Ursprünglich sollte eine Bäuerin aus dem Landkreis Bamberg nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bamberg 9000 Euro Geldstrafe zahlen. Sie hatte zwei Mitarbeiter nicht bei der AOK Bayern angemeldet und so den Sozialkassen rund 26 000 Euro vorenthalten. Am Amtsgericht Bamberg wurde sie nun von Strafrichterin Christine Schäl für 14 Fälle des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt zu einer Geldstrafe von nur noch 2100 Euro verurteilt. Damit sind die finanziellen Folgen aber noch lange nicht zu Ende ...

Auf den Feldern herrscht Dürre, in der Kasse Ebbe. Die Geschäfte laufen nicht gut. Seit Jahren schreibt der landwirtschaftliche Betrieb rote Zahlen. Dem Ehepaar bleiben gemeinsam gerade einmal 750 Euro monatlich zum Leben. Dabei hat die 51-jährige Bäuerin sich zwischen Mai 2017 und Juni 2018 größte Mühe gegeben, Geld zu sparen. Indem sie mindestens zwei ihrer Mitarbeiter erst gar nicht zur Sozialversicherung angemeldet hat. Die Slowenen bekamen ihren Lohn bar auf die Hand. "Black Money" nannte das die Landwirtin in einem WhatsApp-Chat, der ihr wie andere Textnachrichten zum Verhängnis werden sollte.

Kein Einzelfall

Ähnliches scheint auch mit einigen anderen Tierpflegern und Erntehelfern sowie Praktikanten geschehen zu sein. "Wir reden nicht von einem Einzelfall. Sie hatten ständig neue Leute auf dem Hof", so Richterin Schäl. "Davon war niemand angemeldet". Für sie alle gab es zwar Kost und Logis, aber keine Beiträge in die Arbeitslosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Wobei insbesondere die Mitarbeiter aus Polen, der Slowakei oder eben Slowenien gar keinen Wert auf eine solche Absicherung legten, so die Angeklagte. "Für die ist wichtig, was sie am Ende des Monats haben".

"Es ist trotzdem eine Straftat, die Leute nicht anzumelden", so Richterin Schäl. Schließlich könnten derlei nicht Arbeitgeber und Arbeitnehmer untereinander ausmachen. Vor Richterin Schäl spielte die angeklagte Bäuerin nun das Opfer übler Machenschaften. Sie sei selbst belogen und betrogen worden. Ihr slowenischer Mitarbeiter habe zudem versucht, seine Mandantin zu erpressen, erklärte Rechtsanwalt Thomas Drehsen aus Bamberg. Der habe 10 000 Euro haben wollen, sonst gehe er zur Polizei. Ausgerechnet nach einer Hausdurchsuchung habe der Ex-Mitarbeiter sie im Anwesen überfallen und gewürgt. Beweise für den Übergriff legte sie freilich keine vor.

Draufzahlgeschäft

Damit konnte die unscheinbare Frau mit der leisen Stimme weder Richterin Schäl noch Staatsanwalt Patrick Keller überzeugen. "Sie schreiben von offiziellen und inoffiziellen Geldern", so Richterin Schäl. Damit sei doch klar gewesen, dass es um Schwarzarbeit gegangen sei. "Sie wussten genau, was Sie tun", so Staatsanwalt Keller. Es hätten auch kein Werkvertrag oder Rechnungen vorgelegen, die auf eine selbstständige Tätigkeit hindeuteten.

Allerdings entpuppte sich die Idee mit dem Schwarzgeld nun als ungeheures Draufzahlgeschäft. Das Hauptzollamt Schweinfurt war auf den Betrieb im Landkreis Bamberg aufmerksam geworden, als einer der Helfer aus Slowenien, wohl aus Rache, die Polizei informiert hatte. Kurzerhand verhängte man wegen der Nichtanmeldung und Verstoßes gegen das Mindestlohngesetz ein Bußgeld in Höhe von 10 500 Euro. Die Summe stottert die Landwirtin nun in monatlichen Raten à 500 Euro ab. Zudem müssen die ausgebliebenen Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund 25 800 Euro nachgezahlt werden. Und dann kommen noch einmal 140 Tagessätze à 15 Euro, mithin 2100 Euro Geldstrafe, dazu, die Richterin Schäl verhängte - und natürlich die Gerichtskosten.

Die mehr als 90 Tagessätze bedeuten auch, dass die Bäuerin nun erstmals in ihrem Leben vorbestraft ist. Wie sagte sie doch, allerdings in Bezug auf ihre Mitarbeiter: "Es ist schwer, Leute zu finden, die ordentlich und ehrlich sind."