Tobias Kindermann

Ein Arzt zieht mit seiner Praxis 14 Kilometer weiter - ist das ein Thema für die Politik? Es ist nicht irgendein Arzt, es ist nicht irgendeine Stadt - und ja, es ist ein Thema für die Politik, sagt Andreas Hügerich.
Der Lichtenfelser Bürgermeister (SPD) hat sich schon am 18. Mai an den Bezirk gewendet, um mit Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) über die Zukunft des medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) am Bahnhof zu sprechen. Kurz davor - in der Kreistagssitzung am 24. April, war bekannt geworden, dass der Bezirk darüber nachdenkt, es in seine Klinik nach Kutzenberg zu verlegen. Bis heute hat er keine Antwort erhalten - und musste nun aus der Presse erfahren, was der Bezirk beschlossen hat:
In der Praxis, in der Dr. Hanno Thiele und Dr. Gernot Habich als Fachärzte für innere Medizin und Lungenkrankheiten arbeiten, werden Patienten ambulant behandelt. Träger der Einrichtung ist der Bezirk, es handelt sich um eine Außenstelle des MVZ des Bezirks in Bad Staffelstein mit den Fachrichtungen Orthopädie und Rheumatologie. Nachdem der Bezirk im Klinikum Kutzenberg Ende des Jahres seine Orthopädie schließt, will er sich von der Einrichtung in Bad Staffelstein trennen, die Rheumatologie soll zunächst nach Lichtenfels ziehen, etwa Mitte 2018 beide ambulanten Dienste nach Kutzenberg, wo neue Räume eingerichtet werden.
Hügerich macht aus seinem Ärger keinen Hehl. Als der Bezirkstagspräsident im Juni im Kreistag zu Gast war, wollte er ihn nicht öffentlich angreifen wegen seines Schweigens - auch um die Diskussion um eine Lösung nicht zu erschweren. Denn für Hügerich ist es nicht nur eine Praxis. Rund 1300 bis 1500 Patienten monatlich kämen hierher, die alle von der günstigen Lage am Bahnhof mit Busanbindung und Parkplätzen vor der Tür profitierten - und von dem Angebot der Stadt, angefangen von Apotheken bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten. Das könne der Bezirk in Kutzenberg nicht bieten - und Argumente wie eine einfachere Anbindung ans Labor oder die Röntgenabteilung würden diese Vorteile nicht aufwiegen. Denn Kutzenberg sei vor allem für ältere Patienten, die kein Auto mehr fahren, schlecht zu erreichen. Und als ein politischer Träger habe der Bezirk sehr wohl auch Belange des Allgemeinwohls zu berücksichtigen. Das Schreiben ging in Kopie an Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in Bamberg. Auch sie hat sich in der Angelegenheit nicht geäußert.
Vor wenigen Tagen erhielt Hügerich nun aber doch Post: Es ist eine Einladung des Vereins "Oberfranken Offensiv". Vorsitzende: Melanie Huml; stellvertretender Vorsitzender: Günther Denzler. Es geht um eine Diskussionsrunde: Warum ist Oberfranken für Hausärzte eine interessante Region? Hügerich hat abgesagt. Warum solle er mit Leuten reden, die vor Ort anders handeln als sie reden.