Beim Festakt zum Abschluss der Generalsanierung des Ehrenbürg-Gymnasiums hat Regionaldekan Martin Emge den gesellschaftlichen Auftrag der Schüler in die Begriffe "Salz der Erde" und "Licht für die Welt" gepackt. Der Auftrag bedeute zuallererst, über den Tellerrand des Schulalltags hinauszublicken.

Seit 25 Jahren bietet die Schule die Möglichkeit eines Sozialpraktikums in unterschiedlichen Einrichtungen an, um Einblicke in völlig andere Lebenswirklichkeiten zu gewinnen und persönliche Erfahrungen zu sammeln.

Unter der Ägide von Christl Rauh meldeten sich in diesem Jahr 38 Zehntklässer, um zwei Tage Menschen in der Sozialarbeit zu begleiten. Beim wechselseitigen Erfahrungsaustausch war den 16-Jährigen anzumerken, wie sehr sie der kurze Einblick beeindruckt hat. "Was ich nicht vergesse ..." hatten sie deshalb die Pinnwand beschriftet, an der sie die Kernpunkte zusammentrugen.

Wahrnehmung

Sie übermittelten ihren Mitschülern ihr neues Wissen über Strukturen von Obdachloseneinrichtungen, Kinderbetreuungsstätten, Häusern der Altenpflege und Schulen und Werkstätten für Menschen mit Handicap. Aber nicht die Fakten waren das Ausschlagebende in den Berichten, sondern die unmittelbaren Wahrnehmungen.

"Wir haben hautnah miterlebt, wie Menschen auf der Straße leben", formulierte es der Sprecher der Gruppe, die in der Nürnberger Obdachlosenhilfe Domus Misericordiae war: Dass es nicht selten Verkettungen von Schicksalsschlägen waren, die Menschen um ihre Existenzgrundlage und infolge auf die Straße gebracht haben, aber auch welche Freude sie einem besitzlosen Paar mit einem Foto gemacht hatten.

Aus der eigenen Schulsituation heraus war es für die Praktikanten in der Hainbrunnenschule irritierend, dass nur wenige Jahre Jüngere noch mit den Grundlagen des Lesens kämpfen, wie sie als Ausflugsbegleiter zu einer Tierausstellung feststellten. Im gleichen Atemzug wies die Gruppensprecherin aber auf die Lebensfreude hin, die ihre Schützlinge ausstrahlten.

Oder wie viele Mitarbeiter der Lebenshilfewerkstätten nur im schützenden Rahmen einfachen Erwerbstätigkeiten nachgehen können, weil es ihnen infolge von Schlaganfällen "an geistiger Fitness mangelt" . Das Projekt lebt davon, dass externe Partner den Schülern ihre Türen öffnen. Ihnen dankte Schulleiter Karlheinz Schoofs, dass sie "Erfahrungen der anderen Art" ermöglichen. Er wies zudem auf den Unterschied zwischen den Erfahrungen im beruflichen Praktikum in der 9. Klasse und denen im Sozialprojekt hin. "Mein Kompliment, dass ihr das auf euch genommen habt."