Die Innenstadt belebt sich wieder - und wären nicht die Mund-Nasen-Schutzmasken auf vielen Gesichtern, wäre es ein ganz normaler ziemlich ruhiger Dienstagnachmittag in der Spitalgasse. Ruhig, aber besser als der Montag, als der Regen mit Eisheiligenkälte die Leute vom Bummeln abhielt, wie Sven Lotz und Heiko Wend übereinstimmend berichten. Die beiden sind verantwortlich für die beiden großen Kaufhäuser am Rand der Innenstadt: Heiko Wend führt die Wöhrl-Filiale in der Ketschengasse, Sven Lotz die Galeria Karstadt-Kaufhof in der Mohrenstraße.

Beide hatten gerade übers Wochenende Zeit, ihre Verkaufsflächen auszuweiten: Bis Samstagabend durften nur maximal 800 Quadratmeter für Kunden zugänglich gemacht werden. Nun ist wieder alles offen, und das Aufatmen ist bei beiden förmlich durchs Telefon zu hören. "Viele haben ja nicht verstanden, warum nur diese 800 Quadratmeter im Erdgeschoss freigegeben waren", sagt Lotz. "Wir haben viel Fläche, auf der sich die Kunden schön verteilen können." Aber das war eben nicht erlaubt. Wer etwas aus dem Sortiment der oberen Etagen wollte, musste die Verkäufer bemühen. Natürlich sei da kein normaler Umsatz möglich gewesen, sagt Lotz. "Aber es war besser als gar nichts!"

Nun dürfen sich 370 Kunden gleichzeitig im Kaufhaus aufhalten und sich auf die drei Etagen verteilen. "Der Kaufhof" hat sogar zwei seiner drei Eingänge geöffnet. Die Kunden werden von Türstehern per App gezählt. Aber 370 Kunden gleichzeitig im Haus - "das muss man erst mal schaffen", sagt Lotz. "Das passiert bestenfalls vor einem Feiertag."

Oder an einem verkaufsoffenen Sonntag, wie es sie in der Vergangenheit gab, erinnert sich Heiko Wend. Die Wöhrl-Filiale hat nicht ganz so viel Verkaufsfläche wie das Kaufhaus an der Mohrenstraße: 180 Kunden dürfen rein. Am Eingang Ketschengasse liegen Plastikkärtchen; ist keins mehr da, darf kein Kunde mehr hinein. Doch Wend erwartet nicht, dass das in den nächsten Tagen einmal der Fall sein wird.

Seit knapp zwei Wochen haben die großen Kaufhäuser offen. Sogar das mussten sie sich erstreiten. Zunächst hatte es nämlich geheißen, dass Geschäfte mit über 800 Quadratmetern Fläche gar nicht öffnen dürfen. Die Hygienekonzepte seien inzwischen erprobt, und die Maskenpflicht für Mitarbeiter und Kunden habe bislang kaum Probleme gemacht, sagt Wend. "Aber das normale Verkaufen, wie wir es gewohnt waren - zum Kunden gehen, in den Sakko helfen, Änderungen abstecken - das geht nun alles nicht, wegen der Abstände. Daran muss man sich erst mal gewöhnen."

Nicht nur von den Abläufen sei alles noch weit entfernt von der früheren Normalität, sagt er. Auch die Kunden strömen noch nicht so in die Läden zurück, wie es die Händler gerne hätten und bräuchten. Deshalb gelten in vielen Geschäften derzeit verkürzte Öffnungszeiten: Wöhrl und C&A zum Beispiel schließen schon um 18 Uhr.

Auch C&A hatte bis Montag die Verkaufsfläche einschränken müssen. Nun habe sich das Geschäft wieder etwas normalisiert, heißt es am Dienstag aus der Filiale in der Spitalgasse. 135 Kunden haben Zutritt; damit das kontrolliert werden kann, werden am Eingang Einkaufstaschen ausgegeben. Auch jedes Kind erhält eine, denn es zählen die Köpfe. Vorige Woche noch durften maximal 35 Personen eingelassen werden, "da mussten wir schon manchmal sperren", erzählt eine der Angestellten. Denn in den fünf Wochen, in denen die Geschäfte geschlossen bleiben mussten, seien manche Kinder kräftig gewachsen. "Da wurden neue Basics gebraucht."

Nebenan, bei S.Oliver, werden ab heute die Öffnungszeiten verkürzt: Ab 17 Uhr ist dann geschlossen. Zwar hatte das Bekleidungsgeschäft schon vor zwei Wochen öffnen dürfen, aber der Kundenzuspruch sei vormittags und um die Mittagszeit noch am größten, sagt einer der Verkäufer. Es mache sich bemerkbar, dass Laufkundschaft fehle - Tagestouristen steuern Coburg im Moment kaum an. Verkürzte Öffnungszeiten seien aber nicht nur ein Coburger Phänomen, sagt der Händler: Auch in größeren Städten und in Einkaufszentren würden viele Filialen derzeit ihre Öffnungszeiten reduzieren, weil einfach noch die Kundschaft fehle.

Um die Kunden in die Läden zu locken, setzt der Handel auf teils massive Rabatte, wie die Schilder in den Auslagen und Schaufenstern zeigen. In den fünf Wochen Schließzeit blieb viel Ware liegen.