Andreas Dorsch Alltag in der Polizeidienststelle in Höchstadt nachts und am Wochenende: ein Kollege sitzt am Schreibtisch und Telefon in der Zentrale, zwei sind in einem Auto auf Streife unterwegs. Sie müssen den weitläufigen Dienstbereich abdecken, der sich von Vestenbergsgreuth über Höchstadt bis nach Röttenbach erstreckt.

Ruft jetzt beispielsweise am Samstag eine ältere Dame aus Hemhofen an, die gerade überfallen und bestohlen wurde, und unmittelbar davor ein Autofahrer vom Parkplatz eines Einkaufsmarktes in Höchstadt, weil jemand die Stoßstange seines Autos angefahren hat, steht für die Streife außer Frage, wo sie als erstes hinfährt. Der Autofahrer auf dem Parkplatz muss warten.

Dafür sollte er auch Verständnis haben, sagt Höchstadts Polizeichefin Sabine Röhrer. Sie würde pro Schicht gerne sechs Beamte einsetzen, hat diese aber nicht.

Wie viele andere Polizeidienststellen in Bayern leidet auch die Höchstadter unter Personalmangel. Das wird deutlich, wenn Bürger die Polizei rufen, dann eventuell aber etwas länger warten müssen, bis die Streife eintrifft. "Trotzdem sind wir immer für jeden da", sagt Röhrer. In Notfällen helfen auch mal die Kollegen aus Erlangen oder Herzogenaurach ebenso aus, wie die Höchstadter dort einspringen, wenn Not am Mann ist.

Eine große Familie

In der Dienststelle in Höchstadt sind insgesamt 40 Mitarbeiter beschäftigt, darunter aber auch eine ganze Reihe von Teilzeitkräften. Die Planstellen sind bei weitem nicht alle besetzt. Ihre Höchstadter Belegschaft vergleicht die noch recht neue Chefin Röhrer mit einer großen Familie. Sie schätzt das besonders kollegiale Verhältnis, in dem man sich gegenseitig aushilft, zwangsläufig auch Überstunden macht. Da nimmt sich die Chefin nicht aus und fährt auch mal selbst mit Streife.

Röhrer ist zuversichtlich, dass sich die Personalsituation auch in Höchstadt bald bessert. Ihr oberster Chef, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), hat erst jüngst bekanntgegeben, dass im Herbst dieses Jahres rund 570 neu ausgebildete Polizisten zur Verfügung stehen werden. Wie die Pressestelle des Innenministeriums mitteilt, sind davon 86 für Dienststellen in Mittelfranken vorgesehen.

463 Beamte werden zu diesem Zeitpunkt in Bayern in den Ruhestand gehen, was laut Ministerium zu einem Personalplus von gut hundert Beamten führen wird. Insgesamt spricht Herrmann von einem Rekordwert an neuen Polizisten in diesem Jahr. Abzüglich der Ruhestandsabgänge bleibt einschließlich der Einsteiger im Frühjahr ein Zuwachs von 300 Polizisten.

Wie Sabine Röhrer aber auch feststellt, wird die Polizei immer mehr mit Vorfällen und Anliegen konfrontiert, für die sie nicht in erster Linie zuständig ist. Bei Parkplatz-Remplern mit verkratzten Stoßstangen muss die Polizei nicht gerufen werden. Auch nicht, wenn ein Reh überfahren wird.

Und die Polizei ist auch nicht erster Ansprechpartner, wenn jemand vor der Anton-Wölker-Grundschule einen Zebrastreifen auf dem Wachenrother Weg wünscht. Aber auch diesen Wunsch hörten sich Röhrer und ihre Kolleginnen Michaela Rosenthal und Stefanie Meier gestern an ihrem Stand auf dem Marktplatz an. Und sie versicherten, den Wunsch in diesem Fall an die Stadt weiterzugeben.

Im Zuge des bayernweiten Verkehrssicherheitsprogramms "Bayern mobil - sicher ans Ziel" war die Höchstadter Polizei auf dem Marktplatz vertreten. Die Beamtinnen diskutierten mit den Bürgern Verkehrs- und andere Themen und warben auch für ein Gewinnspiel.