von unserem Mitarbeiter 
Stephan Herbert Fuchs

Kulmbach — Mit fast drei Promille Alkohol im Blut hat die Polizei am 20. Dezember des vergangenen Jahres einen 48-jährigen Mann aus dem Landkreis Kulmbach aus dem Verkehr gezogen. Jetzt wurde der Computerspezialist wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vom Kulmbacher Amtsgericht zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Seine Lebensgefährtin erhielt eine Geldstrafe n Höhe von 2700 Euro, weil sie zugelassen hatte, dass der Mann ihren Wagen benutzt.
Auf der einen Seite nannte der Mann sein Verhalten vor Gericht unentschuldbar und verantwortungslos. "Es ist mit nichts zu rechtfertigen, dass ich in meinem Zustand Auto gefahren bin", sagte er reumütig. Auf der anderen Seite erklärte er wortreich, warum es damals nicht zu verhindern gewesen sei, dass er sich hinter das Steuer gesetzt hatte.

Erklärungsversuche

Er leide unter allen nur denkbaren psychischen und physischen Erkrankungen, habe mehrere schwere Operationen hinter sich, sei zwei Tage vor der Trunkenheitsfahrt schwer gestürzt und längere Zeit bewusstlos gewesen und hatte nach mehreren Entzugstherapien wieder begonnen, Alkohol zu trinken. In einer solchen "extremen Ausnahmesituation" habe er sich dann hinter das Steuer gesetzt und wollte zur Behandlung ins Krankenhaus.
Auf dem Beifahrersitz saß die Lebensgefährtin. Ihr gehörte der Wagen und sie will laut einer Erklärung ihres Rechtsanwaltes gar nicht gewusst haben, dass der Angeklagte keinen Führerschein besitzt. Darüber habe man nie gesprochen, hieß es in der Erklärung des Anwalts. Während die Frau selbst keine Aussage machen wollte, bestätigte der Angeklagte, dass man tatsächlich nie darüber gesprochen habe. "Aus Scham habe ich ihr nie gesagt, dass mein Führerschein weg ist". So der Angeklagte. Das Pikante an der Sache ist, auch die Lebensgefährtin hatte aufgrund ihrer Alkoholprobleme längst keine Fahrerlaubnis mehr.

Volles Vorstrafenregister

Ein Blick in das Vorstrafenregister des Mannes machte deutlich, dass er seit vielen Jahren alkoholkrank ist, aber trotzdem immer wieder Auto unterwegs war. Vier Verurteilungen wegen Trunkenheit im Verkehr waren aufgelistet. Bei der letzten im Jahr 2009 wurde der 48-Jährige sogar zu vier Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt und musste einen Teil der Strafe absitzen. Auch der Polizei seien die beiden schon bekannt gewesen, sagte der Beamte aus Stadtsteinach. Im ganzen Auto habe es nach Alkohol gerochen und die beiden seien sehr aufgebracht gewesen.
Mit ihrem Urteil schloss sich Richterin Sieglinde Tettmann der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Rechtsanwalt Alexander Kraus aus Kulmbach hatte zuvor für die Lebensgefährtin einen Freispruch beantragt, weil seiner Meinung nach nicht nachgewiesen werden könne, dass die Frau über die Fahrerlaubnis des Angeklagten Bescheid wusste. Der Angeklagte selbst war ohne Verteidiger erschienen und hatte in seinem letzten Wort betont, dass er sein Leben zwischenzeitlich um 180 Grad gedreht habe.
Zusätzlich zu der sechsmonatigen Bewährungsstrafe muss der Mann 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und er darf zwei Jahre lang keinen Tropfen Alkohol zu sich nehmen, was in Form von regelmäßigen Screenings auch streng überwacht wird. Die Frau müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie dem schwer betrunkenen Angeklagten ans Steuer ihres Wagens ließ und dass sie von seinem Vorleben als Alkoholiker wusste. "Da muss man sich den Schein zeigen lassen", sagte die Richterin und verhängte die Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 30 Euro.