von unserem Redaktionsmitglied 
Matthias Einwag

Rattelsdorf — Es ist keine Sommergeschichte, die Helmut Vorndran da geschrieben hat. Der Rattelsdorfer Autor siedelt seinen neuen Frankenkrimi in der Vorweihnachtszeit an. Der sonnige Humor und die grotesken Szenen - ein gelber Nikolaus stolpert über den Jesserndorfer Weihnachtsmarkt - lassen die Lektüre aber auch im Juli zum Genuss werden. Der Leser muss ja nicht gleich eine rosa Pommelmütze tragen, wie sie der Autor sich auf dem Bamberger Christkindlesmarkt erwarb - obwohl ihm weiblicherseits wegen der schrillen Farbe strikt abgeraten wurde. Eine Steilvorlage für Helmut Vorndran, webte er doch die Mütze in den Krimi ein und gab ihr einen wichtigen Platz im Privatleben seines in Loffeld lebenden Kommissars Lagerfeld.
Der neue Krimi ist "ein bisschen eine Max-und-Moritz-Geschichte", sagt Helmut Vorndran. Zwei Brüder aus Reckendorf erben das Haus ihres Opas. Und damit beginnt das Unheil. Auf dem Dachboden finden sie alte Medikamente - "Pervitin". Die beiden Jungs versuchen, die Pillen zu verticken, sie zu Geld zu machen.

"Stuka-Tabletten" als Modedroge

Im Krieg war dieser Stoff unter den Namen "Panzerschokolade", "Stuka-Tabletten" oder "Hermann-Göring-Pillen" bekannt. Heute ist die synthetisch hergestellte Substanz als Methylamphetamin bekannt. Die Droge wird umgangssprachlich Crystal Meth oder einfach Crystal genannt und vor allem in tschechischen Labors hergestellt. Ein Nebenschauplatz ist folglich auch Tschechien.
Für seinen (literarischen) Stoff recherchierte der 53-Jährige in mehreren gesellschaftlichen Schichten und gewann "sehr interessante Einblicke in die real existierende Geschäftswelt". Dabei stellte er fest: "Was im Management der großen Firmen als Hilfsmittel eingenommen wird, ist ernüchternd." Es geht darin um die Sorglosigkeit, wie mit einer Modedroge umgegangen wird, merkt er an.
In typisch kabarettistischer Verfremdungsmanier entwickelt Helmut Vorndran eine aberwitzige Handlung. Bayerns Landesvater in spe, Markus Söder, findet darin eine Nebenrolle, ebenso wie der ehemalige Haßberge-Landrat Handwerker (er heißt im Krimi Mundwerker).
Und eine Leiche kommt darin vor, die aber gar kein Mordopfer ist. Gefunden wird die Leiche im Keller des Bamberger Grundbuchamts. Diese Leiche ist jedoch der Ausgangspunkt für einen skurrilen Kriminalfall, eine Herausforderung für Kommissar Lagerfeld. Zentrale Rollen spielen auch die Eberner Feuerwehr und ihr Löschfahrzeug sowie Eberns Bürgermeister Hennemann (im Buch heißt er Hahnemann).

Das besondere HAS-Kennzeichen

Und Vorndran wäre nicht er selbst, wenn im Krimi nicht eine Anspielung aufs HAS-Kfz-Kennzeichen vorkäme. Natürlich werden auch die fränkischen Unabhängigkeitsbestrebungen vom Frankenwürfel-Träger Vorndran auf die Schippe genommen. Sogar ein historischer Rückblick auf die Beschlagnahme der Ermershausener Rathausakten durch die bayerische Polizei ist in den Krimi eingebaut.
Ach ja: Kommissar Lagerfeld aus Loffeld wird Vater "und bekommt die volle Härte des Vaterseins zu spüren", scherzt der Autor. "Sobald du Vater bist, unterliegst du mütterlicher Globalüberwachung", fügt er breit grinsend hinzu.
Eigentlich, sagt Helmut Vorndran, seien es drei wahre Geschichten, die er erzählt bekam oder erlebte. Für den Krimi verwob er diese Stoffe miteinander, so dass sie "im Nachhinein schön ineinandergreifen".
Der Buchtitel Habakuk ist zum einen der Marotte geschuldet, dass Helmut Vorndran stets dem Abc folgt - sein achter Krimi musste mit "H" beginnen. Habakuk sei ein Name, den jeder schon mal gehört hat. Aber jeder stutze, weil er nichts damit anzufangen wisse: "Wer issn des? Ein Rabe? Nein, einer der kleinen Profeten!"
Und was folgt nun? Vorndran schreibt gerade am dritten und letzten Teil seines Staffelsteiner Thermenkrimis, der "Unterirdisch" heißt. Der Autor verspricht mit diabolischem Grinsen: "Es wird ein Blutbad!"