Natürlich beginnt dieses neue Schuljahr 2020/21 nicht wie alle bisherigen. Die Schüler und Jugendlichen haben zwar schon Erfahrungen in den letzten Monaten gesammelt. Aber die Pandemie ist noch nicht vorüber, und einige Dinge sind auf jeden Fall anders. In den vergangenen Schulwochen war zum größten Teil nur immer die Hälfte der Schüler im Unterricht und in der Klasse, und da konnte man die Abstandsregeln weitgehend einhalten. Auch im Schulbus herrschte eine "ungewohnte Leere", denn auch hier war nur die Hälfte der Schüler auf dem Weg zur Schule; jeder hatte ganz sicher seinen Sitzplatz, weil ja die andere Hälfte zu Hause im "Homeoffice" war.

Wieder mehr Schüler in Bussen

Mit Schulbeginn wird es im Schulbus oder auch im Klassenzimmer halbwegs normal zugehen. Die Schulen starten in voller Klassenstärke. Das stellt sowohl Schulleiter und Lehrer als auch die Busfahrer vor neue Herausforderungen.

Für die Einhaltung der Hygienevorschriften in der Schule sind die Sachaufwandsträger, Schulleiter und Lehrer in der Verantwortung, und auch der Staat ist hinsichtlich der Personal- oder Digitalausstattung gefordert. Dazu kommt, dass die Maske nicht nur auf dem Weg in den Gängen oder zur Toilette getragen werden muss, sondern für Schüler ab der 5. Klasse vom 8. bis 18. September auch im Unterricht. Dies alles wird nicht einfach sein.

Noch schwieriger scheint es allerdings mit der Schülerbeförderung zu sein. Diese ist eine kommunale Pflichtaufgabe, und die Organisation des Schülerverkehrs erfolgt vor Ort unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten mit Aufgabenträgern und den Schulen. Aufgabenträger sind gewöhnlich die Gemeinden, die Schulverbände oder auch der Landkreis.

Mindestabstand im Bus unmöglich

"Für die Beförderung von Schülern in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, unter anderem da dort der in der Öffentlichkeit einzuhaltende Mindestabstand von 1,5 Metern regelhaft nicht gewährleistet werden kann", heißt es in einem Schreiben des bayerischen Kultusministeriums. Da es wie im ÖPNV auch bei den Schulbussen trotz Ausschöpfung der Kapazitäten nicht möglich sein werde, die Einhaltung der Abstandsflächen zu garantieren, werde es aus fachlicher Sicht des Infektionsschutzes für zulässig erachtet, im freigestellten Schülerverkehr bei bestehender Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes von der zwingenden Einhaltung der Abstandsregelung abzusehen. Das Ministerium verzichtet hier bewusst auf generelle Vorgaben, da für adäquate Lösungen die Gegebenheiten vor Ort entscheidend seien und Schulen wie Aufgabenträger über die erforderliche Flexibilität verfügen sollten.

Der Druck aus der Elternschaft hat aber in den letzten Tagen anscheinend die bayerische Staatsregierung erreicht. "Wir bieten als Freistaat an, mehr Schulbusse und mehr Schultransportmittel auf den Weg zu bringen", versprach Ministerpräsident Markus Söder hierzu. Alle Kosten, die coronabedingt zusätzlich anfallen, wolle der Freistaat bis auf weiteres komplett übernehmen.

Vor neuen Herausforderungen

Wie stellt sich die Situation im Landkreis Haßberge dar? Die Busunternehmen stellten übereinstimmend den Schülern ein sehr positives Zeugnis aus, was die Einhaltung der Maskenpflicht angeht: Hier habe es keinerlei Probleme gegeben, und ebenso zeigten sich alle bemüht, die übrigen Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen umzusetzen.

Omnibusunternehmer Holger Bengel aus Wonfurt hat im Schülerverkehr sechs Busse im Einsatz und sagt dazu: "Die Corona-Pandemie stellt alle Verantwortlichen vor neue Herausforderungen, und eine Abstandsregelung in den Bussen ist auf der bisherigen Grundlage natürlich nicht einzuhalten. Man kann ja nicht die doppelte Anzahl von Bussen fahren lassen."

Probleme in den Bussen könne es schon geben, wenn für alle Schüler früh gleichzeitig der Unterricht beginnt oder - wie in der ersten Woche - kein Nachmittagsunterricht stattfindet und alle Schüler zur gleichen Zeit nach Hause zu fahren sind. "Wir müssten hierzu ja zusätzliche Busse einsetzen, die wir nicht haben, und erst recht nicht die Fahrer", erklärt Bengel. Unterschiedlicher Unterrichtsbeginn und gestaffeltes Unterrichtsende könnten hier zu einer Entzerrung beitragen. Die übrigen Hygieneregelungen setze man um, wobei ein Fahrer aber auch nicht alles kontrollieren könne.

