Eine gesundheitliche Einschränkung schützt nicht vor Strafe, wenn der Betroffene schuldfähig ist. Dies beinhaltet, dass der Betroffene - wenn auch mit Abstrichen - als einsichts- und steuerungsfähig gilt. Weil er aus Wut mit seinem Fuß gegen die hölzerne Balustrade einer Kirche im Haßgau getreten und damit einen Sachschaden von etwa 50 Euro verursacht hatte, stand ein 22-jähriger Epileptiker vor dem Gericht in Haßfurt.
Das Verfahren wurde zwar eingestellt, als Auflage aber muss der Mann bis Ende April einen "Fuffi", also die angerichtete Schadenssumme, aus seinem Taschengeld an die dortige Kirchengemeinde zahlen.


Emotionaler Ausbruch

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 12. Juni letzten Jahres an der besagten Dorfkirche. Der Angeklagte war damals zusammen mit seiner Freundin unterwegs. Aus Gründen, an die sich der kräftige und großgewachsene Mann heute nicht mehr erinnern kann, geriet er mit seiner Liebsten in Streit. Er drehte durch und trat mit voller Wucht gegen das Geländer.
Für die Staatsanwaltschaft verlas Ilker Özalp in seiner Anklageschrift eine zweite Sache vom Februar 2015, die gleich mitverhandelt wurde. Über den telefonischen Nachrichtendienst WhatsApp hatte der 22-Jährige ein Mädchen mit beleidigenden Ausdrücken beschimpft. Das Motiv für die Ausfälligkeiten bestand darin, dass sie "einen anderen" hatte, beantwortete der Angeklagte bei dem Prozess in Haßfurt die Nachfrage der Strafrichterin Ilona Conver.
Persönlichkeit und Charakter des Angeschuldigten kamen zur Sprache. Als Fazit könnte man frei nach Goethe sagen: Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Einerseits ist er ein lieber und herzensguter Kerl, der keiner Fliege etwas zuleid tun kann, aber andererseits, beklagte ein Betreuer des Beschuldigten, "haut es ihm manchmal den Vogel raus, und da kennt er keine Grenzen mehr." Trotz der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten kriegt das Personal des Heims, in dem der Angeklagte lebt, diese emotional bedingten Ausraster nicht hundertprozentig unter Kontrolle.


Verantwortlich für seine Taten

Solange nicht per Gutachten die eingeschränkte oder vollständige Schuldunfähigkeit feststeht, ist und bleibt der Mann strafrechtlich voll verantwortlich. Vor der Einstellung des Strafverfahrens schärfte Özalp als Ankläger dem Beschuldigten ein, dass er sich zukünftig unbedingt am Riemen reißen müsse. Da er bereits zwei Vorstrafen hat, komme er irgendwann zwangsläufig ins Gefängnis, wenn er so weitermache wie bisher. Auf die Ausführungen der beiden Betreuer eingehend, warnte er den 22-Jährigen, sich im Zorn gehen zu lassen und die anderen Mitbewohner zu triezen und zu schikanieren.
"Im Knast, machen Sie sich das klar, da werden Sie getriezt!", mahnte Özalp.