Marion Krüger-Hundrup Da gab es einmal eine Generation Stadträte in Bamberg, die sozusagen mit Winnetou und Old Shatterhand die Friedenspfeife rauchten. Und die wollten, dass Indianer einen bleibenden Wigwam im Hain finden. Das heißt: nicht unbedingt Apachen, Sioux und Co., sondern dessen deutscher Wiederentdecker Karl May. Denn der wortreiche Schöpfer von edlen Häuptlingen und finsteren Schurken war und ist mit Bamberg eng verbandelt durch den Verlag, der die Abenteuer im Wilden Westen und Orient als vielgelesene Buchreihe herausgibt.

"Der Stadtrat hatte den Hainpark als Standort für ein neues Karl-May-Museum schon genehmigt", erklärt Bernhard Schmid, Geschäftsführer des Karl-May-Verlages. Es habe in den 1960er-Jahren konkrete Baupläne für einen 1700 Quadratmeter großen Komplex gegeben, zwei Mini-Holzmodelle, Ideen für eine zugehörige Gaststätte, Ponyreiten für Kinder und vieles mehr. Doch all die schönen Planungen landeten am Totempfahl: "Die drei Verlegerbrüder konnten sich nicht einigen", bedauert Schmid noch heute.

Die in jenen Jahren angehäuften Unterlagen übergab der Verlagschef nun an das Stadtarchiv. Hausherr Horst Gehringer nahm die zehn Leitzordner, die gerollten Baupläne, Modelle in Empfang: "auf der Basis eines Vertrages", wie er sagte. Für die Bamberger Geschichte sei das Material "wichtig". Und "für jeden, der sich für den Hain und für Karl May interessiert", ergänzt Gehringer.

Die Sahnehäubchen

Sahnehäubchen beziehungsweise Schmuckfedern sind drei weitere Ordner mit Zeitungsausschnitten, Fotos von "Nicki", dem fast zwei Meter großen Silkirtis Nichols, Sohn einer Cherokee-Mutter und eines Choctaw-Vaters. Zwischen 1942 und 1963 hatte "Nicki", wie ihn alle nannten, in der US-Army gedient und war nach Deutschland gekommen. Er agierte als Schauspieler wie etwa seit 1965 bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.

Und "Nicki" verwaltete das bereits existierende Karl-May-Museum in der Bamberger Hainstraße 37: zwei Karl-May-Gedenkräume mit Beständen aus dem Ursprungsmuseum im sächsischen Radebeul, das 1959/60 nach Bamberg umzog. Der echte Indianer "Nicki" war dabei, als sich die Stadträte in den Gedenkräumen umschauten, um sich von der Notwendigkeit eines richtigen Museums für den Karl-May-Nachlass zu überzeugen.

Jung gebliebene Bamberger erinnern sich noch gut daran, dass das Karl-May-Museum in der Hainstraße 11 seinen letzten Standort fand, bevor es 1994 endgültig geschlossen wurde. Das Inventar kehrte nach Radebeul zurück: der Originalschreibtisch des Dichters mit dem arabischen Schreibutensil aus Messing, ägyptische Vorhänge mit Koransprüchen, eine riesige Bibliothek mit indianischen und orientalischen Wörterbüchern, Bärenfell, Mokka-Service und mehr.

In Datenbank erfassen

So exotisch geht es im Stadtarchiv jetzt nicht zu: Die von Bernhard Schmid überlassenen Archivalien werden erst einmal aus den Ordnern entnommen, verzeichnet und in säurefreie Umschläge verpackt, die gerollten Pläne plan gelegt und fotografiert, alles in der Datenbank erfasst. "Wir versuchen, es zeitnah zu erledigen, damit alles den Benutzern zur Verfügung steht", versichert Archivdirektor Horst Gehringer. Er gehe davon aus, dass es für diese spezielle Stadtgeschichte ein wissenschaftliches, publizistisches, heimatkundliches oder schulisches Interesse gibt.

Und Bernhard Schmid ist froh, dass das Verlagsarchiv entlastet ist: "Wir brauchen Platz!" Und dass Karl May zumindest im Stadtarchiv, im "Gedächtnis der Stadt Bamberg", eine feste Bleibe gefunden hat.