Noch keine Erfahrungswerte

Wagenhäuser-Reisen aus Hofheim hat zwölf Busse im Einsatz und Geschäftsleiterin Eva-Maria Wagenhäuser-Müller weist darauf hin, dass man mit dem neuen Schuljahr ja noch gar nicht genau wisse, wie viele Schüler auf jeder Linie fahren und ob es zusätzliche Probleme geben wird: "Es wird deswegen bestimmt zwei bis drei Wochen dauern, bis wir von genaueren Zahlen ausgehen können. Wir müssen deswegen jeden Tag die Schülerzahlen auf den Linien melden und in enger Abstimmung mit dem Landratsamt und dem (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) VGN das weitere Vorgehen besprechen."

Zwar würden Kinder in verschiedenen Orten weniger, aber in Neubaugebieten sei es umgekehrt. Zu Problemen könnten nach Wagenhäuser-Müllers Meinung höchstens die Spitzen- und Stoßzeiten vor Schulbeginn oder bei Schulschluss führen.

Engpässe in der Frühe

Einen Großteil des Schülerverkehrs im nordöstlichen Bereich des Landkreises wickelt das Omnibusunternehmen Hümmer aus Kirchlauter ab, das hier Linien von Eltmann bis Ermershausen mit 18 Bussen bedient. Wie Bernhard Hümmer ausführte, habe es bisher keine Probleme mit der Kapazität der Busse gegeben. In der Frühe könne es schon zu Engpässen kommen, aber mittags seien die Busse nicht so stark besetzt. Allerdings müsse man hier auch wissen, dass ein Linienbus Sitz- und Stehplätze hat und bei den neuen Niederflurbussen sich die Zahl der Sitzplätze durch den Einstieg und die Bereithaltung von Plätzen für Rollstühle oder Kinderwagen aufgrund der Barrierefreiheit um einen erheblichen Teil verringert und nur noch 40 vorhanden sind.

Was die Hygiene betrifft, säubere man die Busse regelmäßig mit Desinfektionsmitteln. Hierzu habe er das "Putzteam" erweitern müssen, sagte Hümmer. Die Busse selbst habe man mit speziellen Filtern ausgestattet und setze sogar abwechselnd Ozongeräte ein. Auch für die Fahrer sei ein Schutz vorhanden, wobei es hier auch bei der Ausstattung der Vielzahl von Bussen zu Liefer-Schwierigkeiten komme.

Noch viele Fragen offen

Da noch viele Fragen hinsichtlich der Abstandsregelungen, Erreichung der Buskapazitäten und Einsetzung von "Verstärkern" für die Omnibusunternehmen nicht ausreichend geklärt waren, kam es in den letzten Tagen noch zu einer Besprechung im Landratsamt Haßberge. Susanne Lutz, Leiterin des Sachgebietes ÖPNV/Schülerbeförderung, stellte dabei fest, dass insgesamt 150 Busse auf 42 Linien den Schülerverkehr zu den Schulen bedienten. Der Landkreis sei ja für die weiterführenden Schulen (Realschulen, Gymnasien, Berufs- und Fachschulen) als Sachaufwandsträger zuständig, und schon allein in diesem Bereich müssten rund 2450 Schüler befördert werden. Dazu kämen noch die Schüler der Grund- und Mittelschulen, für die die Gemeinden oder Schulverbände zuständig seien und deren Beförderung meist über den VGN abgewickelt werde. Sie führen aber zum großen Teil in den gleichen Linien.

Bei Bedarf einen "Verstärker"

Auch Susanne Lutz betonte, dass die Zahlen der Schüler auf den einzelnen Linien meist erst zu Beginn des Oktobers aussagekräftig seien, weil zahlreiche Fünftklässler in den ersten Wochen privat zur Schule gefahren würden und dann erst der Stundenplan eingespielt sei.

Lutz: "Wir bleiben hier in engem Austausch mit den Verkehrsunternehmen, um bei Bedarf reagieren zu können. Über Listen müssen sie täglich ein Monitoring abgeben und mitteilen, wo es vielleicht zu einem Engpass kommt und ein Verstärker-Bus vorgehalten werden sollte."

Bei der Platzkapazität der Busse müsse man unterscheiden, dass es neben Sitz- auch Stehplätze gebe und eine Überfüllung durch Bürger anders wahrgenommen werde, als sie sich rechtlich darstellt. Zur Vorsorge habe man aber bei den Busunternehmen abgefragt, ob im Bedarfsfall noch Busse zur Verfügung stünden. Dies sei der Fall. Anders verhalte es sich jedoch mit den Fahrern. Wo es extrem wird, müsse man reagieren. Als mögliches Beispiel nannte sie "lange Linien" wie die aus dem Steigerwald zum Gymnasium nach Haßfurt, wo sich die Situation bei der letzten Einstiegsstelle in Knetzgau ganz anders darstelle und man deswegen, falls erforderlich, auf der letzten Fahrstrecke eine Verstärkung oder zeitlich versetzt einen Bus einsetzen werde.