Siegfried Sesselmann Im Jahre 1489 verlangte der Bamberger Fürstbischof - zwischen 1151 und 1803 gehörte Stadtsteinach und Wartenfels zum Territorium der Bamberger Fürstbischöfe - jeder Pfarrer solle einen Schulmeister anstellen, der das Amt des Stadtschreibers sowie das Kirchenamt mit übernehmen könne. Er solle sowohl dem Pfarrer und den Gotteshausmeistern als auch dem Rat (Gemeindeschreiberei) schwören. Sicherlich gab es zu dieser Zeit noch kein eigenes Schulhaus. Vielmehr stellte der Pfarrer oder ein Bürger eine große Stube zum Unterricht bereit.

Die Schülerzahl war zunächst klein und wuchs allmählich und die Schule wurde ausschließlich von Buben besucht. Die Schulmeister nahmen von jedem Schüler Schulgeld, doch reichte diese Einnahmequelle nicht zum Leben. Als zu vermittelnde geistige Güter, die auswendig zu lernen waren, galten das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die Gebote, Musik und Gesang dienten dem Gottesdienst.

Religion, Lesen und Schreiben

Neben den Schulen an Domstiften sollten überall auch Pfarrschulen entstehen, in denen die Grundlagen der Religion sowie Lesen, Schreiben, Singen zu lehren sei und zwar in deutscher Sprache (deutsche Schule im Gegensatz zur Lateinschule). Das rechtschaffene, sittliche Betragen war das wichtigste Anliegen der Erziehung unter Aufsicht der Kirche.

Erste Erwähnungen

In Ortschaften mit eigener Kirche sind in unserem Gebiet erste Erwähnungen von Schulen zu nennen: Ludwigschorgast 1529, Kupferberg 1557, Marienweiher 1593, Rugendorf 1620, Enchenreuth 1671, Guttenberg 1671, Wartenfels 1676, Presseck 1692, Untersteinach 1707 und Grafengehaig 1731. Sicherlich gab es bereits vorher Schulmeister, die die Kinder unterrichteten, doch momentan sind nur diese ersten Nennungen bekannt.

Nachdem der letzte Fürstbischof von Bamberg 1796 von den Franzosen floh, wurde das Hochstift Bamberg bis 1802 französisch, 1803 kurbayrisch und 1806 in das Königreich Bayern eingegliedert. Das benachbarte Markgrafentum Bayreuth-Kulmbach wurde 1791 an Preußen abgetreten und nach dem Zusammenbruch Preußens gegen die Franzosen im Jahre 1806 wurde Kulmbach 1810 ebenfalls bayrisch. Auch der Einfluss Preußens stieß eine fällige Schulentwicklung an. Bis 1813 war Bayern mit Napoleon verbündet und diese Zeit brachte dem bisher vernachlässigten Schulwesen einen deutlichen Entwicklungsschub und wurde nun von staatlicher Seite aus reformiert. Der Einfluss der Kirche sollte zurückgedrängt werden, was nur bedingt gelang.

Als eigentliche Gründungsurkunde des gemäß den Allgemeinen Grundsätzen der Regierung intendierten Volksschulwesens gilt die Schulpflichtverordnung vom 23. Dezember 1802, die unter massiver Strafandrohung für alle "Kinder vom 6ten bis wenigst ins vollstreckte 12te Jahr" den Schulbesuch "das ganze Jahr hindurch, von Mitte des Julius bis 8ten September, als er gewöhnlichen Erntezeit ausgenommen" vorschrieb.

Lehrerbildung vereinheitlicht

Hinzu kam am 11. Juni 1809 ein "Allgemeines Regulativ für die Ordnung der Schullehrer-Seminarien und die Bildung der Volksschullehrer", das erstmals die in den verschiedenen Landesteilen vorfindlichen Formen der Lehrerbildung vereinheitlichte und mit der seminaristischen Lehrerbildung jenen Typ Lehrerbildung schuf, der in Bayern für annähernd 150 Jahre bestimmend sein sollte.

Der Regierungsschulrat Dr. Johann Baptist Graser aus Bayreuth fuhr durch Oberfranken und bemängelte unzureichende Schulhäuser, unfähige Lehrer und wenig an der Schule interessierte Gemeinden. Unfähige Lehrer wurden entlassen, seminaristisch, vom Staat ausgebildete Lehrer, sollten zukünftig die Jugend bilden.

Im Jahre 1884 berichtet der Wartenfelser Lehrer der Oberen Schule (Klassen 4 bis 7) Georg Lindenberger, er habe 42 Knaben und 40 Mädchen zu unterrichten, weiterhin 24 Knaben in der Sonntagsschule. Er ist zugleich Chorrektor, Organist und Mesner und zusätzlich Gemeindeschreiber. Das zweistöckige Schulhaus, 1875 erbaut, "liegt frei und hoch in der Nähe des Marktplatzes und befindet sich in sehr gutem Zustande". Der Lehrer der Unteren Schule (Klassen 1 bis 3) Franz Grebner schreibt ebenfalls 1884, er habe 36 Knaben und 35 Mädchen in einem Zimmer und weiterhin 28 Mädchen in der Sonntagsschule. Beide bewohnten je eine Lehrerwohnung im Schulhaus.

Schulhaus mit Lehrerwohnung

Doch es gab zuvor noch andere bekannte Schulhäuser in Wartenfels. So fand im Jahre 1808 im Haus Nummer 8 (heute Schütz) Unterricht statt. Ab 1823 zog die Schule in das ehemalige Jägerhaus Nummer 3, das 1875 neu errichtet wurde und so lange die Wartenfelser Schule war, bis man 1963/64 im nördlichen Baugebiet ein neues Schulhaus mit Lehrerdienstwohnung baute. Mit der Gründung des Schulverbandes Presseck 1970 wurden die Schule Wartenfels ausgelöst, doch das Schulhaus wurde bis 1998 als Außenstelle für die Klassen 3 und 4 verwendet.

Auch bedeutende Lehrerpersönlichkeiten wirkten in Wartenfels und hinterließen Spuren in ihrem pädagogischen Wirken. Von 1863 bis 1881 unterrichtete hier Johann Hebentanz, ein gebürtiger Stadtsteinacher, der zuvor in Reichenbach Lehrer war und 1863 Margareta Kunigunda Daig heiratete. Er ging anschließend nach Stadtsteinach, wurde angesehener Bezirkshauptlehrer, unterrichtete bis zum 78. Lebensjahr und war der Schwiegervater des Stadtsteinacher Chronisten Simon Köstner.

1890 kam der in Alzenau bei Aschaffenburg geborene Franz Xaver Guldner (1842 bis 1905). Seine Musikalität vererbte er an seine Kinder Anton, Wilhem, Josefine, Afra und Karolina, an seine Enkel Willi Guldner und Otmar Föhr und an seine Urenkel weiter. Als Schulleiter wirkten nach dem Weltkrieg Rosa Striegel, Otmar Seifert (1948 bis 1954), Else Beier, Alois Köberlein (1954 bis 1963), Franz Kroneder und Arnold Dengler (1964 bis 1969). Der Lehrer Andreas Einwich (geboren 1931) war von 1959 bis 1970 in Wartenfels tätig und wechselte 1970 in den Schulverband Presseck bis zu seiner Pensionierung 1988.