Die CO 2 -Einsparungsuhr in den Räumen der Kulmbacher Firma Glen Dimplex tickt für einen guten Zweck. "Durch die Produktion und den weltweiten Einsatz von Wärmepumpen werden alle drei Sekunden ungefähr zehn Kilo Kohlendioxid eingespart", erklärt Luca Grasi. Bei dem Unternehmen, das Wärmepumpen, Lüftungssysteme und Anlagen zur Warmwasserbereitung herstellt, hat der Kulmbacher den Beruf des Mechatronikers für Kältetechnik erlernt. An seiner Hand tickt seit gestern eine ganz edle Uhr, die dem 19-Jährigen anzeigt, was für ein heller Kopf er ist.

An der Hans-Wilsdorf-Berufsschule erzielte er die Traumnote 1,0 und wurde dafür mit dem Rolex-Preis geehrt. Darauf angesprochen, ob er mit seinem Beruf einen Beitrag zu mehr Klimaschutz leiste, muss Grasi nicht lange überlegen: "Selbstverständlich. Wärmepumpen wandeln Umgebungswärme aus Erdreich, Grundwasser und Luft in Heizenergie um. Werden sie mit grünem Strom aus Photovoltaikanlagen betrieben, dann sind sie zu 100 Prozent umweltfreundlich."

Am Caspar-Vischer-Gymnasium hätte Grasi die Reifeprüfung ablegen können. Doch der junge Mann begann nach der zehnten Klasse eine Lehre bei der Firma Glen Dimplex. Er habe seinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen und einen Beruf erlernen wollen, bei der technisches Wissen und handwerkliches Arbeiten gefragt seien, so der 19-Jährige. Grasi hat erkannt, dass "das Abitur auf dem Weg ins Berufsleben nicht alles" ist. Auch nach einer Lehre stünden einem alle beruflichen Türen offen. "Man kann sich zum Meister oder Techniker weiterbilden oder über den zweiten Bildungsweg eine akademische Laufbahn einschlagen", zählt er die Weiterbildungsmöglichkeiten auf. An seinem Beruf schätzt der Rolex-Preisträger die Vielfalt, die der rasch voranschreitende technische Wandel mit sich bringe. Die Knöpfe zum Bedienen der Pumpen seien digitalen Displays gewichen und sogar von seinem Smartphone aus könne man heute ganz bequem per App die Anlage steuern. "Man sitzt im Auto, aktiviert das Programm auf dem Handy und wenn man die Türe aufschließt, erwartet einen ein wohlig warmes Zuhause", erklärt der Fachmann.

Bei seinem Ausbildungsunternehmen darf er Schritt für Schritt an der Produktion von Wärmepumpen mitarbeiten. Doch das eigentliche Highlight ist für ihn das Ausbildungszentrum, in dem er eine Vielzahl von Grundfertigkeiten erlernt. Nach drei Jahren sind das Löten, der Umgang mit Kältemitteln und die fachgerechte Montage für ihn keine böhmischen Dörfer mehr. Auch das gute Betriebsklima ist für den frischgebackenen Mechatronikergesellen eine weitere Schokoladenseite bei Glen Dimplex. Die allergrößte war für ihn jedoch eine Person: Ausbildungsleiter Helmut Lauterbach. Er habe es super verstanden, berufliche Inhalte auf einfache Art und Weise zu vermitteln.

Spannend und vielseitig

Wie wird man zum Einser-Schüler? Auf diese Frage hat der Rolex-Preisträger eine überraschende Antwort parat: "Indem man anderen Leuten das erlernte Wissen und Können näherbringt." Davon wissen die Besucher der letztjährigen Ausbildungsmesse und Praktikanten ein Lied zu singen. Grasi zeigte ersteren, wie man richtig schweißt, und gewährte letzteren einen Einblick in seinen spannenden und vielseitigen Job.

Am 1. August schlägt der Kulmbacher ein neues Kapitel in seinem noch jungen Berufsleben auf: Im Service-Büro wird er Kundenprobleme lösen.

Luca Grasi ist der 39. Rolex-Preisträger an der Bildungseinrichtung und der erste in diesem Lehrberuf. Vertriebsleiter Joachim Mernyak von Rolex Deutschland gratulierte ihm gestern bei der Abschlussfeier zu seinem hervorragenden Abschluss. Zugleich schenkte er ihm eine Uhr der weltberühmten Nobelmarke. Mernjak zeichnete in seiner Laudatio das Bild eines Schülers, der nicht nur mit hervorragenden schulischen Leistungen geglänzt, sondern auch mit Empathie und Teamfähigkeit den Klassenzusammenhalt gefördert habe.

Insgesamt wurden 565 Schüler verabschiedet. Grasi war nicht der einzige, der mit der Traumnote 1,0 glänzte. Neben ihm gelang sieben weiteren Schülern das Kunststück. Bei der Entscheidung, wer den Rolex-Preis erhält, zählt nicht nur der Notendurchschnitt, es werden auch Alter, Kammerergebnis, Vorbildung und soziales Engagement berücksichtigt. 115 Schüler haben nicht nur ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, sondern auch den Abschluss der Mittleren Reife erworben.

MdB Emmi Zeulner (CSU) zeigte an ihrem eigenen Lebensweg auf, dass das Abitur nicht das Maß aller Dinge sei. "Auch mit einer dualen Ausbildung werdet ihr mit Kusshand genommen."

Schulleiter Alexander Battistella ermunterte die Absolventen, sich auf einen Bereich zu fokussieren, für den sie sich begeisterten. "Der Arbeitsmarkt, der junge, qualifizierte Kräfte wie Sie braucht, wird Sie gierig aufnehmen", erklärte Landrat Klaus Peter Söllner. "Nehmt eure Mitmenschen in den Blick und haltet im Umgang mit ihnen eure Sinne wach", meinte Religionspädagoge Peter Wilm.

Obermeister Hans Schwender von der Innung Spengler, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Kulmbach und Florian Schneider, geschäftsführender Gesellschafter des Kulmbacher Unternehmens ASK, überreichten Schulleiter Alexander Battistella 6500 Euro - das Restvermögen des aufgelösten Vereins "Technische Akademie für Klima- und Energietechnik".

Karsten Friedrich (Gesang und Piano) und Peter Groß (Saxophon und Klarinette) von der Gruppe "Barfly" sangen und spielten zu Ehren der jungen Leute "It's a lucky day".