Finden die Sitzungen des Gemeinderats künftig nicht mehr im Obergeschoss des Rathauses statt, sondern im ebenerdigen Bürgersaal bei der Schule? Eine Initiative von Tobias Eichner und seiner gehbehinderten Mutter Gerda Eichner könnte das bald möglich machen. Die beiden sammelten für ihren Wunsch insgesamt 53 Unterschriften und überreichten diese dem Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD).
Gerda Eichner hat ein schweres Schicksal. Sie erkrankte im Alter von zwölf Jahren an Kinderlähmung. Deshalb hat sie Probleme beim Gehen. Schon immer. Trotzdem war sie berufstätig, arbeitete in einer Bank. "Mit dem zunehmenden Alter ist die Situation nicht besser geworden. Zu Hause kann ich mich mit zwei Krücken fortbewegen, aber draußen geht das gar nicht mehr", sagt Gerda Eichner. Selbst kleine Schwellen machen ihr Probleme und sind für sie inzwischen unüberwindbar. Gerda Eichner ist inzwischen auf den Rollstuhl angewiesen. Tobias Eichner kämpft nun dafür, dass seine Mutter und natürlich alle gehbehinderten Menschen sowie ältere Menschen mit Rollator oder anderen Hilfsmitteln die Möglichkeit haben, trotz ihrer Behinderung an Gemeinderatssitzungen teilzunehmen. Doch die finden in Untersteinach im Obergeschoss statt.
Für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, quasi in einem unerreichbaren Raum.
Tobias Eichner machte sich in der Vergangenheit bereits für den barrierefreien Umbau des Untersteinacher Rathaus stark. Doch Hausherr ist die Verwaltungsgemeinschaft - und die hat den Antrag erst einmal abgelehnt.


Gemeindesaal ist barrierefrei

Jetzt startete Eichner, mit Unterstützung der WGU Untersteinach, eine neuerliche Initiative. Eichner sammelte 53 Unterschriften. Der Grund: Ab sofort sollen die Gemeinderatssitzungen nicht mehr im Obergeschoss des Rathauses stattfinden - sondern stattdessen im Bürgersaal bei der Schule. Denn der Gemeindesaal sei barrierefrei, so Eichner. Generell hält er die bisherige Barrierefreiheit des Rathauses für unzureichend - trotz Behindertenrampe und obwohl das Untergeschoss zugänglich ist. Die Gemeinde hatte das Angebot gemacht, bei Bedarf die Kosten für einen Hilfs- und Fahrdienst zu übernehmen. Doch dieser, erklärt Eichner, stehe nicht zu den Zeiten, zu denen der Gemeinderat tagt, zur Verfügung, sondern auf Nachfrage nur bis 17.30 Uhr "Ich würde mich aber nicht die Treppe rauftragen lassen. Das ist nicht gut", sagte Gerda Eichner.
Bürgermeister Volker Schmiechen nahm den Antrag entgegen und betonte, dass er sich über den persönlichen Kontakt freue. "Es ist gut, wenn man miteinander spricht. So können wir zusammenarbeiten", sagte Schmiechen. Jetzt werden die Unterschriften überprüft, in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen kommt der Antrag dann auf die Tagesordnung, erläuterte der Bürgermeister. Formell dürfte der Antrag keine Probleme bereiten. Denn die 53 Unterschriften entsprechen der dreifachen Menge, die nötig gewesen wäre, um einen formellen Antrag einzureichen.