FriederikeStark

Es ist noch ein junger Aktionstag, der Welt-Down-Syndrom-Tag. 2016 findet dieser jährliche Tag zum elften Mal am symbolträchtigen Datum, dem 21. März, statt. Der März als dritter Monat im Jahr symbolisiert gemeinsam mit der Zahl 21 das charakteristische Merkmal des Down-Syndroms, nämlich das dreifach vorhandene 21. Chromosom.
Seit 2011 ist der Welt-Down-Syndrom-Tag auch offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt. Ziel des Aktionstages ist es, das öffentliche Bewusstsein für die Thematik Down-Syndrom zu steigern. Es soll gezeigt werden, was es bedeutet, mit Down-Syndrom zu leben und welche aktive Rolle Menschen mit Trisomie 21 in unserer Gesellschaft spielen.


Besuch bei Sven Rink

So wie Sven Rink. Der 40-Jährige hat sich extra schick gemacht für den Besuch von der Zeitung. Sakko, Weste und Krawatte, zur Begrüßung gibt es sogar einen Handkuss.
Sven Rink arbeitet in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe in Augsfeld. Und er hat dieses Jahr etwas zu feiern. "Sven, feierst du nicht dieses Jahr Jubiläum?", fragt Heike Vöge vom Fachdienst der Werkstatt Haßfurt-Augsfeld. "Ja", sagt Rink stolz und erzählt, wie gerne er hier arbeitet. "Als Schlosser. Ich mag das Stanzen und Bohren", sagt Rink und fügt grinsend hinzu: "Und der Gruppenleiter ist auch nett."


Werkstatt liefert an lokale Firmen

Vor 20 Jahren hat Sven Rink in der Werkstatt begonnen. "Bevor sich jemand für einen Bereich entscheidet, durchläuft er zu Beginn den so genannten Berufsbildungsbereich", erklärt Vöge. Innerhalb von etwas über zwei Jahren lernen die neuen Mitarbeiter die verschiedenen Arbeitsbereiche kennen, die aufgeteilt auf 17 Arbeitsgruppen angeboten werden.
So schnuppern die Werkstattmitarbeiter zum Beispiel bei den Gärtnern, Schreinern oder Schlossern rein und könne sich dann für einen Arbeitsbereich entscheiden.
"Ich mache die Rückenlehnen von Bürostühlen", erklärt Rink und steht an seiner Maschine - ausnahmsweise mal mit Krawatte.


Gute Stimmung bei der Arbeit

In der Werkstatt herrscht gute Stimmung, die Kollegen beobachten, wie Sven fotografiert wird, und machen Scherze. Rink posiert und erklärt, was er macht. "Ich stanze die Löcher vor", sagt er. Dann werden die Metallspäne noch weggeblasen, und Rink zeigt das fertige Produkt. "Die kommen dann zur Firma Sitzwerk", erklärt Rink und zeigt einen fertigen Stuhl als Beispiel.


Frauen, Fußball und Musik

Sven Rink ist zufrieden mit seiner Arbeit. Doch er hat noch ganz andere Interessen. "Frauen finde ich klasse", sagt er und lacht verschmitzt. Dann jagt ein Kompliment das andere. Sven geht auf die Menschen zu, redet gleich los und bietet bei der Besichtigungstour der Werkstatt seinen Arm zum Einhaken an. Er scheut auch nicht vor der Bühne zurück. "An Fasching mache ich immer Michael Jackson", sagt er. Dann nämlich tanze er auf der Bühne für alle.
Rink lebt in Sylbach im Wohnheim. Dort wohnen in mehreren Gruppen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zusammen und werden betreut.


Betreuung in der Freizeit

Nach der Arbeit und am Wochenende unternehmen die Bewohner gemeinsam mit ihren Betreuern verschiedene Ausflüge, zum Beispiel ins Schwimmbad oder in die Diskothek. Oder es wird Fußball geguckt - für den 40-jährigen FC-Bayern-München-Fan Rink eine der liebsten Beschäftigungen. Da kommt er glatt ins Träumen. "Manager vom FC Bayern will ich werden."
Rink lebt ein glückliches Leben, mit Hobbys, Freunden und einer Arbeit, die er gerne macht. Er lacht viel, hat Spaß an schicken Klamotten und ist ein Charmeur. Dank der guten Betreuung, die Sven von Anfang an bei der Lebenshilfe erhalten hat, werden seine Interessen gefördert, und er kann das Leben führen, das ihn glücklich macht.


Medizinischer Fortschritt

Im Durchschnitt kommen jährlich etwa acht Menschen mit Down-Syndrom als neue Mitarbeiter in die Werkstatt nach Augsfeld. Heike Vöge arbeitet seit 25 Jahren in ihrem Beruf. Fragt man sie danach, was sich verändert hat, lautet ihre Antwort: "Es gibt immer weniger. In manchen Jahrgängen habe wir keinen mit Down-Syndrom." Die Frage nach dem Grund dafür schwebt im Raum. Der medizinische Fortschritt? "Ja", antwortet Vöge knapp. Und sagt nach einer Pause: "Leider."