"Ich streike weiterhin, weil in unserem Beruf die Wertschätzung insgesamt fehlt", meint eine Busfahrerin, die seit sechs Jahren das Lenkrad in der Hand hat.

Die Busfahrer seien dann unterwegs, wenn andere Menschen frei hätten. Dazu kämen auch noch die Fahrgäste, die ihren Frust an den Menschen hinterm Steuer ausließen. Aber nicht nur die Bedingungen und Arbeitszeiten seien ein Problem: "Die Bezahlung ist für das, was wir jeden Tag leisten, viel zu gering." Ein Kollege, der seit zwölf Jahren am Steuer sitzt, ergänzt: "Die Politik spricht immer von der Verkehrswende. Ohne mehr Geld und ohne höhere Attraktivität des Jobs wird das nicht funktionieren." Je später die Politik investiere, desto teurer werde es.

Es ist der mittlerweile dritte Warnstreik seit Beginn der bundesweiten Tarifkämpfe im Bereich des Nahverkehrs. An vielen Orten in Bayern - so auch in Bamberg und Coburg - stehen am Montag und Dienstag die Räder still. Die Gewerkschaft Verdi hat entsprechend mobilisiert, um vor der dritten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern den Druck zu erhöhen. Da die Corona-Ampel vielerorts auf Rot steht, fallen die Streikkundgebungen weg.

Die Beschäftigten in Bamberg kommen seit den frühen Morgenstunden verteilt zur Streikerfassung. Bayernweit sind geschätzt 1500 Kollegen im Ausstand.

Weniger Beschäftigte

Dass die Streiks weitergehen, hält Gewerkschafterin Tanja Goldgruber für notwendig: Während die Fahrgastzahlen um 24 Prozent in den vergangenen 20 Jahren anstiegen, sank die Anzahl der Beschäftigten um 18 Prozent. Auch wenn die Arbeitgeber momentan nur in Sachen Entgelt etwas entgegenkommen wollen, aber die Forderungen zur Arbeitszeitverkürzung auf 35 Wochenstunden noch nicht aufgreifen, findet die stellvertretende Geschäftsführerin in Oberfranken-West: "Man hat gesehen, dass wir im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes ein respektables Ergebnis erzielt haben."

Goldgruber ist zuversichtlich, dass sich die Arbeitgeberverbände auch bei den Forderungen beim Tarifvertrag Nahverkehr bewegen werden. Die Streikrunden zahlen sich auf jeden Fall aus: Gerade an diesem Montagmorgen seien weitere Kollegen Teil der Gewerkschaft geworden, um den Tarifkampf zu unterstützen.

Keine Stadtbusse

Bei den Stadtwerken Bamberg hat man beschlossen, an beiden Tagen den Betrieb der Stadtbusse komplett ruhen zu lassen. "Wir hoffen natürlich darauf, dass es zu einer zeitnahen Einigung kommt, damit wir bald wieder die gewohnte Zuverlässigkeit bieten können", erklärt Pressesprecher Jan Giersberg. Tausende Fahrgäste müssen somit an den beiden Tagen andere Wege zur Arbeit und zur Schule finden.

Wer sich mehr über die Forderungen des Streiks informieren möchte, welcher unter anderem von Fridays for Future und der Organisation Attac unterstützt wird, kann sich am heutigen Dienstag von 8 bis 11 Uhr am Infostand am Zentralen Omnibusbahnhof in Bamberg schlau machen.

Von Seiten der Gewerkschaft wolle man die dritte Verhandlungsrunde am 30. Oktober abwarten. Mit Blick auf weitere Streiks hält Gewerkschafterin Goldgruber fest: "Die Kolleginnen und Kollegen sind weiter hoch motiviert."