von unserem Mitarbeiter Reinhard Löwisch

Rabeneck — Der Waischenfelder Ortsteil Rabeneck hat eine fürs Guinness-Buch der Rekorde verdächtige Eigenheit: Von den sechs Anwesen, die sich unterhalb der gleichnamigen Burg befinden, sind zwei - vor einigen Jahren sogar noch drei - gastronomische Betriebe: das Café Krems, die Waldpension Rabeneck und früher noch das Gasthaus Klein. Daraus lässt sich schließen, dass der Tourismus hier schon immer eine großen Stellenwert besaß.
Der Ort selbst ist nach den ersten Besitzern, den Herren von Rabenstein, benannt. Zur Unterscheidung gegenüber der Schwesterburg im Ailsbachtal nannte man sich hier "von Raben-Eck", weil die Burg auf einen eckförmigen Felssporn erbaut worden ist.

Aufwendig restauriert

Die ersten Wehranlagen sollen schon um 1200 von den Rabensteinern errichtet worden sein. Als Grund vermutet Burgenforscher Hellmut Kunstmann die Sicherung der Altstraßen durch das Gebiet. In den 1990er-Jahren hat man die Burg und auch die Burgkapelle mit dem Patrozinium des Heiligen Bartholomäus ausgiebig restauriert.
Unterhalb der Burg liegt die Rabenecker Mühle. Auf einer Inschrift aus Stein aus dem Jahre 1782 ist der Müllermeister Hans Hubmann genannt. Zwischen Mühle und Burg befindet sich die Rabenecker Höhle, die im 19. Jahrhundert oft beschrieben wurde. Reiseschriftsteller Joseph Heller schrieb schon 1829 sehr euphorisch über diese Gegend. "Ganz wildromantisch und ausgezeichnet schön ist die Parthie vor dem Schlosse Rabeneck, mit seinen auf Felsen ruhenden, alterthümlichen Gebäuden. Hier vertauscht das Wiesenthal seinen Namen und heißt bis zum Toos das Rabenecker Thal. Es ist enge, hat die schönsten Felsenbildungen und verdient in jeder Beziehung besucht zu werden."
Das Rabenecker Tal ist wohl das eindrucksvollste Tal der Fränkischen Schweiz. Erfreuen uns die Täler der unteren Wiesent, der Püttlach und des Ailsbaches durch grüne Matten, frische Buchenwälder und bemooste Felspartien, so erfüllt uns das Rabenecker Tal durch seine Unwirtlichkeit und fantastischen Felsentürme mit geheimem Schauder.
Düster und unheimlich ist sein Charakter, die Hänge sind mit dunklen Fichten und Kiefern besetzt, aus deren tiefen Schatten schwarze und kolossale Blöcke geisterhaft hervorlugen. So schreibt August Sieghardt 1952 übers Rabenecker Tal. Ein anderer Schriftsteller, Gottfried Zimmermann, nennt es 1843 gar "Tal des Todes".
Er schreibt: "Wenn man so in dieser schauerlichen Talenge, umschlossen von finsteren Felsen, in dieser Stille, die kaum das Geschrei eines Raubvogels unterbricht, hinwandelt, könnte man meinen, man wandle in der Unterwelt."

Notsteg über die Brücke

Und Viktor von Scheffel besingt die Burg in seiner "Bamberger Domchorknaben-Sängerfahrt" wie folgt: "Das Rabeneck hängt keck und fest, an finstrer Felsenrippe als zieme solch Raubvogelnest, zum Schutz jedweder Klippe."
Die romantischen Beschreibungen des Rabenecker Tals und die hoch oben thronende Burg waren auch Auslöser für die Ansiedlung gastronomischer Betriebe. Zuerst gab es die Waldpension, die im Mai 1930 als Posterholungsheim erbaut wurde. "Es vermag 30 Personen aufzunehmen und kostete 30 000 Mark" schreib die Lokalpresse seinerzeit. Schon drei Jahre später hat man das Gebäude vergrößert: "Man ist daran, über die Wiesent, anstelle des bisherigen Notsteges eine Brücke zu bauen, um so auch den Anschluss an die nach Eichenbirkig führende Bergstraße herzustellen", schreib die Lokalpresse im Dezember 1933.
25 Jahre später gab es auf der anderen Talseite einen weiteren Neuanfang. Am 26. Juli 1959 eröffneten Johann und Johanna Krems das "Gasthaus im Rabenecker Tal" mit fünf Doppelzimmer und einer Terrasse, von der man das ganze Tal überblicken konnte. Der Weitblick des Erbauers zahlte sich aus.
Das heutige Café Krems mit einer Pension ist vor allem wegen der selbst gemachten Kuchen und wegen der Aussichts-terrasse sehr bekannt. Und auch die Waldpension Rabeneck schräg gegenüber hat regen Zulauf von Gästen. Bei der Schutzhütte daneben endet außerdem auch der rollstuhlgerechte Wanderweg.