Der Prozess gegen einen Psychotherapeuten (71), der über seine Praxis Drogen verkauft haben und zwei Patientinnen zudem sexuell missbraucht haben soll, sowie gegen seine Ex-Frau (61) und den gemeinsamen Sohn (29), die ebenfalls an den Marihuana-Geschäften beteiligt gewesen sein sollen, geht in die Verlängerung. Nicht zuletzt der harten Linie der Verteidiger wegen hat der Vorsitzende Richter Markus Reznik Termine bis in den März 2020 festgelegt.

Dass nun zusätzliche Verhandlungstage notwendig werden, liegt einerseits an der Vielzahl an Anträgen und Widersprüchen, mit denen zwei der Angeklagten über ihre Verteidiger immer wieder formale Fragen in den Vordergrund rücken. Zur Sache selbst haben sie noch keine Angaben gemacht. Zum anderen daran, dass Staatsanwältin Ursula Redler eine Nachtrags-Anklage vorbereitet. Darin soll eine weitere Drogenlieferung aus Spanien, dabei geht es um stolze elf Kilogramm Marihuana bzw. Haschisch, ihren juristischen Niederschlag finden. Redler: "Der Hintermann ist bereit, hier vor Gericht auszusagen."

Sex als Heilmittel

Außerdem habe sie eine weitere Frau gefunden, die vom Psychotherapeuten in mindestens sechs Fällen sexuell missbraucht worden sein soll. "Dazu laufen die Ermittlungen noch." Es sei sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Patientinnen dem Psychotherapeuten zu Diensten gewesen seien, weil dieser den psychisch kranken Frauen den Sex als Heilmittel vorgeschlagen habe. "Das ist besonders verwerflich, weil er seine Position als Therapeut ausgenutzt hat." Zudem läuft parallel dazu ein Verfahren wegen Betruges mit einem Schaden von rund 300 000 Euro.

Der dritte Verhandlungstag sah den Auftritt des psychiatrischen Sachverständigen Christoph Mattern aus Bayreuth. Er attestierte der Ex-Frau Depressionen und Verfolgungswahn. Sie sei eine lenkbare Persönlichkeit, die gemacht habe, was ihr ihr Sohn aufgetragen hätte. Die Angeklagte hatte bisher als Einzige zugegeben, bei den Übergaben auf Parkplätzen in Bamberg das Auto gefahren und sich um die Cannabis-Plantage im heimischen Keller gekümmert zu haben.

Dem Sohn bescheinigte der Gutachter eine Mehrfachabhängigkeit von Crystal Meth, Ecstasy, Speed, psychedelischen Pilzen, Cannabis und Kokain. Er regte eine Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses an, um dort mittels einer 18-monatigen Therapie die Rauschgiftsucht zu bekämpfen.

Ob der Psychotherapeut nach einem Urteil überhaupt noch ins Gefängnis muss, ist derzeit nicht absehbar. Mattern sah eine mittelgradige Demenz, die auf eine degenerative Hirnschädigung zurückzuführen sei. Deshalb schlug er vor, den Angeklagten auf unbestimmte Zeit stationär unterzubringen, damit von ihm keine weitere Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.

Vater und Sohn mit Vorstrafen

Die Vorstrafenregister zeigen, dass es sich, mit Ausnahme der angeklagten Ex-Frau, um gerichtsbekannte Persönlichkeiten handelt. Der Psychotherapeut war bereits vor sechs Jahren am Amtsgericht Hof wegen Betruges in 167 Fällen und Verstoßes gegen das Markengesetz verurteilt worden. Ein Jahr später beschäftigte er das Amtsgericht Sonneberg, das ihm den Missbrauch von Titeln und Betrug zur Last legte und eine enorme Geldstrafe von 220 Tagessätzen verhängte.

Der angeklagte Sohn hat allerdings noch größere Probleme. Nicht nur, dass er das Amtsgericht Bamberg wegen eines Prozesses vor sechs Jahren kennengelernt hat; damals wurde er wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung belangt. Vor zwei Jahren fiel er wegen des Erwerbs, Besitzes und Handels sowie der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen auf.

Er hatte im Winter 2014/2015 über einen Online-Marktplatz unter einem Pseudonym Haschisch und Amphetamine bei einem Anbieter in Leipzig bestellt und sich diese, wie in anderen Fällen auch, per Post nach Hause liefern lassen. Später hatte er sich den Stoff aus dem Großraum Stuttgart beschafft, und noch später das Cannabis im kanadischen Quebec geordert.

Bei einer Zollkontrolle am Frankfurter Flughafen war die Sache dann aufgeflogen. Eine anschließende Hausdurchsuchung brachte neben den hanfartigen Rauschmitteln auch noch LSD und Ecstasy zutage. Dass der Sohn damals zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, kann ihn noch teuer zu stehen kommen. Hatten sich die Taten doch auch während seiner Bewährungszeit abgespielt.

Staatsanwältin Redler sieht das Strafmaß dadurch bereits bei acht Jahren. Für Verwunderung beim Sachverständigen Mattern sorgte die Nachricht, der Sohn habe das Drogenkonsumverbot mittels Cannabis auf Rezept umgangen. Ein Arzt aus Stuttgart hatte dafür "mehrere Fehldiagnosen" gestellt.