Tobias Kindermann

Strategische Entscheidungen können einen ganz einfachen Anfang nehmen. Wobei einfach in diesem Fall auch nicht einfach ist. Moll wird vom Erfolg seiner neuen EFB-Batterie überrollt. Immer mehr Autohersteller fragen nach diesem Batterietyp an, der durch seine hohe Zyklenfestigkeit besonders für Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik geeignet ist.
Durch die 2014 eingegangene Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Chaowei konnte Moll bereits einen deutlichen Schritt nach vorne gehen. Dank der technologischen Starthilfe aus Deutschland entstand ein Werk in China, das nun quasi nach Moll-Standards Volkswagen beliefert und eine Kapazität von 3,5 Millionen Batterien jährlich besitzt.
Im Gegenzug beteiligte sich Chaowei an Moll, aber Moll verkaufte keine Anteile, sondern wuchs. Zwölf Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren ausgegeben, um die Produktion moderner und effizienter zu machen. Lag der jährliche Ausstoß vorher bei 900 000 Exemplaren, wird man demnächst bis zu 1,8 Millionen Batterien fertigen können. Doch das Problem: Das reicht immer noch nicht, um die Nachfrage zu befriedigen. Moll will kurzfristig 750 000 bis eine Millionen weitere Batterien liefern können, um große Auftraggeber aus der Autoindustrie bedienen zu können. "Was nützt uns Qualität, wenn wir nicht liefern können", sagt Firmenchefin Gertrud Moll-Möhrstedt. Denn die Option, gegebenenfalls auf Kapazitäten von Chaowei zugreifen zu können, zerschlug sich. "Die Chinesen erstatten einem bei Batterien die 17 Prozent Mehrwertsteuer beim Export nicht", sagt Klaus Eichhorn, kaufmännischer Leiter bei Moll. Eine Art versteckter Exportzoll, könnte man sagen. Doch es reicht, um das Geschäft unrentabel zu machen. In Bad Staffelstein kann Moll nicht mehr expandieren. Ein neues Werk zu bauen, dauert zu lange.
"Unsere Partnerschaft mit Chaowei hat natürlich international für Aufmerksamkeit in der Branche gesorgt", sagt Gertrud Moll-Möhrstedt. Immerhin kamen da zwei Firmen zusammen, die zwar familiengeführt sind, aber in ihren Dimensionen völlig unterschiedlich sind. 320 Beschäftige hat Moll, Chaowei rund 20 000. Im Grunde genommen wiederholt man nun das Prinzip. Die südafrikanische Metair-Gruppe beteiligt sich an Moll, durch das Geld wird die Fertigung in Bad Staffelstein wieder moderner, Metair erschließt sich durch Moll-Technik, für die man Lizenzen zahlt, neue Abnehmer, Moll kann seine guten Kundenbeziehungen ausbauen - und vor allem die Nachfrage decken. Die Familie hält an Moll nun noch 40 Prozent, Chaowei 35 und Metair 25 Prozent. Doch es ist vertraglich gesichert, dass die deutschen Eigentümer weiterhin die Geschicke der Firma bestimmen - und nicht von den Investoren überstimmt werden können. Etwa 10 000 Angestellte hat Metair in seinen Firmen, wozu auch eine Batteriefertigung in Südafrika gehört.
Zu Metair gehört auch der rumänische Hersteller Rombat. Mit ihm will Moll die Kapazität an EFB-Batterien in den nächsten Monaten hochfahren. Es gibt aber auch noch weitere Perspektiven. Rombat beliefert den französischen Markt. Mutlu in der Türkei, ein weiteres Metair-Unternehmen, ist auch Richtung Russland orientiert. So hat Moll indirekt Zugang zu weiteren internationalen Märkten - was die Automobilhersteller von ihren Lieferanten auch einfordern.
"Natürlich bleiben wir nach außen hin auch Konkurrenten", sagt Eichhorn. Aber man sollte an einem Strang ziehen, denn gemeinsam erreiche man mehr: Weltmarktführer Johnson Controlls liefere weltweit 150 Millionen Batterien aus. Der Gesamtmarkt liege bei 500 Millionen Exemplaren. Warum sollte man nicht im Verbund ein Volumen von 50 Millionen Batterien anstreben und eine solide Nummer 2 werden? Ist Bad Staffelstein dann langfristig eher ein Forschungszentrum im Verbund? Das verneinen beide: Zur Entwicklung gehöre zwingend ein Werk, um die Fertigung in der Praxis umzusetzen.