 31 Fällen vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten. Er kam beim Schöffengericht mit 16 Monaten zur Bewährung davon. Auch weil er den Schaden von rund 107 000 Euro zu einem Großteil bereits wieder gutgemacht hatte.

Das mit der Selbstständigkeit hatte sich Hannes T. (Name geändert) vor 14 Jahren auch anders vorgestellt. Die sichere Stelle bei einer bekannten Bank kündigen und sein eigener Herr sein, das klang verführerisch. Doch die erhofften Erfolge bleiben erst einmal aus. Hannes T. kommt in finanzielle Schwierigkeiten. Wie gut, dass er Kassenwart eines großen schulischen Fördervereins ist. Auf dessen Konto liegen die Mittel, die der Unternehmer bräuchte. "Ich habe leider zugegriffen. Das war totaler Mist."

Summen umgelenkt

Also lenkt er zwischen 2013 und 2018 immer wieder Summen zwischen 250 Euro und 5000 Euro auf das eigene oder das Konto seiner nichtsahnenden Ehefrau. Sobald Hannes T. wieder Einnahmen hat, fließt das Geld zurück zum Förderverein. Allerdings stets weniger als zuvor veruntreut. "Es war der größte Fehler meines Lebens."

Wenn man einmal von dem versuchten Betrug und der Urkundenfälschung absieht, die Hannes T. vor vier Jahren begangen hatte. Um an einen Bankkredit zu kommen, hatte er eine manipulierte Gehaltsrechnung eingereicht. Die Folge war eine empfindliche Geldstrafe von 90 Tagessätzen, also drei Netto-Monatsgehältern.

Zugegeben: Für Hannes T. war es leicht, etwas abzuzweigen. Es gab weder ein Limit, das seine Handlungsfreiheit einschränkte, noch herrschte das Vier-Augen-Prinzip, wonach noch ein Zweiter die Transaktionen gegenzeichnen musste. Auch die alljährliche Kassenprüfung war wohl eher symbolischer Natur. Die Belege jedenfalls sahen sich die Revisoren nicht im Einzelnen an, wie Hannes T. erklärte. "Es war sehr einfach."

Aufgefallen war die Finanzlücke erst im Herbst 2019, als der Förderverein laufende Rechnungen nicht mehr zahlen und anstehende Projekte nicht mehr stemmen konnte. "Einige Mitglieder sprangen mit ihrem Privatvermögen ein," so ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Obwohl nach offizieller Kassenlage genügend Reserven hätten vorhanden sein müssen. Also kontrollierte der Vorsitzende höchstpersönlich die Bankunterlagen. "Ich war fast froh, dass es so war." Auch wenn nach fünf Jahren einige Fälle inzwischen verjährt sind, muss Hannes T. in zivilrechtlicher Sicht den kompletten, noch offenen Schaden von fast 27 000 Euro ersetzen.

"Mir ist wichtig, dass der Förderverein jeden Cent zurückbekommt", so der Vorsitzende Richter Michael Herbst. Dazu hat Hannes T. nun den Verkauf eines 40-Quadratmeter-Apartments im Wert von rund 120 000 Euro in die Wege geleitet. "Das war eigentlich als seine Altersvorsorge gedacht", so sein Verteidiger Andreas Dräger aus Strullendorf.

Noch "wahnsinniges Glück"

Mit den 16 Monaten Bewährungsstrafe übernahm das Schöffengericht den doch sehr milden Antrag des Staatsanwaltes Patrick Keller. Der bemängelte, dass der im Grunde gesunde Förderverein unter den Straftaten enorm gelitten hätte. Dabei hatte Hannes T. noch "wahnsinniges Glück", wie es Richter Herbst formulierte, dass er von Beginn an immer wieder Rückzahlungen getätigt hatte. "Sonst wären Sie hier nicht unter drei Jahren herausgekommen."

Damit Hannes T. den Gerichtssaal nicht ohne spürbare Folgen verließ, verhängte das Schöffengericht 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit für den Verein Lifeline Bamberg. "Ein bisschen fühlen müssen Sie Ihr Fehlverhalten schon."