"Toi moko" werden die mumifizierten Männerköpfe von Maori, den Ureinwohnern Neuseelands, genannt, die sich durch aufwendige Tätowierungen auszeichnen. Ursprünglich präparierten Maori Köpfe von Verstorbenen, die in ihrer Gemeinschaft eine besondere Rolle gespielt hatten, oder von Feinden, um sie als Kriegstrophäe aufzubewahren. Für die Europäer hatten die mumifizierten Köpfe im 19. Jahrhundert eine andere Bedeutung: Sie waren lukrative Handelsware, die Museen und Privatpersonen in ihre Sammlungen aufnehmen wollten. Aufgrund der großen Nachfrage in Europa wurden damals für den Handel auch Sklaven und Kriegsgefangene tätowiert und getötet.

Seit 2003 hat das neuseeländische Nationalmuseum nun den Auftrag, Überreste der Maori zurückzuführen und bereits 600 Museumsstücke nach Neuseeland geholt.

Darunter sind seit Anfang November auch vier Maori-Köpfe aus dem Ethnologischen Museum Berlin und der Universität Göttingen. Sie wurden mit einer Zeremonie in Wellington empfangen und sollen in ihr Stammesgebiet gebracht werden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von einem wichtigen "Zeichen der Versöhnung an die vom Kolonialismus betroffenen Gesellschaften".

Viel beachtetes Exponat

Auch im Missionsmuseum Bug befindet sich ein mumifizierter Kopf, allerdings stammt er nicht aus Neuseeland, sondern aus Südamerika. Zwischen einer Holzkrippe aus Ghana, einem präparierten Gürteltier aus Paraguay und einer Sitar aus Indien findet sich das Exponat, das bei Besuchern besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wie Bruder Michael vom Orden der Missionsbrüder des heiligen Franziskus berichtet.

"Tsantsa" heißt die Trophäe der Jivaro-Indianer aus dem oberen Amazonasgebiet in Ecuador, was einen Schrumpfkopf bezeichnet. Er wurde aus der Kopf- und Gesichtshaut sowie den Haaren eines getöteten Feindes angefertigt. Die vom Schädel abgetrennte Haut wurde mit Sand befüllt und mit Pflanzen gekocht, wodurch der Schrumpfungsprozess eintrat.

Mit der Herstellung eines Schrumpfkopfes gingen bei den Jivaro umfangreiche rituelle Handlungen und Vorschriften einher, erläutert der Ethnologe Dr. Andreas Schlothauer in seinem Beitrag "Eine besondere Trophäenbehandlung". Durch zeremonielle Feiern sollte der Mörder gereinigt und die feindliche Energie des Toten in positive Energie des Lebens umgewandelt werden.

Dialog zwischen Kulturen

Der "Tsantsa" wurde dann als Garant von Jagderfolg, Gesundheit und Fruchtbarkeit angesehen. Erst durch das aufkommende Interesse von Europäern und Nordamerikanern an Schrumpfköpfen im 19. und 20. Jahrhundert wurden sie auch von Nicht-Jivaro für den Verkauf hergestellt und die dann steigende Nachfrage unter anderem durch die Öffnung von Gräbern und Fälschungen aus Tierhaut bedient.

Das Missionsmuseum Bug hat den ausgestellten Schrumpfkopf als Leihgabe des ehemaligen Bamberger Philosophieprofessors und Theologen Prof. Dr. Dr. Hans Pfeil erhalten. Er hatte ihn von einer Reise aus Ecuador mitgebracht und dem Museum vor etwa 50 Jahren zur Verfügung gestellt. Nur wenige Jahre zuvor war das Museum mit dem Ziel eröffnet worden, über die eigene Missionsarbeit zu informieren und einen Beitrag zum Dialog zwischen Kulturen zu leisten.

"Die Brüder haben gedacht: Wir zeigen unsere Mission. Wir zeigen, wie Menschen in anderen Ländern leben, wie sie arbeiten", erzählt Bruder Michael. Zu diesem Zweck erwarben sie eine Vielzahl an Gegenständen und verschifften sie von ihren Missionsgebieten in Indien, Sri Lanka, Bolivien und anderen Ländern nach Deutschland.

Zwischen diesen Exponaten soll der Schrumpfkopf auch weiterhin zu sehen sein. Eine Anfrage aus Ecuador zur Rückführung liegt nicht vor und so belassen die Missionsbrüder die Leihgabe des inzwischen verstorbenen Prof. Pfeil in ihrem Museum.