von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias EInwag

Ebensfeld — Seit vielen Jahren wird im Gemeinderat über den Bau einer Umgehungsstraße im Nordosten Ebensfelds beraten. Die Freien Wähler beantragten nun, diese Tangente vom Norma-Kreisel zur Prächtinger Straße zu führen. Das lehnte der Gemeinderat jedoch am Dienstag mit 13:6 Stimmen ab.
Im Sitzungssaal befanden sich Anwohner der Dientzenhofer- und Balthasar-Neumann-Straße, die empört waren über diese Pläne, denn durch den Bau einer verkehrsreichen Straße würden ihre Grundstücke entwertet.
In einem Brief an den Gemeinderat, den Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) vortrug, forderten sie, die Verkehrsströme nicht innerhalb der Ortschaft zu verschieben: "Man entlastet die einen und belastet die anderen." Im Brief schreiben die Anwohner, sie hätten die Grundstücke im guten Glauben gekauft, man befinde sich hier in einem allgemeinen Wohngebiet. Sie bezeichneten diese Pläne als Affront, denn bisher seien sie der Annahme gewesen, die Dientzenhoferstraße sei eine reine Erschließungsstraße.

Risiko durch einstige Mülldeponie

Seitens der Gemeindeverwaltung sprechen mehrere Gründe gegen den Antrag der FW/JW-Fraktion. Bürgermeister Storath nannte sie: Eine finanzielle Förderung dieser Spange sei vom Staatlichen Bauamt bereits ausgeschlossen worden. Die ehemalige Mülldeponie in der alten Kiesgrube berge unkalkulierbare Risiken. Die genaue Lage und Verfülltiefe seien nicht bekannt. Geologische Untersuchungen wären erforderlich. Würde das Areal beim Bau tangiert, könne das zu einem aufwändigen Bodenaustausch mit enormer Kostensteigerung führen.
Eine spürbare Entlastung der Prächtinger Straße und Entschärfung der Einmündung in die Hauptstraße werde nicht gesehen, weil nur die Rechtsabbieger in Richtung Bad Staffelstein betroffen wären, fuhr er fort. Problematischer an der Einmündung seien jedoch die Linksabbieger - und an dieser Situation ändere diese Umgehungsspange nichts. Durch den geradlinigen Verlauf der kleinen Umgehung sei zu befürchten, dass die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten von Autofahrern nicht eingehalten werden. Gerade in Neubaugebieten - das angrenzende Gebiet "Am Eidig" soll demnächst erschlossen werden -, in denen Familien mit kleinen Kindern leben, sehe man das problematisch.
Es gelte, eine Lösung zu finden, bei der keiner belastet werde, sagte Strorath. Peter Schmauser (CSU) fügte hinzu: "Eine Umgehungsstraße hat in einem Wohngebiet nichts verloren." Wichtig sei auch der Vertrauensschutz der Bürger. "Dass wir eine Umgehung brauchen, ist keine Frage - aber nicht durch ein Wohngebiet."
Heinrich Kunzelmann (FW) verteidigte die Gründe, die zum Antrag geführt hatten: Die Fläche unter der 110-kV-Leitung sei ideal für den Straßenbau, weil Häuser hier ohnehin nicht errichtet werden dürften. Die Mülldeponie wäre gar nicht betroffen, weil der Trassenverlauf westlich der Deponie verlaufen solle. Die Einmündung der Prächtinger Straße in die Hauptstraße werde sehr wohl um die Hälfte des Verkehrs entlastet. Bauliche Veränderungen könnten dafür sorgen, dass Autofahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschreiten. Das Neubaugebiet "Am Eidig" soll durch Stichstraßen und nicht durch die Tangente selbst erschlossen werden. Kunzelmanns Resümee: "Mittel- und langfristig müssen wir uns über eine Umgehung unterhalten; wir wissen, dass das derzeit finanziell nicht machbar ist."