Kulmbach —  Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Schüler einer Schule einer anderen Bildungseinrichtung Hilfestellung leistet. Tobias Traub hat es getan. Der frischgebackene Heizungs-, Sanitär- und Klimatechniker mit Schwerpunkt Kältetechnik hat im Rahmen seiner Projektarbeit an der staatlichen Fachschule für Bautechnik die Gefriertrocknungsanlage der staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik repariert.

"Die Gefriertrocknung ist eine schonende Möglichkeit, um Lebensmittel haltbar zu machen", erklärt der 25-Jährige. Der Kulmbacher, der bei der Firma Glen Dimplex den Beruf des Mechatronikers für Kältetechnik erlernt hatte, ist ein wissbegieriger Mensch, der sich gerne neue berufsspezifische Kenntnisse, wie die Gefriertrocknung, aneignet. Dafür drückt er noch einmal die Schulbank. Mit Disziplin und Fleiß meisterte er seine Weiterbildung zum Techniker, die er mit der hervorragenden Note von 1,19 abschloss. Dafür wurde ihm in der Dr.-Stammberger-Halle der Meisterpreis verliehen.

Wie empfand Traub die Umstellung von Beruf auf Schule? "Zunächst etwas ungewohnt. Nach Jahren des Herumtüftelns an defekten Wärmepumpen in der Retourenstelle von Glen Dimplex war plötzlich wieder Sitzfleisch gefragt." Ein altbewährtes Rezept aus seiner Real- und Berufsschulzeit erleichtert dem Kulmbacher das Lernen und beschert ihm gute Noten: "Vor den Schulaufgaben fasste ich den Stoff mit eigenen Worten auf das Wesentliche zusammen." Der frischgebackene Techniker kehrt in sein altes Unternehmen zurück. Bei Riedel Cooling, einer Marke der Glen Dimplex GmbH, wird er im internen Kundendienst arbeiten. Schwerpunkt des Tochterunternehmens ist die industrielle Kühlung von Geräten wie 3-D-Druckern, Lasern und Magnetresonanztomographen.

Insgesamt 20 Männer und Frauen wurden am Freitagnachmittag an der staatlichen Fachschule für Bautechnik verabschiedet: fünf im Bereich Kältetechnik, sieben auf dem Gebiet der Heizung-, Sanitär- und Klimatechnik sowie acht in der Fachrichtung Hochbau. Auch die staatliche Fachschule für Lebensmitteltechnik verabschiedete in der Dr.-Stammberger-Halle 35 Männer und Frauen. 19 von ihnen sind Lebensmittelverarbeitungstechniker, 16 Fleischtechniker. Die Schulbesten wurden mit Meisterpreisen geehrt. Neben Traub freuen sich zwei weitere Schüler aus dem Landkreis Kulmbach über diese Ehre. Sie hatten an der Staatlichen Fachschule für Lebensmitteltechnik die Fachrichtung Lebensmittelverarbeitungstechnik besucht. Schulbester mit dem Notendurchschnitt von 1,09 ist Hannes Suske, der vor ein paar Jahren an der Hans-Wilsdorf-Berufsschule den Rolex-Preis erhalten hatte. Den exzellenten Notendurchschnitt von 1,24 erzielte Christoph Mahr. 12 Schüler der zwei Fachschulen haben an der Ergänzungsprüfung zum Erwerb der Fachhochschulreife teilgenommen und das Fachabitur erworben. "Tragen Sie Ihren Titel Techniker mit Stolz und Würde. Mit ihrer Ausbildung und Berufserfahrung können Sie mit einer akademischen Ausbildung ohne Probleme konkurrieren", so Schulleiter Alexander Battistella.

Landrat Klaus Peter Söllner ist um die Zukunft der Absolventen nicht bange: "Mit ihrer hervorragenden Qualifikation werden sie vom Arbeitsmarkt förmlich aufgesogen." Oberbürgermeister Ingo Lehmann würdigt den Technikerabschluss als einen wichtigen Mosaikstein im Berufsleben der Absolventen. Auf eine abwechslungsreiche und in Corona-Zeiten nicht immer leichte Schulzeit blickten Philipp Mahr (Bautechnik), Alexander Schmitt (Versorgungstechnik) und Christian Jüttermann (Lebensmitteltechnik) zurück.

Feierlich verabschiedet wurde der langjährige Vorsitzende vom Förderverein der Fachschule für Fleischereitechnik, Fredi Schwägele aus Kulmbach. Bojana Blohmann (Piano und Gesang) und Sängerin Vera Schamberger (Gesang) begeisterten mit ihrer leidenschaftlichen Interpretation deutscher Popklassiker.