Die Planung lag fix und fertig in der Schublade. Das Großprojekt sollte eine Megaförderung bekommen: 85 Prozent der geschätzten Baukosten von 12 bis 13 Millionen Mark. Auch das Ergebnis der Erkundungsbohrungen 1993 war vielversprechend. "Gute Voraussetzungen" für den Tunnelbau zur Plassenburg stellte der Geologe Klaus-Hermann Hofmann fest. "Ich denke, dass der Hang stabil ist." Alles klar also? Nein, denn zwei Jahre später kam das Aus. Die unterirdische Standseilbahn wurde nie auf die Schiene gestellt.

Warum wurde vor 25 Jahren das Projekt beerdigt, mit dem man neue Wege bei der Verkehrserschließung der Plassenburg gehen wollte? Zeitungsberichte aus der Zeit - die Rundschau war voll davon - sprechen eine klare Sprache: Es war ein politischer Machtkampf. Im Stadtrat ging es hoch her. Ein Politkrimi im Zeichen der Burg.

Heute wird wieder darüber diskutiert, wie Menschen - vor allem Touristen - auf die Plassenburg kommen. Wieder prallen die Meinungen aufeinander. Die Schlösserverwaltung möchte eine drei Kilometer lange Asphaltpiste vom ehemaligen Gasthaus "Waldschlössla" durch den Buchwald bauen. Deren Präsident Bernd Schreiber bezeichnet die Straße als alternativlos. Dagegen laufen viele Kulmbacher Sturm. Eine Straße ist auch mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) nicht zu machen. Er meint, dass der Pendelbus gut funktioniert. Eine dritte Gruppe, die immer größer zu werden scheint, träumt von der Renaissance des Seilbahngedankens. Man wünscht sich eine Gondelbahn, deren Passagiere vom Grünwehr zur Burg schweben.

Anfang der achtziger Jahre zeichnete sich folgende Problematik ab: Die immer größer werdenden Reisebusse kommen nicht mehr durchs enge Burgtor und können auch beim Schatz-Parkplatz nicht wenden. Außerdem sickerte durch, dass die Schlösserverwaltung den Kasernenhof aus Denkmalschutzgründen für Autos sperren will.

Bahn soll oberirdisch fahren

Der drohende Super-GAU für die Hohenzollernfestung rief Horst Uhlemann († 2011) auf den Plan. Der Rundschau-Verleger und Mäzen, der Unsummen in die Plassenburg gesteckt hat, zauberte 1984 einen visionären Vorschlag aus dem Hut: eine Standseilbahn, die oberirdisch und auf Schienen Passagiere vom Anwesen Grünwehr 30 nach oben zum Roten Turm (Nordostecke der Burg) transportieren sollte.

Mit Herzblut trieb Uhlemann seine Idee voran. In Graz, Salzburg und Baden-Baden führte der CSU-Stadtrat seinen Kollegen vor, was man sich unter einer Standseilbahn vorzustellen hat. Aber die oberirdische Streckenführung mit einer Schneise im alten Baumbestand traf auf großen Widerstand in der Bevölkerung. Die Aktion "Rettet den Burgberg" bildete sich, und das Projekt war nicht durchsetzbar.

Der Vorsitzende der Freunde der Plassenburg verlegte sich auf die unterirdische Variante: Tunnel 265m, 60 Passagiere, 90 Sekunden Fahrzeit, Bergstation im Pfauengarten. Die Rahmenbedingungen - siehe oben - passten. An der Stadt sollten höchstens 2,5 Millionen Mark hängenbleiben. Im Stadtrat gab es breite Zustimmung. Befürworter der U-Bahn waren OB Erich Stammberger (WGK/†), CSU und WGK fast komplett und mehrheitlich auch die SPD, die noch eine Hauptrolle spielen sollte.

1990 bezeichnete es die SPD als "ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar", mit der U-Bahn zur Plassenburg zu fahren. Auch beim Grundsatzbeschluss des Stadtrats, das Vorhaben durchzuziehen, waren die meisten Roten im Dezember 1992 noch dabei.

Gegen Luxusprojekt

Ein Jahr später aber schwenkte die SPD um. Die Fraktion argumentierte, dass die Bahn bei knappen Kassen ein Luxusprojekt sei. Kulmbach könne sich in Zeiten wirtschaftlicher Rezession und rückläufiger Steuereinnahmen auch die Folgekosten durch den Betrieb der Bahn nicht leisten. Doch die Mehrheit für die Standseilbahn stand - immer noch. Die SPD-Stadträte Peter Pöhlmann und Jürgen Kohlberger blieben bei der Stange und scherten aus ihrer Fraktion aus. Aber der Stadtrat fasste keinen konkreten Baubeschluss. So wurde das Vorhaben in den OB-Wahlkampf 1994 hineingezogen. Herbert Münch (SPD/†) gab dem OB die Schuld, sonst "wäre die Standseilbahn in den Jahren der besseren Finanzen schon längst gebaut worden".

OB-Kandidatin Inge Aures (SPD) kündigte an, an allen Fronten zu kämpfen, um das Projekt zu verhindern. Damit gewann sie die Wahl und zog im Januar 1995 ins Rathaus ein.

High Noon im Februar

Der entscheidende Tag war am 16. Februar 1995: High Noon im Haus des Handwerks. Vor der Abstimmung über den Bau der Berg- und Talstation verließ Projektgegnerin Eleonore Hohenberger (CSU) den Saal. Pöhlmann und Kohlberger stimmten nun erstmals mit der SPD-Fraktion. Es gab ein Patt: 15:15 - damit war der Antrag abgelehnt. Knapper geht's nicht. Pöhlmann erklärte in der berühmten Sitzung, dass er und Kohlberger die Meinung der Bevölkerung und das Ergebnis der OB-Wahl nicht hätten ignorieren können. "Die rechte Seite im Stadtrat" mit ihrer absoluten Mehrheit habe "versagt".

"Schwarzer Tag für Kulmbach"

Im Mai 1996 beschäftigte sich der Stadtrat letztmals mit der Standseilbahn. Der Förderantrag wurde zurückgezogen. Am Schluss meinte Stefan Schaffranek (WGK): Die Bahn sei an "parteipolitischem Denken" gescheitert. Kommentar von Horst Uhlemann: "Das ist ein schwarzer Tag für Kulmbach." Der Bumerang werde auf die Stadt und den Stadtrat zurückfallen.