Eckehard kiesewetter Ebern —  "Den Mund weit auf!", sagt die junge Ärztin und hält der 17-Jährigen das Stäbchen unter die Nase. "Zunge raus! Aaa!", und schwupps verschwindet das Stäbchen im Mund, eine kleine Drehung mit der Hand; ein kaum vernehmlicher kehliger Laut der jungen Probandin und schon ist der Abstrich im sterilen Röhrchen verstaut und mit Strichcode versehen. Die Schülerin lächelt erleichtert, hat den Corona-Test genauso problemlos überstanden, ebenso wie mehr als 450 Schüler und deren Lehrer aus allen drei weiterführenden Schulen in der Stadt. "War gar nicht so schlimm", bestätigt die Schülerin später dem Lehrer. "All die Aufregung zuvor war unnötig."

Die Reihentestung für die Eberner Schulen hatten das Landratsamt beziehungsweise das Gesundheitsamt Haßberge wegen des nachhaltig besorgniserregenden Infektionsgeschehens im Landkreis initiiert, als "angeordnete freiwillige Testung".

Umfassender Überblick

Ziel ist es laut Monika Göhr, Pressesprecherin am Landratsamt, ein möglichst ganzheitliches Bild über die Corona-Situation an den Schulen zu erhalten. Daher hat man für die betroffenen Klassen Präsenzunterricht angeordnet, der "Hybridunterricht" mit wechselweisem Umzug ins Homeoffice beginnt für sie erst ab dem heutigen Mittwoch.

Für einen Tag wurde in der Dreifach-Turnhalle eine mobile Teststrecke der Regierung von Unterfranken eingerichtet, bestehend aus einer Art abgesperrtem Parcours mit sieben weißen Pavillonzelten. Erste Station: Begrüßung und Desinfektion; zweite Station: Einchecken ins System durch Registrierung von Name und Geburtsdatum; dritte Station: Abstrich durch einen Mediziner; vierte Station: Checkout, um nochmals Geburtsdatum und Daten abzugleichen.

Das alles erledigt ein Team der "21DX"-GmbH aus Hemhofen - zwei Mediziner und fünf Administratoren - unaufgeregt im routinierten Schnelldurchlauf. "21DX" ist einer der größten Betreiber von Corona-Teststationen bundesweit mit über 350 Mitarbeitern und einer Kapazität von 100 000 Tests in der Woche. In Ebern geht es um kleinere Zahlen. Pro 15 Minuten kann eine Klasse getestet werden. Das gilt für die 9. und 10. Jahrgangsstufen der Realschule, die 8. bis 10. der Mittelschule sowie die 9. und 10. des Gymnasiums und die angehenden Abiturienten der Q12.

Ausgeklammert hat das Friedrich-Rückert-Gymnasium den Jahrgang Q11, weil diese Schüler erst vor einigen Tagen wegen eines Corona-Falles an der Schule getestet wurden und in Quarantäne mussten. Ergebnis: Keiner der Schüler und Lehrer hatte sich angesteckt. Durch die Quarantäne fielen aber neun Vollzeitlehrkräfte zehn Tage lang für den Unterricht aus, was die Schule vor erhebliche organisatorische Probleme stellte, erzählt Schulleiter Martin Pöhner. Bei den jüngeren Schülern geht man ohnedies davon aus, dass die Gefahr einer Corona-Infizierung sehr gering ist.

Gut abgestimmt

Die Ablauforganisation für die Reihentestung hatten die Rektoren der Schulen beziehungsweise deren Sekretariate abgestimmt. "Die Zusammenarbeit klappt super", sagt er. Jeder Schüler, der getestet werden wollte, musste eine Einverständniserklärung der Eltern vorlegen.Oberstudiendirektor Pöhner findet es gut, durch die Reihentestung einen Überblick über die Infektionsraten an den Schulen zu erhalten. Wegen der Corona-Erfahrungen (vier Fälle in fünf Wochen) hegt er die "leise Hoffnung", dass kein einziger Fall nachgewiesen wird. Spannend sei das Ganze allemal. Er wie auch die getesteten Schüler und Lehrer müssen warten bis die Ergebnisse ausgewertet sind. Sie werden an die Schulen gemeldet und über diese an die Schüler bekanntgegeben. "Das ist einfacher, weil so nicht jedes Kind eigens im Internet registriert werden muss", so Pöhner.