Kronach — Ein musikalischer Ausflug in den warmen Süden ist genau das Richtige an einem nasskalten Oktobertag mit reichlich Regenschauern. Am Sonntag lud der italienische Organist Carlo Benatti zu einer aufregenden Klang-Expedition in seine Heimat ein. Unter dem Motto "Orgelmusik zwischen Barock und Moderne" führte die spannende Hör-Reise durch verschiedene Epochen Italiens.

Donnernder Beifall und Bravo-Rufe nach den letzten Takten. Rund eineinhalb Stunden hatten sich die Zuhörer in die wunderbaren Klänge hineingeträumt. Nun durchbrachen diese ihre bislang geübte Zurückhaltung; sie erhoben sich von den Plätzen und ließen ihrer Begeisterung freien Lauf. Die Wertschätzung gebührte dem großartigen, vom treuen Kronacher Stammpublikum sehr geschätzten Organisten Carlo Benatti für sein kredenztes virtuoses Orgelspiel. Der Beifall war zugleich auch Anerkennung für den kompletten 10. Internationalen Orgelzyklus Kronach, der mit diesem musikalischen Highlight seinen wahrhaft krönenden Abschluss fand.

Dekanatskantor Marius Popp stand der Stolz über den so erfolgreichen Verlauf der hoch angesehenen Veranstaltungsreihe ins Gesicht geschrieben. Sehr freute er sich, mit Benatti einen "guten alten" Bekannten für das Finale gewonnen zu haben. Kurz ging der Kirchenmusikdirektor auf die Intentionen des von ihm 2003 gegründeten Internationalen Orgelzyklus ein. Nach seinem Amtseintritt sei er sehr bemüht gewesen, die Kirchenmusik auf vielfältige Weise an der Christuskirche Kronach zu beleben. Sein Bestreben dabei war, internationale Künstler nach Kronach zu bringen, die man sonst nur in großen Städten Europas zu hören bekommt. Dadurch sollten interessierte Zuhöre auch von anderen Städten nach Kronach kommen, was in der Zwischenzeit der Fall sei.

Orgel mit großer Klangvielfalt

Am Anfang sei es alles andere als einfach gewesen sei, trotz eingeschränkter finanzieller Mittel, hochkarätige Künstler nach Kronach zu holen. Ein ums andere Mal habe er auch die Frage "Wo bitte ist Kronich?" beantworten müssen. "Mittlerweile haben wir so viel Anfragen, dass wir jedes Jahr sechs Konzerte durchführen könnten", strahlte er. Stolz zeigte er sich auch auf die romantische Steinmeyer-Orgel - optisch gesehen keine architektonische Schönheit, aber aufgrund von ihm veranlasster Optimierungen und Erweiterungen voller Farbenreichtum und Klangvielfalt.

Mit Freude beobachte er immer wieder, wie die Gast-Organisten in die einzelne Register förmlich hineintauchten. "Man kann wunderbar darauf Bach spielen, aber auch französische Orgelmusik und auch italienische", zeigte sich Popp sicher. Ein großes Anliegen sei es ihm, dass die Gäste Musik aus ihren Heimatländern spielten - ein Wunsch, dem ihn Carlo Benatti natürlich gerne erfüllte, und die "Königin der Instrumente" bewies auf Eindrucksvollste, dass sie auch perfekt des "Italienischen" mächtig ist.

Beim "Concerto Italiano" durften die Landsmänner des Organisten, Antoni Vivaldi (Konzert Nr. VI "La Stravaganza"), Domenico Scarlatti (Sonata in E-Dur) sowie Vincenzo Bellini (Sinfonia "Ommagio a Bellini" in einer Bearbeitung von Saverio Mercandate) ebenso wenig fehlen wie Marco Enrico Bossi ("Fantasia Op. 64", "Ländliche Szene Op. 132 Nr. 3). Vertreten war auch Filippo Capocci mit seinem "Solo für Oboe".

Musikalische Abstecher

Eine harmonische Abrundung fand der Ausflug nach "Dolce Vita" mit abschließenden Abstechern in die USA mit einer Toccata von Leo Sowerby sowie nach Belgien mit "Die Berge" und "Lied an die Sonne" aus Lied Symphony Op. 66 des bekannten Musikpädagogen Flor Peeters.

Am Ende der musikalischen Reise gab es völlig verdient Standing Ovations des begeisterten Publikums, das sich gerne vom famosen und glänzend beherrschten Spiel des Organisten hatte begeistern lassen: Was für ein Musikrausch am Ende der Veranstaltungsreihe, die einmal mehr einen bedeutenden Beitrag zum kulturellen Austausch und zur Völkerverständigung in Oberfranken geleistet hatte.